1. Dezember 2016 | Tanja Gabriele Baudson

Adventskalender, Tag 1: 24 Gedanken und Wünsche für Hochbegabte

Heute ist der 1. Dezember – Zeit also für einen Adventskalender! In diesem Jahr habe ich mir überlegt, Hochbegabte zu befragen, was sie hochbegabten Kindern und Jugendlichen aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen als Gedanken und Wünsche mit auf den Weg geben würden. Die Idee ist etwas spontan heute morgen entstanden, aber mal sehen, was so kommt. Füllmaterial für die ersten Türchen gibt es auf jeden Fall schon mal!

Die erste Antwort kam nicht einmal zehn Minuten, nachdem ich die Mail verschickt hatte. Caroline (22) schreibt:

"Hochbegabung klingt immer so, als wäre man viel besser als alle anderen. Schlag dir das gleich mal aus dem Kopf!
Deine Intelligenz ist nur ein kleiner Teil deiner Persönlichkeit, trotzdem darfst du deine Hochbegabung nicht klein reden. Sie ist ein tolles Geschenk, das du nutzen solltest, aber achte dabei immer darauf, anderen nicht das Gefühl zu geben, dass sie dumm sind.
Stell dir mal etwas vor, was du gut kannst, aber eben nicht sehr gut, vielleicht Fussball spielen; und jetzt stell dir vor, dass ein Bundesligaprofi gemein zu dir ist, weil du nicht so gut spielst wie er. Das wäre unfair! Es wäre doch viel besser, wenn er dir ein paar Tricks zeigt und dir hilft, besser zu werden.
Du solltest auch nicht unfair zu anderen sein, sondern verstehen, dass sie manches nicht so schnell begreifen wie du, dafür können sie was anderes besser, wobei sie dir vielleicht helfen können.
Wenn wir uns alle gegenseitig helfen, lernen wir alle etwas Neues und sind glücklicher, weil wir neue Freunde gefunden haben."

Ich finde, da stecken viele kluge Ideen drin – vor allem gefällt mir aber der Gedanke des Voneinander-Lernens. Mal gespannt, was noch so alles zusammenkommt!

Kategorien: Beratung Förderung Unterhaltsames

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6 Gedanken zu „Adventskalender, Tag 1: 24 Gedanken und Wünsche für Hochbegabte

  1. von peoplez

    Ich wünsche vor allem den Underachievern, dass sie den Glauben an sich nicht verlieren und im Laufe der Zeit es schaffen ihre Gaben anzunehmen, dazu zähle ich ebenso die Hochsensitivität und Hochsensibilität.
    Das Schulsystem ist für viele von ihnen nicht geeignet, aber es gibt eine Zeit nach der Schule, da kann man auch noch sein ganzes Potenzial entfalten. Ohne sich in irgendeine Norm pressen zu lassen, das Tempo selber wählen, den Weg selber wählen, mit seinen Gaben im Einklang leben, dass wünsche ich allen.

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  2. von Frollein ABC

    Gibt keinen Titel. Lohnt nicht.

    Ja, brav und demütig, so soll der Hochbegabte sein, un dann soll er sich bittesehr auch ganz gewaltig schämen, das ist ja wohl das Mindeste!
    Im Gegenteil zu dem in diesem Aufsatz Suggerierten ist die Umwelt, die Schule, sind die Mitschüler aber gemein zum Hochbegabten, es ist nicht umgekehrt. Die einzige gemeinheit des Hochbegabten liegt darin, dass er es wagt, zu existieren.
    Darum, aufgrund des geballten Hasses, der ihm entgegenschlägt, scheitert er, wird zum Versager, er wird nicht gefördert, er soll sich von klein auf 'zusammennehmen', sein Licht unter den Scheffel stellen, und Lehrer hetzen die gesamte Meute auf den nervigen klugen Kopf. Der stellt das sich-Melden frühzeitig ein, liest unterm Tisch, während die Durchschnittsdeppen in der Fibel rumbuchstabieren, bekommt dafür schlechte Noten, lernt die Öffentlichkeit meiden, bleibt mehr zu Hause, als dass er zur Schule geht, und liest eben dort.

    Offen gesagt, hätte ich besser erst nachgeschaut, ob ein Diplom-Psychologe dies zusammengerührt hat. Dann hätte ich mir das Lesen und den Ärger von vornherein erspart.

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    1. von Tanja Gabriele Baudson, Artikelautor(in)

      Ich glaube, der Artikel hat bei Ihnen einiges angetriggert. ("Durchschnittsdeppen", "Lehrer hetzen die gesamte Meute auf den klugen Kopf" etc. trägt im übrigen auch eher nicht zum gegenseitigen Verständnis bei. Auch wenn das vielleicht Ihre persönliche – und nachvollziehbarerweise frustrierende – Erfahrung ist, ist es m.E. wenig produktiv, als gehässig interpretiertem Verhalten nun seinerseits mit Hass zu begegnen.)

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  3. von Name

    Was ich gern gewusst hätte ...

    Eine sehr schöne Idee!

    Was ich gern gewusst hätte, als ich jünger war, formuliert für die nachste Generation:

    Warte nicht darauf Menschen zu treffen, mit denen du richtig gut reden kannst. Suche dir intelligente, warme oder einfach zu deiner Persönlichkeit passende Menschen in dem Umfang, in dem sie da sind. Habe Geduld und Mitgefühl. Hol aus diesen Beziehungen das beste raus (ein Lehrer muss nicht intelligenter sein als du, lerne harte Arbeit und Spezialisten zu schätzen). Sammle Erfahrungen außerhalb deiner Komfortzone, wenn du dich überwinden kannst. Gerade, wenn du unter Hochbegabten hochbegabt bist wird dir da noch jemand fehlen. Lerne mit dieser Einsamkeit zu leben. Genieße das Leben wo du kannst. Nutze die Zeit, um deine Neugierde zu stillen.

    Arbeite! Fähigkeiten nicht zu nutzen, tut uns Menschen nicht gut. Und diese Gesellschaft ist für alle gemacht, auch die Schule, Spezialfälle finden da oft leider nicht genug Berücksichtigtigung (Geduld, Mitgefühl, aber manchmal auch einfordern sind hier wichtig!). Ohne Herausforderungen läufst du Gefahr unglücklich, faul, überheblich und nachher leistungsschwächer als nicht hochbegabte Menschen zu werden. Fordere etwas von dir selbst! Schulbücher und Lernpläne aus dem Internet für Schule aber vor allem Universität und die passenden Bücher zu den Veranstaltungen können dein Startpunkt sein. Aber auch jedes Hobby ist gut. Auch wenn dir klassischer Erfolg und Konkurrenzdenken nicht liegen, dich zu messen hilft zu sehen, wenn du dich nicht genug forderst. Du hast das Privileg 2 oder 3 Fächer tiefer zu lernen, wenn du dich ranhälst. Solche Menschen braucht die Welt.

    Verarbeite nicht zu viel bewusst. Wenn du zu sehr ins Detail gehst, kann es besser sein, erst den Weg zu gehen, den alle gehen und diesen dann zu verbessern, wo er Mängel hat. Erfinde das Rad nur neu, wenn du dafür die Zeit hast.

    Pass dich an, um auf andere zuzugehen, aber geh deinen Weg, wenn es wichtig ist.

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  4. von E.M. Walter

    @ Name / @ Frollein ABC

    Danke! ...

    ... dafür, die richtigen Worte an dieser Stelle gefunden zu haben.

    @ Frollein ABC: ich kenne Ihre Fassungslosigkeit sehr gut und kann fast täglich eben diesen Ausdruck bei mir finden, ohne Worte dafür zu finden. Im Grunde versuche ich tagtäglich einfach nur mein Kind heil „durch zu jonglieren“ und bin trotzdem immer einfach nur fassungslos.

    @ Name: dem „Durch Jonglieren“ haben Sie mit Ihrem Kommentar nachhaltig einen guten Dienst erwiesen. Ihre Worte hängen an meiner Pinwand – nicht an meinem Schreibtisch, sondern im Flur – ich sehe sie, wenn ich die Wohnung verlasse und beim Nachhausekommen. Sie geben meine Grundeinstellung, mein Bauchgefühl wieder und bestärken mich,. Mein Kind zeigt das mit einer kaum nachvollziehbaren Resilienz.

    An der Stelle vielleicht ein ganz privates Beispiel der vergangenen 24 Stunden nach viel Schulfrust der vergangenen Woche. Gestern war Freitag. Mich konnte man abends wie eine Welle amöbenförmig quer in meinem Sessel liegend beim Lesen der Tageszeitung finden. Alle, mein Kind interessierenden Artikel habe ich über Kopf an das Sofa weitergereicht. Mit dem Ergebnis- eine ganz kleine Notiz: ornithologischer Verein trifft sich zur Vogelbeobachtung … Zeit... Ort... Hinter mir quietschte es vor lauter Glück – der Rucksack wurde sofort gepackt. Am Rande: der Samstagvormittag ist mir heilig! Heute, Samstag habe ich nicht ausgeschlafen, stand maulich, murrend und warm eingepackt morgens im Flur. Nach der Panikattacke meines Kindes (Oh Gott, ich bin völlig unterausgerüstet: trotz hochwertigem Fernglas, aktuellem NABU-Vogelführer und passendster Kleidung) legte mir mein Kind, so groß geworden und mittlerweile auf Augenhöhe, links und rechts die Hände ans Gesicht und sagte: arme Mami. Vor Ort stellte es fest: „ooh nee, sind die alle alt!!“ Als einziges Kind, ich glaube sogar ich war die Zweitjüngste, war der Vormittag eine Bereicherung und mehr Wert als jede Biostunde! Mein Kind konnte mitreden, Fragen wurden gehört und sofort beantwortet, in unserem Buch wurde ständig geblättert und das Beste daran: endlich nimmt das Angebot CyberMentor für mein Kind Gestalt an und will nun doch genutzt werden.

    Einfach oder eben so gar nicht einfach: aber unbedingt weitermachen. An das Team des Fachportals: Danke fürs Dasein und den Dialog pflegen.

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  5. von Sandra

    Ich wünsche ...

    ... den Kindern und Jugendlichen ein offeneres und flexibleres System Schule und besser ausgebildete Lehrer, die keine Angst haben vor Schülerinnen und Schülern, die manchmal klüger sind als sie selbst!

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