Hochbegabte beraten

Hochbegabte beraten

Wer bietet Hilfe bei individuellen Fragen und Problemen? Gegenstand von begabungspsychologischer Beratung und mögliche Anlaufstellen.

Was können Themen einer Hochbegabtenberatung sein?

Vorab sollte gesagt werden, dass eine Hochbegabung natürlich nicht zwangsläufig Probleme mit sich bringen muss. Eine speziell an die Bedürfnisse besonders begabter Menschen gerichtete Beratung kann bei verschiedenen Fragestellungen und Schwierigkeiten jedoch wichtig sein. Gegenstand einer solchen Beratung können sowohl Schwierigkeiten im Leistungsbereich, im zwischenmenschlichen Bereich als auch im persönlichen Bereich sein.

Im Leistungsbereich stellen sich häufig Fragen zu Unter- oder auch Überforderung, Perfektionismus, fehlender Leistungsmotivation, mangelnden Lern- und Arbeitstechniken, Diskrepanz zwischen Begabung und Schulleistung (Underachievement), Teilleistungsstörungen (z. B. Legasthenie), zur weiteren Schullaufbahn oder auch nach Schulabschluss zur Berufs- und Studienfachwahl.

Im zwischenmenschlichen Bereich können beispielsweise Schwierigkeiten in der Lehrer-Schüler-, Lehrer-Eltern- oder Eltern-Kind-Beziehung, Mobbing in der Schule, störendes Verhalten im Unterricht, aggressives Verhalten, Isolation oder familiäre Konflikte zu Beratungsbedarf führen.

Auf Seiten des Kindes, Jugendlichen oder auch Erwachsenen können in der Beratung Bereiche wie besondere Interessensgebiete, Fördermöglichkeiten in den Bereichen der Begabung oder auch in Bereichen individueller Schwäche, Selbstwert und Selbsteinschätzung der eigenen Begabung, Ängstlichkeit, Schulunlust, Depression, psychosomatische Beschwerden, Konzentrationsfähigkeit oder eine Aufmerksamkeitsdefizit- bzw. Hyperaktivitätsstörung Thema sein.

Wer bietet Beratung an?

Beratungsangebote, die sich speziell an besonders Begabte und ihr Umfeld richten, sind in den vergangenen zehn Jahren vielfältiger geworden. In der Regel findet die Beratung durch sachkundige Psychologen statt, z. B. in schulpsychologischen oder Erziehungs-Beratungsstellen, freien Praxen oder auch in speziellen Hochbegabungs-Beratungsstellen und in privaten Vereinen (z. B. der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind). Doch auch speziell qualifizierte Pädagogen übernehmen zunehmend beraterische Funktionen, vor allem im Bereich der Fachberatung, d. h. in der Beratung und Anleitung von Fachkräften und pädagogischen Institutionen bei der Umsetzung von Maßnahmen der Hochbegabtenförderung.

Die Frage nach der Eignung einer Beratungsstelle für das jeweilige Anliegen der Ratsuchenden ist abhängig von deren Fragestellung. So haben schulpsychologische Beratungsstellen beispielsweise den Auftrag, Schüler in ihrer Lernentwicklung und in der erfolgreichen Absolvierung ihrer Schullaufbahn zu unterstützen (und haben dabei häufig den direkteren Kontakt zur Schule). Erziehungsberatungsstellen hingegen haben ihren Schwerpunkt in der Beratung von Eltern bei Erziehungsfragen und familiären Beziehungsproblemen. Spezialisierte Begabungspsychologische Beratungsstellen wiederum haben häufig den umfangreicheren Erfahrungsschatz im Themenfeld der hochbegabungsspezifischen Diagnostik und Einzelfallberatung. Ihre Inanspruchnahme erfordert jedoch häufig eine weite Anreise für die Ratsuchenden und eignet sich daher weniger für eine kontinuierliche beraterische Begleitung.

Je klarer die Ratsuchenden ihr Anliegen formulieren können, desto eher können sie mit dem Berater klären, ob das Beratungsangebot zu ihrem Anliegen passt oder wer gegebenenfalls besser helfen kann.

Eine Datenbank zu hochbegabungsspezifischen Beratungsmöglichkeiten finden Sie im Fachportal der Karg-Stiftung unter Beratungsstellen.

Underachievement bei Hochbegabten: Was ist das und wie erkennt man es?

Hochbegabte Underachiever sind Schülerinnen oder Schüler, die zwar eine hohe Intelligenz aufweisen, aber nur durchschnittliche oder auch unterdurchschnittliche Schulleistungen zeigen. Diese Schülerinnen und Schüler haben in der Regel sehr negative Einstellungen gegenüber der Schule, sie sehen sich selbst eher ungünstig und fallen auch sonst als »Problemkinder« auf. Underachievement kann bereits im Grundschulalter beginnen. Insgesamt sind mehr Jungen als Mädchen betroffen. Die Gründe für Underachievement sind vielfältig und scheinen sich von Person zu Person stark zu unterscheiden. Sie können in der Person selbst, der Familie und/oder der Schule zu finden sein. Um hochbegabte Underachiever zu erkennen, ist in der Regel eine testpsychologische Untersuchung der Intelligenz sowie schulbezogener Fähigkeiten und Kenntnisse erforderlich.Underachievement gibt es natürlich auch bei nicht hochbegabten Schülerinnen und Schülern. Unklar ist derzeit noch, ob Hochbegabte ein erhöhtes Risiko für Underachievement aufweisen. Dieser Punkt wird unter Expertinnen und Experten kontrovers diskutiert, jedoch sprechen etliche und auch groß angelegte Studien eher gegen ein erhöhtes Risiko bei Hoch- und auch Höchstbegabten. Eine angemessene Schätzung über den Anteil an Underachievern unter den Hochbegabten dürfte zwischen 15 und 25 % liegen.

Was können Eltern tun, wenn ihr hochbegabtes Kind schulisch unterfordert ist?

Schulische Unterforderung bei hochbegabten Kindern kann sich zum Beispiel in störendem Verhalten, gedanklichem Abschalten, Unzufriedenheit oder auch bewusstem Verstecken eigener Fähigkeiten zeigen. Lang anhaltende Unterforderung wirkt sich möglicherweise in Form psychosomatischer Beschwerden oder depressiver Verstimmung aus. Bei Anzeichen einer Unterforderung besteht Handlungsbedarf: Nehmen Sie Kontakt mit der zuständigen Lehrkraft auf und konsultieren Sie gegebenenfalls eine Beratungsstelle, nehmen Sie eine Analyse der aktuellen Situation und Vorgeschichte vor und leiten Sie mit der Beraterin oder dem Berater entsprechende Maßnahmen wie zum Beispiel ein Gespräch mit der Schule, verstärkte individuelle Förderung, Überspringen oder außerschulische Fördermöglichkeiten ein. Wichtig ist die gezielte Abklärung, ob tatsächlich eine Unterforderung für die Symptome verantwortlich ist, oder ob es dafür andere Ursachen gibt.

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