Hochbegabung erkennen

Hochbegabung erkennen

Wie kann eine Hochbegabung identifiziert werden? Merkmale von Hochbegabung und Möglichkeiten der diagnostischen Abklärung.

Welche Merkmale weisen auf eine Hochbegabung hin?

Hochbegabte Kinder unterscheiden sich von anderen Kindern deutlich in der Ausprägung ihrer Intelligenz, ihre intellektuellen Fähigkeiten liegen weit über dem Durchschnitt. Soviel wir heute wissen, unterscheiden sich Hochbegabte als Gruppe jedoch in vielen anderen Merkmalen nicht systematisch von anderen Menschen. So gibt es etwa keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Hochbegabte weniger oder mehr schlafen als andere, dass sie häufiger als andere ihren eigenen Willen durchsetzen wollen, einen ausgeprägteren Sinn für Humor haben oder häufiger ironische Kommentare abgeben.

Andere Merkmale und Fähigkeiten können jedoch durchaus als Hinweise auf eine mögliche Hochbegabung genutzt werden, und zwar solche, die eng mit der Intelligenz zusammenhängen. Diese Merkmale sind zum Beispiel: eine besonders ausgeprägte Merkfähigkeit und ein herausragend gutes Gedächtnis; die Fähigkeit, komplexe Probleme schnell und gut zu lösen sowie Dinge zu ordnen und eine Struktur zu schaffen; ein für das Alter ungewöhnlicher Wortschatz und ein besonders gutes sprachliches Ausdrucksvermögen sowie eine frühe, weitgehend selbstgesteuerte Aneignung von Fertigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen auf einem altersuntypisch hohen Niveau. Die genannten Merkmale können ein Hinweis auf eine Hochbegabung sein und als Anlass für eine psychodiagnostische Überprüfung genommen werden. Jedoch bedeutet das Auftreten dieser Besonderheiten bei einem Kind noch nicht zwingend, dass es tatsächlich hochbegabt ist. Vielmehr kann in einem solchen Fall davon ausgegangen werden, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Hochbegabung erhöht ist. Eine verlässliche Diagnose können dann Intelligenztests liefern.

Gibt es bereits in der frühen Kindheit Anzeichen für eine Hochbegabung?

Manche der zur vorangehenden Frage genannten Merkmale, die auf eine Hochbegabung hinweisen können, sind bereits in der frühen Kindheit zu beobachten. So deuten zum Beispiel verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen mit Kleinkindern darauf hin, dass die Aufmerksamkeit und die Effizienz der Informationsverarbeitung in einem gewissen Zusammenhang mit der weiteren Intelligenzentwicklung stehen. Auch ein gutes Gedächtnis kann bereits in der frühen Kindheit auffallen und ein Hinweis auf eine hohe intellektuelle Begabung sein. Ebenso wie für Intelligenztestungen gilt jedoch auch hier: Je jünger ein Kind ist, desto unsicherer sind Prognosen für die weitere Begabungs- und Leistungsentwicklung!

Einige Eltern berichten von besonderen Auffälligkeiten ihrer Kinder in verschiedenen Entwicklungsabschnitten, zum Beispiel von hoher Aktivität und starkem Erkundungsdrang im Kleinkindalter, die sie rückblickend als erste Hinweise auf die später festgestellte Hochbegabung ihrer Kinder bewerten. Dies mag für Einzelfälle durchaus zutreffen, allerdings können diese Erfahrungen nicht einfach auf die Gesamtheit aller hochbegabten Kinder übertragen werden, denn auch innerhalb der Gruppe der Hochbegabten gibt es große Unterschiede.

Kann man eine Hochbegabung anhand von Checklisten feststellen?

In verschiedenen Ratgeberbüchern zum Thema Hochbegabung sind spezielle »Checklisten« mit bestimmten Merkmalen abgedruckt, anhand derer man ein hochbegabtes Kind erkennen können soll. Diese Checklisten liefern jedoch keine verlässliche oder gültige Information über die intellektuelle Begabung eines Kindes, sondern können allenfalls dabei helfen, auf Besonderheiten im Verhalten und Denken eines Kindes aufmerksam zu werden.Eine Begabungsdiagnose kann aus folgenden Gründen anhand der Checklisten-Merkmale nicht vorgenommen werden: Zum einen sind die Merkmale nicht spezifisch genug (auch viele nicht hochbegabte Kinder zeigen einzelne oder mehrere dieser Merkmale!). Zum anderen können die meisten der Merkmale im Alltag oder in der Schule nicht genau und zuverlässig genug beobachtet werden. Auch lassen die Merkmalsbeschreibungen offen, ab welchen Leistungen zum Beispiel die Merkfähigkeit oder der Wortschatz als hinreichend außergewöhnlich einzuschätzen sind.

Wie kann man Hochbegabte in Kita und Schule erkennen und fördern?

Intelligenztests sind im Rahmen der Identifikation von Hochbegabten eine wichtige diagnostische Methode, sollten aber im Rahmen einer diagnostischen Abklärung nicht als einzige Möglichkeit angesehen werden. So kann eine Intelligenzdiagnostik einerseits eine wichtige objektive Aussage über das intellektuelle Begabungsniveau eines Kindes liefern, ist jedoch in ihrer Aussagekraft für die Planung des konkreten pädagogischen Vorgehens zur Förderung des Kindes in Kita oder Schule begrenzt. In der pädagogischen Praxis stellt sich die Frage, welche besonderen individuellen Stärken und Entwicklungsmöglichkeiten das Kind hat und wie diese angemessen gefördert werden können. Dies setzt auf Seiten von Kita und Schule voraus, dass Unterschiede (Heterogenität) in den Lernvoraussetzungen bei Kindern als gegeben akzeptiert werden (wird) und es auf Seiten der Pädagogen eine Bereitschaft gibt, auf diese individuell einzugehen, indem sie Lehr-Lern-Arrangements entsprechend anpassen.

Eine von diesem Verständnis geprägte pädagogische Diagnostik strebt weniger das Erkennen bestimmter Merkmale von Hochbegabung an. Sie möchte stattdessen klären, ob das pädagogische Angebot zu den Bedürfnissen des lernenden Kindes passt und wie diese Passung optimiert werden kann. Pädagogische Diagnostik ist ein zirkulärer Prozess, der Aussagen über den Entwicklungsstand bzw. das Lern- und Leistungsverhalten eines Kindes in einen systematischen Zusammenhang zu Entscheidungen zur Förderung des Kindes setzt. In diesen Prozess kann das Kind – anders als bei der psychologischen Leistungsdiagnostik – mit Reflexionen über sein Lernen aktiv einbezogen werden. Die konsequente Umsetzung eines solchen Vorgehens erlaubt der pädagogischen Fachkraft eine differenzierte Beurteilung und Förderung der Begabungen eines Kindes, stärkt »nebenbei« die Beziehung zwischen pädagogischer Fachkraft und Kind und nimmt dadurch einen positiven Einfluss auf die Lernmotivation des Kindes.

Wann ist eine psychodiagnostische Untersuchung sinnvoll?

Psychodiagnostische Untersuchungen sind dann sinnvoll, wenn in einer bestimmten Situation eine konkrete Frage beantwortet werden soll. Typische Situationen sind etwa die Möglichkeit, dass ein Kind vorzeitig eingeschult werden oder eine Klasse überspringen kann. Hier stellt sich die Frage, ob die intellektuelle Begabung des Kindes ausreicht, in der höheren Klasse erfolgreich mitarbeiten zu können. Oftmals werden bereits verschiedene Indizien vorliegen, wenn die Frage nach bestimmten Fördermaßnahmen aufkommt, z. B. wenn ein 5-jähriges Kind bereits lesen kann oder eine Schülerin sehr gute Schulleistungen aufweist. Dennoch ist in vielen Fällen zur Absicherung eine objektive Überprüfung der Begabung mit einem standardisierten Test sinnvoll. Manchmal ist die Situation auch weniger eindeutig, z. B. wenn ein Schüler zwar einen sehr begabten Eindruck macht, dennoch aber nur schwache Schulleistungen erbringt. In solchen Fällen ist eine sorgfältige psychologische Diagnostik besonders wertvoll, um dem Kind eine angemessene Förderung zukommen zu lassen. Verschiedene Fördereinrichtungen verlangen zudem eine durch einen Intelligenztest belegte Hochbegabung, bevor sie ein Kind aufnehmen, um eine Überforderung und dadurch resultierende Schwierigkeiten wie etwa Motivationsverluste zu verhindern.

Messen alle Intelligenztests dasselbe?

Intelligente Leistungen sind sehr vielfältig und ermöglichen sehr unterschiedliche theoretische Strukturierungen. Heute geht man davon aus, dass Intelligenz keine einheitliche Fähigkeit ist, sondern sich aus verschiedenen unterschiedlichen Teilfähigkeiten zusammensetzt. Manche dieser Teilfähigkeiten sind eher allgemein, manche ziemlich spezifisch. So gibt es Fähigkeiten wie das schlussfolgernde Denken, die bei fast allen Denkleistungen gebraucht werden. Auf der anderen Seite gibt es Fähigkeiten, die sehr spezifisch sind, wie zum Beispiel die Fähigkeit, sich Figuren schnell einprägen zu können.Da Intelligenz so komplex ist, gibt es keinen Test, der alle Bereiche erfasst, die zur Intelligenz zugeordnet werden können. Es gibt also nicht DEN IQ-Test, sondern je nach Theorie und Aufgabenwahl erfassen unterschiedliche Tests mehr oder weniger verschiedene Bereiche der Intelligenz. Wenn ein Kind in zwei verschiedenen Tests deutlich unterschiedliche Ergebnisse hat, so kann es daran liegen, dass die Tests Unterschiedliches messen. Manche Tests erfassen zum Beispiel Bereiche wie den Wortschatz oder das Allgemeinwissen, die stark bildungsabhängig sind. Andere Tests versuchen durch die Verwendung sprachfreien Materials eher bildungsunabhängig zu sein. IQ ist also nicht gleich IQ! Daher ist es wichtig, sich bei der Durchführung eines IQ-Tests genau erklären zu lassen, welche Fähigkeiten erfasst werden.

Was ist eigentlich der IQ?

Der IQ ist eine Maßzahl dafür, wie die Intelligenz einer Person im Verhältnis zu einer Gruppe, die für diese Person repräsentativ ist, beschrieben werden kann. Der IQ gibt dabei die jeweilige positive oder negative Abweichung der Leistung einer Person im Test vom Durchschnitt oder Mittelwert dieser Bezugsgruppe an. Eine solche Bezugsgruppe könnten zum Beispiel Jugendliche zwischen 15 und 16 Jahren im deutschsprachigen Raum sein. Daher spricht man auch vom »Abweichungs-IQ«. Unabhängig von der jeweils betrachteten Bezugsgruppe wird der Mittelwert der Gruppe immer auf IQ 100 festgelegt. IQ-Werte gelten zudem als normal verteilt. Das bedeutet:

Die meisten Menschen, zirka zwei Drittel der Bevölkerung (68%), erreichen einen IQ zwischen 85 und 115. Dieser Bereich wird auch als Durchschnittsbereich der Intelligenz bezeichnet.

Etwa 95 Prozent der Bevölkerung haben einen IQ zwischen 70 und 130.Extrem niedrige oder hohe IQ-Werte sind gleichermaßen selten: Jeweils rund zwei Prozent der Bevölkerung haben einen sehr niedrigen IQ (unter 70) oder einen sehr hohen IQ (über 130).

Wie ist der IQ entstanden?

Der erste Intelligenztest entstand zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Franzosen Binet und Simon entwickelten im Auftrag ihrer Regierung einen Test, der Grundschulkinder mit angeborener oder frühzeitig erworbener Intelligenzschwäche von solchen Kindern unterscheiden sollte, die aufgrund des sozialen Hintergrundes schwache Leistungen im kognitiven Bereich zeigen.

Die Aufgaben dieses ersten Tests, welche von etwa 75% der Kinder eines Altersjahrgangs gelöst wurden, fassten Binet und Simon als eine »Altersreihe« zusammen (z. B. die Aufgabenreihe, die Vierjährige in der Regel lösen). Die Aufgabenreihe, die ein Kind mit höchstens einer Ausnahme lösen konnte, markierte das Intelligenzgrundalter des Kindes. Weitere gelöste Aufgaben höherer Altersgruppen wurden zum Intelligenzgrundalter addiert und somit das Intelligenzalter bestimmt. Mit diesem einfachen Vorgehen legten Binet und Simon den Grundstein dafür, Intelligenz messbar zu machen.

Problematisch bei diesem Vorgehen ist jedoch, dass das Wachstum der Intelligenz nicht kontinuierlich verläuft: ein Rückstand von zwei Jahren zwischen Intelligenz- und Lebensalter ist für einen Vierjährigen sehr viel gravierender als für einen Zwölfjährigen! Daher schlug der deutsche Psychologe Stern 1912 vor, das Intelligenzalter durch das Lebensalter zu dividieren und – um ganzzahlige Werte zu erhalten – das Ergebnis mit 100 zu multiplizieren. So entstand der erste IQ (Intelligenzquotient).

Allerdings nimmt die Leistung in Intelligenztests mit wachsendem Alter nicht stetig zu, sondern bleibt ab dem Erwachsenenalter relativ konstant, während das Lebensalter ständig weiter ansteigt. Nach der IQ-Formel von Stern würde unser IQ also mit steigendem Alter immer geringer.

Daher wird heute nach einem Vorschlag von Wechsler aus dem Jahr 1939 der Testwert einer Person immer an dem Mittelwert und der Streuung einer für diese Person repräsentativen Altersgruppe standardisiert. Man spricht auch vom Abweichungs-IQ. Dieser beschreibt die Lage eines individuellen Testwertes im Verhältnis zum Mittelwert der Vergleichsgruppe unter Berücksichtigung der Gesamtverteilung der Testwerte in dieser Gruppe.

Was bedeuten verschiedene Testnormen?

Intelligenztests erbringen standardisierte Normwerte für die allgemeine Intelligenz und/oder für spezifische Komponenten der Intelligenz (z. B. verbale, mathematische oder räumliche Intelligenz). Unabhängig davon, ob es eine Rückmeldung über die allgemeine Intelligenz oder über bestimmte Teilfähigkeiten gibt, meldet der Testleiter oder die Testleiterin den Eltern die Ergebnisse zumeist in Form von IQ-Werten zurück.

Manchmal werden alternativ auch andere Normwerte verwendet, die sich jedoch durch eine einfache Rechnung leicht ineinander überführen lassen. Man muss dafür zwei Werte der jeweiligen Standardisierung kennen: den Mittelwert und die Standardabweichung.

Die IQ-Skala hat einen Mittelwert von 100 und eine Standardabweichung von 15. Ein IQ von 130 bedeutet daher, dass die Testleistung zwei Standardabweichungen (2 x 15) über dem Mittelwert liegt (100 + 2 x 15 = 130). Häufig verwendet werden auch so genannte T-Werte. Die T-Wert-Skala hat einen Mittelwert von 50 und eine Standardabweichung von 10. Ein T-Wert von 70 ist daher äquivalent zu einem IQ-Wert von 130 (50 + 2 x 10 = 70). In manchen Tests werden auch Standardwerte (Z-Werte) verwendet, diese haben einen Mittelwert von 100 und eine Standardabweichung von 10. Einem IQ-Wert von 130 entspricht somit ein Standardwert von 120 (100 + 2 x 10).

Ebenfalls Verwendung finden so genannte Prozentränge. Der Prozentrang gibt an, wieviel Prozent der Kinder der Vergleichsgruppe in dem gleichen Test schlechter abgeschnitten haben als das getestete Kind. Ein Prozentrang von 98 bedeutet zum Beispiel, dass nur zwei Prozent der Vergleichsgruppe in dem Test besser abgeschnitten haben. Dieser Wert entspricht einem IQ-Wert von 130.

Welche Testverfahren entsprechen den wissenschaftlichen Standards?

Intelligenztests sollen objektiv und zuverlässig messen, d.h. sie sollen möglichst wenig subjektiven Einflüssen der Testleiterin bzw. des Testleiters unterliegen und über die Zeit stabile Werte für eine Person ermitteln. Zudem sollten Intelligenztests gültige Ergebnisse liefern, also auch genau den Intelligenzbereich erfassen, den der Test zu messen vorgibt. Objektivität, Zuverlässigkeit und Gültigkeit werden bei wissenschaftlich anerkannten Verfahren explizit überprüft. Außerdem müssen weitere methodische und testtheoretische Kriterien erfüllt sein. Hierzu gehört auch die Normierung eines Tests für eine bestimmte Altersgruppe.

Die Normen eines Tests sollten nicht älter als ca. zehn Jahre sein, da ansonsten ein Test die Fähigkeiten einer Person überschätzen kann. Zu aktuellen und anerkannten Testverfahren gehören zum Beispiel die folgenden Tests (in alphabetischer Reihenfolge; der Altersbereich, für den die Tests normiert sind, ist jeweils angegeben – die Zahl nach dem Semikolon bezeichnet die Monate):

  • Adaptives Intelligenz-Diagnostikum (AID 3, Version 3.1, 6;0 – 15;11 Jahre)
  • Berliner Intelligenzstrukturtest (BIS-HB, 12;6 – 16;5 Jahre)
  • Bildbasierter Intelligenztest für das Vorschulalter (BIVA, 3;6 – 7 Jahre)
  • Grundintelligenztest (CFT 20-R, ab 8;5 Jahren)
  • Intelligenz-Struktur-Test (I-S-T 2000 R, ab 15 Jahren)
  • Kaufman Assessment Battery for Children (K-ABC, 2;6 – 12;5 Jahre)
  • Kognitiver-Fähigkeiten-Test (KFT 4 – 12+ R, 4. – 12. Klasse)
  • Münchner Hochbegabungstestbatterie (MHBT-P, 3. – 4. Klasse; MHBT-S, 4. – 12. Klasse)
  • Raven Matrizentests (CPM, 3;9 – 11;8 Jahre / SPM, ab 6 Jahren / APM, ab 12 Jahren)
  • Test zur Erfassung der Intelligenz im Kindesalter (THINK, Klasse 1 bis 4, erscheint in 2015)
  • Wechsler Intelligence Scale for Children (WISC-IV, 6;0 – 16;11 Jahre, frühere Bezeichnung: Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Kinder, HAWIK-IV)
  • Wechsler Preschool and Primary Scale of Intelligence - Third Edition, deutsche Version (WPPSI-III, 3;0 – 7;2 Jahre)

 

Wer sollte die Testdiagnostik durchführen?

Ein Test kann noch so gut sein, entscheidend für die Diagnostik ist eine sachgerechte Durchführung und angemessene Interpretation der Ergebnisse. Für die sachgerechte Durchführung, Auswertung und vor allem Interpretation von Intelligenztests und anderen Leistungstests sind umfassende psychodiagnostische Kenntnisse und theoretisches sowie empirisches Hintergrundwissen erforderlich. Daher sollten Tests nur von Diplom-Psychologinnen und Diplom-Psychologen durchgeführt werden, da ausschließlich ihre Ausbildung qualifizierte Testungen und Befunde garantiert. Diese sollten darüber hinaus mit Testverfahren und Testsituationen vertraut sein und über Erfahrungen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen verfügen. Weiterhin ist es von Vorteil, wenn der Testleiter oder die Testleiterin Erfahrungen in der Testung besonders intelligenter Kinder hat.

Wie genau messen Testverfahren eigentlich?

Jedem Messinstrument ist ein gewisses Maß an Ungenauigkeit zu unterstellen – so auch den IQ-Tests. Der Messfehler eines Tests lässt sich jedoch abschätzen. Hierzu kann der ermittelte Testwert anhand einer Formel in einen so genannten Vertrauensbereich eingebettet werden, der mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit von zum Beispiel 95% oder 99% den tatsächlichen IQ des getesteten Kindes überdeckt. Der Vertrauensbereich fällt je nach Güte des Tests leicht unterschiedlich aus. Meist handelt es sich um Beträge von +/- 5 bis +/- 10 IQ-Punkten. Ein Beispiel: Das Testergebnis ist IQ 132 und der Betrag zur Bestimmung des Vertrauensbereichs liegt bei +/- 5 Punkten. Damit umfasst der Bereich von IQ 127 bis IQ 137 mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit den wahren Wert des Kindes.

Wie sollte eine verlässliche Intelligenzdiagnostik aussehen?

Bei der Diagnostik sollte darauf geachtet werden, dass nicht nur ein einziger Intelligenztest durchgeführt, sondern zumindest ein weiteres Verfahren zur Absicherung der Ergebnisse angewendet wird.

Optimalerweise wird dieser zweite Test an einem anderen Tag durchgeführt (insbesondere dann, wenn es sich um längere Testverfahren handelt). Voraussetzung der Testdiagnostik ist zudem, dass das Kind dazu motiviert und in der Lage ist, die Testaufgaben so gut es kann zu bearbeiten.

Zudem sollten ein Vorgespräch und eine Befragung zur Lebensgeschichte des Kindes stattfinden, damit eventuelle Besonderheiten und aktuelle Fragestellungen in die Untersuchung einfließen und die Testverfahren den individuellen Bedingungen angepasst werden können. Je nach Möglichkeit sollten zusätzliche Daten von den Eltern und auch der Schule erhoben werden, um ein umfassendes Bild von dem zu untersuchenden Kind zu gewinnen.

Ab welchem Alter kann ein Test durchgeführt werden?

Einige Testverfahren können ab einem Alter von zwei bis drei Jahren eingesetzt werden. Je geringer das Lebensalter, desto niedriger ist jedoch die Stabilität der Intelligenzmessung. Hierfür sind unter anderem rasche Entwicklungsvorgänge verantwortlich, die in jungem Alter stattfinden. Eine hohe Begabung, die in jungen Jahren festgestellt wird, kann auch ein Entwicklungsvorsprung sein, den altersgleiche Kinder später aufholen.

Ab zirka fünf Jahren lässt sich die Intelligenz zuverlässig und gültig mit Tests erfassen. Jedoch sind individuell sehr starke Schwankungen möglich. Daher sollte im Einzelfall bei sehr jungen Kindern (Vorschulalter und erste Grundschuljahre) zur Beantwortung konkreter diagnostischer Fragen nicht auf Testergebnisse zurückgegriffen werden, die älter als zirka ein Jahr sind.

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