9. Dezember 2011 | Tanja Gabriele Baudson

Adventskalender: Das neunte Türchen

Guten Morgen! Schön, dass Sie auch heute wieder mit mir in den Adventskalender schauen! Was wohl heute drin ist ...?

A harmless hilarity and a buoyant cheerfulness are not infrequent concomitants of genius; and we are never more deceived than when we mistake gravity for greatness, solemnity for science, and pomposity for erudition. (Charles Caleb Colton)

(Übersetzung: Eine arglose Heiterkeit und lebhafte Fröhlichkeit gehen nicht selten mit Genie einher; und nichts wäre irreführender, als Ernst mit Größe, Feierlichkeit mit Wissenschaftlichkeit und Aufgeblasenheit mit Gelehrsamkeit zu verwechseln.)

Das ist doch mal etwas anderes als die genialen Melancholiker, oder? ;-) Und die Möglichkeit, seine Potenziale auszuleben, ist m.E. eine sehr gute Voraussetzung zum Glücklichwerden.

Bei dem letzten Element des Zitats wurde ich ans wissenschaftliche Schreiben erinnert, das ich aus der Warte recht verschiedener Fächer – Literaturwissenschaften (=Geisteswissenschaft) einerseits, Psychologie (=Naturwissenschaft) andererseits – kennenlernen durfte; die Schreibkulturen unterscheiden sich da ganz massiv. Aber ganz abgesehen von den verschiedenen Fachkulturen, so mein Gefühl, bekommen wissenschaftliche Autoren ja insbesondere hierzulande einen gewissen Vertrauensbonus, wenn sie so schreiben, dass man sie nicht versteht. Vor ein paar Tagen habe ich dazu einen Artikel gefunden, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Persönlich finde ich im Gegenteil, dass man ein Thema erst dann klar formulieren kann, wenn man es selbst verstanden hat; insofern gehen bei mir bei allzu verschraubter Sprache erst mal die Warnlampen an ...

Wie sehen Sie das? Was macht für Sie ein "Genie" aus? Der Begriff ist in der Psychologie ja eher ein ungeliebtes Kind, weil er so unscharf definiert ist und jeder etwas anderes darunter versteht (was möglicherweise dazu beiträgt, dass er gar nicht zu definieren ist); vielleicht ist es aber trotzdem spannend, sich außerhalb der empirischen Messbarkeit mal ein paar Gedanken zu machen und das Ganze eher phänomenologisch anzugehen, könnte ich mir vorstellen. Gibt es heute noch Genies, und wen würden Sie dazu zählen?