18. Januar 2015 | Götz Müller

Geteiltes Leid mit den Hausaufgaben

Zumindest für Philipp. Endlich hat das Gespräch mit Philipps Lehrerin stattgefunden. Ich hatte im letzten Blog von Philipp berichtet, der als pfiffiger Schüler die 4.Klasse mit sehr guten und guten Leistungen besucht und „gewisse Schwierigkeiten“ mit dem Erledigen von Hausaufgaben hat.

Ziel des Gesprächs war, eine besondere Regelung zu Hausaufgaben zu erreichen – aus Philipps Sicht grundsätzlich hausaufgabenfrei gestellt zu werden. Zuvor hatte Philipp einige Argumente und Belege gesammelt, um sich selbst als Sonderfall darstellen zu können.

Das Gespräch, dem Philipps Mathematiklehrerin und seine Mutter beiwohnten, führte nur zum Teilerfolg, wie Philipp mir am Freitag berichtete. Nur in Mathe sei er von den Hausaufgaben befreit worden, und dies zunächst nur bis zum zweiten Halbjahr. In Deutsch bleibe es so, wie es ist. Hier müsse er weiterhin Hausaufgaben machen.

Und nun genauer: In Mathematik hat Philipp seit Beginn seiner Laufbahn keine gute oder schlechtere Note erhalten; es haben sich nur Einser in den abgerufenen Leistungen gezeigt. Da dies auch bei minimalem Lernaufwand gezeigt werde und sich so die beschriebenen Funktionen von Hausaufgaben auflösten, ist die Mathematiklehrerin Philipps Antrag zeitweilig gefolgt. Sobald Philipp auf gut oder schlechter abrutsche, werde die Hausaufgabenpflicht wieder eingeführt. Bis zum Halbjahr werde dies geprüft und dann immer für einen Monat verlängert.

In Deutsch (und Sachunterricht) sei nichts herauszuholen gewesen. Seine Klassenlehrerin, die er mag, habe ihm erklärt, dass gerade das Schreiben „für später“ wichtig sei. Sie habe dann von Aufsätzen auf dem Gymnasium gesprochen, die jetzt erst kennen lerne und üben solle. Das wäre eben wichtig, auch wenn er alles „wirklich sehr gut“ mache. Er verstehe das später sicherlich. Ganz zufrieden wirkte Philipp nicht, als er davon berichtete.

Meine Nachfrage, ob denn seine Lehrer auch von sozialer Gerechtigkeit gesprochen hätten, verneint er erstaunt. Damit hatten wir ja beide gerechnet.

Einfach gut, wie ich finde: Philipps Einsatz, die Bereitschaft der Lehrerinnen und ein flexibles Modell. Gut so!