2. April 2009 | Götz Müller

Merkmale für Hochbegabung

Die Meinungen, was denn nun eine Hochbegabung ausmache, gehen erstaunlicherweise sehr weit auseinander. An sich ähnelt es der Diskussion über die Faktorenstruktur der Intelligenz, nur dass es manche gibt, die sich bei Hochbegabten auch von der intellektuellen Seite lösen wollen. Strittiger Punkt ist bspw. die soziale Kompetenz, die den Hochbegabten fehlen soll.

Sichtet man die wissenschaftliche Seite, wird das Bild klar(er) und eng umrissen. Merkmale und Anzeichen, die nahe der Intelligenz liegen, werden da genannt: Merk- und Erinnerungsfähigkeit, rasche Auffassungsgabe, logisch-schlussfolgerndes Denken, hohe sprachliche Fähigkeiten, auch differenziertes Zeichnen und Malen, frühe und intensive Beschäftigung mit Buchstaben und Zahlen. Doch besonders für nach Orientierung suchende Eltern ist hier Klarheit zu fordern: Hochbegabung ist erkennbar – und mittels Diagnostik dann auch feststellbar – bei Kindern, die sich hinsichtlich ihrer kognitiven Fähigkeiten von gleichaltrigen Kindern positiv unterscheiden.

Papier aber ist geduldig und so trifft man auch Autoren, die dazu übergangen sind, nicht-kognitive Aspekte aufzugreifen. So wird manches Mal ein beschleunigter Entwicklungsverlauf genannt (so kann bspw. das Krabbeln als Phase übersprungen worden sein), auch tauchen die Begriffe wie Perfektionismus oder Kreativität auf. Sicherlich haben auch diese ihre Berechtigung, im Felde der Hochbegabung genannt zu werden, doch sollten sie deutlich nachrangig behandelt sein. Es ist es wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, dass mit nicht-kognitiven Merkmalen der Begriff Hochbegabung aufgeweicht wird. Solche Merkmale sind nicht „trennscharf“, denn auch andere Gruppen wie hyperaktive ADHSler neigen zum Überspringen von Entwicklungsphasen oder sind durchaus kreativ.