Hochbegabung erkennen

Wie kann eine Hochbegabung identifiziert werden? Merkmale von Hochbegabung und Möglichkeiten der diagnostischen Abklärung.

Was muss man beim Erkennen von Hochbegabung beachten?

Im Laufe der Begabungsentwicklung verändert sich eine Person und damit auch das, was ihr leistungsbezogenes Potenzial ausmacht. Zudem kann sich eine Hochbegabung je nach Bereich zeitlich unterschiedlich entwickeln (z. B. früh in Mathematik, spät in Diplomatie). Diese dynamische Sicht auf Hochbegabung hat Konsequenzen für das Erkennen Hochbegabter. Ein besonderes Potenzial zeigt sich in manchen Bereichen früh, in anderen aber erst später. Es lohnt sich also, nicht nur einmal, sondern immer wieder nach Potenzialen zu schauen. Je nach Bereich weisen zudem unterschiedliche Merkmale auf ein besonderes Entwicklungspotenzial hin. Ein besonderes Interesse an Zahlen oder spontanes Verstehen von Mengen- und Größenverhältnissen können im Vorschulalter auf eine mathematische Hochbegabung hinweisen, für eine musikalische Hochbegabung wären das eher spontanes Musizieren oder ein besonderes Gedächtnis für Melodien. Generell gilt aber, dass eine quasi natürliche Passung zwischen einem Kind und besonderen Inhalten oder Beschäftigungen auf ein hohes Potenzial hinweisen. Um diese zu finden und um sich ausprobieren zu können, bedarf es vieler Gelegenheiten und Angebote. Gerade bei jungen Kindern geht es oft eher darum, diese Gelegenheiten zu schaffen, als Potenziale bei Kindern auszumachen – ganz nach dem Motto »erst fördern, dann finden«. Wenn ein Kind sich dann einem bestimmten Thema oder Bereich zuwendet, wird Lernfähigkeit wichtiger. Für das Erkennen bedeutet dies, nicht nur auf kognitive Fähigkeiten, sondern auch auf Vorkenntnisse, Lernstrategien oder die Motivation des Kindes zu achten. Traut es sich das Lernen zu? Kann es gut mit Misserfolgen umgehen? Alle diese Faktoren sind wichtig für die weitere Entwicklung. Wieder später kommen dann Kreativität, selbstregulative Fähigkeiten wie die Fähigkeit, sich selbst Ziele zu setzen und das eigene Lernen zu planen, und soziale Kompetenzen hinzu. Damit spielen für das Erkennen von Hochbegabung viele Merkmale eine Rolle, deren jeweilige Bedeutsamkeit sich im Laufe der Begabungsentwicklung verschieben kann. Begabungsdiagnostik wird nach diesem Verständnis zum Prozess.

Welche Methoden werden zum Erkennen von Hochbegabung eingesetzt?

Beim Erkennen von Hochbegabung sollte die ganze Person in den Blick genommen werden; konkret geht es darum, das leistungsbezogene Entwicklungspotenzial der Person festzustellen, zu verstehen, ob und wie es sich in ihrem Verhalten und ihren Leistungen zeigt und die Entwicklungsgeschichte und -umwelt der Person zu erfassen. Hierfür gibt es viele Möglichkeiten und Herangehensweisen: Zum einen lässt sich das leistungsbezogene Entwicklungspotenzial am objektivsten, zuverlässigsten und gültigsten mit Verfahren der psychologischen Diagnostik abschätzen. Testverfahren liefern Informationen zur Intelligenz, Kreativität oder zu spezifischen Fähigkeiten wie Konzentration und Aufmerksamkeit. Fragebögen informieren über Persönlichkeit oder motivationale Merkmale wie das Bedürfnis nach kognitiver Herausforderung, die Interessen oder das Selbstbild eigener Fähigkeiten. Ergänzende Informationen hierzu liefern Selbstvorschläge für Fördermaßnahmen oder Vorschläge durch andere Personen wie Freunde, Eltern oder Lehrpersonen. Checklisten können für bestimmte Begabungsmerkmale sensibilisieren. Zum anderen lassen sich Leistungen zum Teil direkt dokumentieren, zum Beispiel als Zeugnisnoten, mit dem Abschneiden in Lernstanderhebungen (z. B. VERA bzw. KERMIT), Wettbewerbsteilnahmen oder intensiv verfolgte Hobbys. Zum Lern- und Leistungsverhalten liefern Methoden der pädagogischen Diagnostik wie die Befragung und Beobachtung im Unterricht oder Interviews mit Lehrpersonen wichtige Informationen. Zudem bieten offene Gespräche, Interviews oder Fragebögen Informationen über die Entwicklung und die Lern- und Lebensumwelt eines Kindes bzw. Jugendlichen, insbesondere über Familie, Kindergarten oder Schule und die dort verfügbaren Mittel, Unterstützungsmöglichkeiten oder Konflikte. Oft ist es günstig oder auch erforderlich, mehrere Methoden und Informationsquellen zu kombinieren und sie nicht nur einmal, sondern zu unterschiedlichen Zeitpunkten wiederholt einzusetzen.

Wann ist eine Intelligenztestung sinnvoll?

Testdiagnostische Untersuchungen sind dann sinnvoll, wenn in einer bestimmten Situation eine konkrete Frage beantwortet werden soll, für die das Testergebnis relevante Informationen beisteuern kann. Für Fragen, bei denen die Intelligenz eines Kindes eine Rolle spielt, sind Intelligenztests das Mittel der Wahl. Sie ermöglichen genauere und zuverlässigere Ergebnisse als andere Methoden zur Erfassung der Intelligenz, können über Begabungsschwerpunkte informieren und haben eine relativ hohe Vorhersagekraft für die weitere Leistungsentwicklung. Typische Anlässe für Intelligenztestungen sind etwa die Frage, ob ein Kind vorzeitig eingeschult werden oder eine Klasse überspringen kann. Reicht die intellektuelle Begabung des Kindes aus, um in der höheren Klasse erfolgreich mitarbeiten zu können? Oftmals werden bereits verschiedene Indizien vorliegen, wenn die Frage nach bestimmten Fördermaßnahmen aufkommt, z. B. wenn ein fünfjähriges Kind bereits lesen kann oder ein Schulkind sehr gute Schulleistungen zeigt. Dennoch ist in vielen Fällen eine objektive Überprüfung der Intelligenz mit einem standardisierten Test sinnvoll. Manchmal ist die Situation auch weniger eindeutig, z. B. wenn ein Kind zwar einen sehr begabten Eindruck macht, aber dennoch nur schwache Schulleistungen erbringt. In solchen Fällen ist eine sorgfältige Testdiagnostik besonders wertvoll, um dem Kind eine angemessene Förderung zukommen zu lassen. Im Jugendalter können mittels Intelligenztest die Bereiche erkannt werden, in denen jemand eine besondere Stärke oder, im Vergleich dazu gesehen, eine besondere Schwäche hat. Die Kenntnis des eigenen Intelligenzprofils kann jugendliche Hochbegabte bei schulischen Laufbahnentscheidungen wie Kurswahlen unterstützen. Verschiedene Fördereinrichtungen verlangen zudem Intelligenztestergebnisse, um über die Aufnahme eines Kindes oder Jugendlichen zu entscheiden. Schließlich kann ein Intelligenztestergebnis auch sehr selbstunsichere Hochbegabte dabei unterstützen, sich über ihre kognitiven Fähigkeiten Klarheit zu verschaffen. Intelligenztestergebnisse können damit sehr wertvolle Informationen erbringen; aber auch sie sollten nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage, z. B. zur weiteren Schullaufbahn, verwendet werden, sondern stets zusammen mit weiteren Informationen, wie beispielsweise der bisherigen Entwicklung einer Person, interpretiert werden.

Was ist eigentlich der IQ?

Der Intelligenzquotient – kurz IQ – ist eine Maßzahl dafür, wie die Intelligenz einer Person im Verhältnis zu einer Gruppe, die für diese Person repräsentativ ist, beschrieben werden kann. Beim IQ wird der Mittelwert dieser Bezugsgruppe immer auf 100 festgelegt; der durchschnittliche IQ ist deshalb ein IQ von 100. IQ-Werte gelten zudem als normal verteilt. Das bedeutet: Die meisten Personen der Bezugsgruppe (68 Prozent) haben einen IQ zwischen 85 und 115. Dieser Bereich wird auch als Durchschnittsbereich bezeichnet. Etwa 95 Prozent der Personen der Bezugsgruppe haben einen IQ zwischen 70 und 130. Extrem niedrige oder hohe IQ-Werte sind gleichermaßen selten: Jeweils rund zwei Prozent der Personen haben einen sehr niedrigen IQ (unter 70) oder einen sehr hohen IQ (über 130). Neben der IQ-Norm gibt es noch andere Testnormen wie Wertpunkte oder T-Werte. Diese Normen lassen sich alle ineinander überführen. Sie unterscheiden sich im jeweils gewählten Mittelwert und in der Bezeichnung der durchschnittlichen Streuung der Werte. So liegt bei T-Werten der Mittelwert bei 50 (entspricht also einem IQ von 100) und der Durchschnittsbereich liegt zwischen 40 und 60. Ebenfalls Verwendung finden sogenannte Prozent-Ränge. Der Prozent-Rang gibt an, wie viel Prozent der Vergleichsgruppe in dem gleichen Test schlechter oder maximal gleich gut abgeschnitten hat. Ein Prozent-Rang von 98 bedeutet zum Beispiel, dass nur zwei Prozent der Vergleichsgruppe in dem Test besser abgeschnitten haben als die Testperson. Dieser Wert entspricht einem IQ-Wert von 130.

Messen alle Intelligenztests dasselbe?

Die Intelligenz setzt sich aus vielen verschiedenen Teilfähigkeiten zusammen und kein Test erfasst sie alle. Es gibt also nicht den IQ-Test, sondern je nach Theorie und Aufgabenwahl erfassen unterschiedliche Tests mehr oder weniger verschiedene Bereiche der Intelligenz. Wenn ein Kind in zwei verschiedenen Tests unterschiedliche Ergebnisse hat, so kann es auch daran liegen, dass die Tests Unterschiedliches messen. Manche Tests erfassen zum Beispiel Bereiche wie den Wortschatz oder das Allgemeinwissen, die stark bildungsabhängig sind. Andere Tests versuchen durch die Verwendung sprachfreien Materials eher bildungsunabhängig zu sein. IQ ist also nicht gleich IQ! Daher ist es wichtig, sich bei der Durchführung eines Intelligenztests genau erklären zu lassen, welche Fähigkeiten damit erfasst werden.

Ab welchem Alter kann getestet werden?

Einige Testverfahren können ab einem Alter von zwei bis drei Jahren eingesetzt werden. Je geringer das Lebensalter, desto geringer ist jedoch die Stabilität der Ergebnisse der Intelligenzmessung. Hierfür sind unter anderem rasche Entwicklungsvorgänge verantwortlich, die in jungem Alter stattfinden. Eine hohe Intelligenz, die bei einem sehr jungen Kind festgestellt wird, kann auch ein Entwicklungsvorsprung sein, den altersgleiche Kinder später aufholen. Ab zirka fünf Jahren lässt sich die Intelligenz zuverlässiger mit Tests erfassen. Jedoch sind auch hier noch sehr starke individuelle Schwankungen möglich. Daher sollte im Einzelfall bei Kindern im Vor- und Grundschulalter zur Beantwortung konkreter diagnostischer Fragen jeweils ein aktuelles Testergebnis eingeholt werden. Zu beachten ist dabei, dass Testinhalt und Fragestellung zueinander passen.

Wer sollte testen und wie sollte eine verlässliche Intelligenzdiagnostik aussehen?

Ein Test kann noch so gut sein, entscheidend für die Diagnostik ist eine sachgerechte Durchführung und angemessene Interpretation der Ergebnisse. Hierfür sind umfassende psychodiagnostische Kenntnisse und Hintergrundwissen zu Theorie und Forschungsbefunden erforderlich. Daher sollten Tests nur von Psychologinnen und Psychologen mit Diplom oder Master-Abschluss oder speziell qualifizierten Sonderpädagoginnen und -pädagogen durchgeführt werden. Diese Personen sollten darüber hinaus Erfahrungen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen haben sowie Erfahrung in der Testung besonders intelligenter Kinder. Am besten ist es, wenn zwei Intelligenztests an unterschiedlichen Tagen durchgeführt werden. Voraussetzung der Testdiagnostik ist, dass das Kind motiviert und in der Lage ist, die Testaufgaben so gut es kann zu bearbeiten. Zudem sollte ein Vorgespräch zur Entwicklung des Kindes und zur konkreten diagnostischen Fragestellung stattfinden, damit die Testverfahren passend dazu ausgewählt werden können. Je nach Möglichkeit sollten zusätzliche Daten von den Eltern und auch von der Schule erhoben werden, um ein umfassendes Bild von dem Kind zu gewinnen. Neben IQ-Werten oder anderen Normwerten sollten bei der Ergebnisrückmeldung sogenannte »Vertrauensintervalle« zurückgemeldet werden. Denn jedem Messinstrument ist ein gewisses Maß an Ungenauigkeit zu unterstellen – so auch den Intelligenztests. Diese Messungenauigkeit lässt sich bei Intelligenztests jedoch klar abschätzen und dies berücksichtigen die Vertrauensintervalle. Sie enthalten mit einer bestimmten Sicherheit von zumeist 95 oder 99 Prozent den tatsächlichen IQ des getesteten Kindes. Für einen gemessenen IQ von 135 könnte das Vertrauensintervall zum Beispiel bei IQ 128 bis IQ 142 liegen. Einen Überblick über die wichtigsten Intelligenztestverfahren mit jeweiliger Besprechung für den Einsatz in der Hochbegabungsdiagnostik bietet das Fachportal Hochbegabung der Karg-Stiftung: www.fachportal-hochbegabung.de/intelligenz-tests/

Kann man eine Hochbegabung anhand von Checklisten feststellen?

Es gibt zahlreiche Checklisten, in denen Merkmale aufgeführt sind, die für hochbegabte Kinder typisch sein sollen und die daher zum Erkennen solcher Kinder eingesetzt werden. Forschungsergebnisse zeigen aber, dass solche Checklisten für diesen Zweck kaum brauchbar sind. Oft sind die aufgeführten Merkmale gar nicht typisch für Hochbegabte und so vage formuliert, dass sie genauso gut auf viele nicht hochbegabte Kinder zutreffen können (z. B. »ist sehr interessiert«). Weiterhin können die meisten der Merkmale im Alltag oder in der Schule nicht genau und zuverlässig genug beobachtet werden. Auch lassen die Merkmalsbeschreibungen offen, ab welchen Leistungen zum Beispiel die Merkfähigkeit oder der Wortschatz als hinreichend außergewöhnlich einzuschätzen sind. In der Regel fehlt ein Auswertungsschlüssel. Und schließlich sind viele der aufgelisteten Merkmale vom Bildungs- und Förderangebot beeinflusst, das einem Kind zur Verfügung steht. Hochbegabung als Potenzial ist davon jedoch zunächst einmal unabhängig zu sehen. Checklisten für Lehrpersonen oder Eltern können damit nicht als Diagnoseinstrument für Hochbegabung eingesetzt werden. Sie können allerdings die Aufmerksamkeit auf bestimmte Merkmale und Bedürfnisse eines Kindes richten, die ansonsten eventuell übersehen worden wären.

Wie erkennt man Kinder mit hoher Begabung in der Kita?

Kita-Kinder sind in einem Alter, in dem sie erste besondere Interessen ausbilden – oft durch Ausprobieren und spielerische Auseinandersetzung mit einem Gegenstand oder einer Aktivität. Im günstigen Fall können sie durch vielfältige Förderangebote und Anregungen in der Kita herausfinden, was gut zu ihnen passt. Um nun zu erkennen, ob ein Kind in einem Bereich besonders begabt ist, benötigt man Förderangebote, bei denen sich Kinder unabhängig von ihrem Alter in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden erproben können. Günstig sind Aktivitäten, die unterschiedlich hohe Anforderungen stellen und den Kindern Freiräume dabei lassen, wie sie sich einbringen möchten. Die Ausgestaltung der Förderangebote in Kitas stellt damit bereits eine wichtige Voraussetzung für das Erkennen besonderer Begabungen dar. Ferner sollte die Identifizierung hoher Begabungen als Prozess verstanden werden. Junge Kinder entwickeln sich sehr unterschiedlich. Eine beschleunigt verlaufende Entwicklung eines Kindes in einem oder mehreren Bereichen kann auch Ausdruck eines zeitweisen Entwicklungsvorsprungs gegenüber Gleichaltrigen sein. Wichtig ist es daher, die Entwicklung eines Kindes kontinuierlich und über einen längeren Zeitraum zu beobachten und einzuschätzen. Besonders eignen sich Verfahren, die die Aktivitäten und das Lernen von Kindern in den Mittelpunkt stellen und die regelmäßig eingesetzt werden. Die Beobachtungen zu einem Kind können dann gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen sowie den Eltern immer wieder reflektiert werden. Erste Hinweise auf eine mögliche Hochbegabung können eine sehr große Wissbegierde bei gleichzeitig hoher Lernfähigkeit sein. Junge Kinder mit hoher Begabung fallen durch ein vertieftes und andauerndes Erkenntnisinteresse und durch eine sehr schnelle Auffassungsgabe, eine außergewöhnliche Merkfähigkeit und einen raschen Kompetenzzuwachs auf. Sie zeigen zudem häufig eine hohe Anstrengungsbereitschaft und Ausdauer in ihrem Bestreben, Wissen oder neue Fertigkeiten zu erwerben. Zielgerichtete Interessen sind im Vorschulalter zwar entwicklungsbedingt noch selten, ein frühes, intensives Interesse kann aber gerade deshalb einen Hinweis auf eine hohe bereichsspezifische Begabung geben. Im Sonderheft »Fragen und Antworten zu hoher kognitiver Begabung im Kita-Alter« der Karg-Stiftung wird auf die Frage »Wie erkennt man Kinder mit hoher Begabung in der Kita?« vertiefend eingegangen.

Wie erkennt man Hochbegabung in der Schule?

Hochbegabung in der Schule kann sich in hoher Lernfähigkeit und Leistungsbereitschaft zeigen, darin, dass ein Kind mit dem üblichen Stoff und Tempo unterfordert ist und oft, aber eben nicht immer, auch in überdurchschnittlichen Schulleistungen. Um besondere Potenziale zu entdecken, benötigen Kinder und Jugendliche Gelegenheiten, bei denen sie sich und anderen zeigen können, was ihnen liegt und was sie gut können. Hierfür sind Schulen gut geeignete Orte, denn sie bieten vielfältige Themen und Aktivitäten und können so auch dabei helfen, herkunftsbedingte Unterschiede der Schülerinnen und Schüler auszugleichen. Doch nicht immer liegen die Potenziale in Bereichen, die in der Schule gefördert und beachtet werden. Insofern ist es wichtig, dass in der Schule Gelegenheiten geschaffen werden, bei denen auch solche Potenziale entdeckt, erprobt und gezeigt werden können. Günstig hierfür sind notenfreie Räume und Aufgaben oder Aktivitäten, die den Kindern und Jugendlichen unterschiedliche Herangehensweisen und Bearbeitungsmöglichkeiten erlauben und die auch für die sehr interessierten und fähigen Schülerinnen und Schüler Herausforderungen enthalten. Solche Situationen sollten wiederholt geschaffen werden, denn unterschiedliche Begabungen zeigen zeitlich unterschiedliche Entwicklungsfenster und Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen müssen erst einmal mit solch offenen Aufgabenformaten und Arbeitsformen vertraut werden. Zudem entwickeln sich Begabungen durch Förderung, und hohe Begabungen zeigen sich manchmal erst nach einiger Zeit der Investition und Unterstützung. Daher ist es für das Erkennen besonderer Potenziale in der Schule besonders günstig, Erkennen und Förderung stets zusammen zu denken: Aufbauend auf der Einschätzung der Neigungen und Fähigkeiten einer Schülerin oder eines Schülers, werden die nächsten Lern- und Übungsschritte festgelegt und nach einiger Zeit wird dann erneut geschaut, wo die oder der Lernende nun steht und die Förderung entsprechend daran angepasst. Wichtig ist zudem, dass man als Lehrperson versucht, »ergebnisoffen« an diesen Prozess heranzugehen und sich nicht vorschnell ein Urteil darüber zu bilden, wer die Begabten in der Klasse sind. Es ist nicht ganz einfach, sich von solchen Eindrücken zu lösen, doch es lohnt sich, besondere Potenziale in der eigenen Klasse zu erwarten und sich immer wieder überraschen zu lassen. Wertvoll ist zudem der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen zu einem Schüler oder einer Schülerin, denn eine Hochbegabung kann sich auch nur in einzelnen Schulfächern zeigen.

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