Hochbegabung verstehen

Was versteht man unter Hochbegabung? Begriffsbestimmung und wissenschaftliche Erkenntnisse über Hochbegabung.

Begabung und Hochbegabung – worum geht es?

Begabung bezeichnet ganz allgemein das leistungsbezogene Entwicklungspotenzial einer Person. Ist dieses Potenzial besonders hoch ausgeprägt, spricht man von Hochbegabung. Begabung und Hochbegabung sind damit von Leistung zu unterscheiden; sie stellen vielmehr das Potenzial dar, aus dem sich unter günstigen Bedingungen besondere Leistung entwickeln kann. Die Entwicklung des eigenen Potenzials ist ein menschliches Grundbedürfnis. Sie stellt einen lebenslangen Prozess dar und hängt von sehr vielen Faktoren ab. Neben der Person selbst sind das vor allem Merkmale der Umwelt, in der sie lebt. Welche Möglichkeiten hat die Person? Erfährt sie Unterstützung und Förderung? Welche Erwartungen werden an sie gestellt? Eine Hochbegabung muss gefördert und gefordert werden, kann sich erst spät zeigen und auch wieder verkümmern. Für Kinder sind Familie, Kindergarten und Schule wichtige Umwelten. Sie haben einen starken Einfluss darauf, wie sich hochbegabte Kinder entwickeln.

Was ist bei Höchstbegabungen zu beachten?

Höchstbegabte sind Personen mit einer extrem hohen Begabungsausprägung, zum Beispiel Personen, die im Hinblick auf ihre Fähigkeiten zu den oberen 1% ihrer Altersgruppe gehören. Höchstbegabte sind per Definition äußerst selten. Dieser extreme Minderheitenstatus bringt verschiedene Herausforderungen mit sich, denn die üblichen Umwelten passen für diese Personen zumeist nicht. Schwierigkeiten zeigen sich vor allem in den Vor- und- Grundschuljahren, in denen die Kinder auf ihr direktes soziales Umfeld angewiesen sind, also darauf, dass Eltern, Erzieherinnen und Erzieher oder Lehrpersonen ihre extreme Begabung erkennen und sie unterstützen. Dies erfordert oft außergewöhnliche, altersunübliche, aber eben begabungsangemessene Angebote, wie zum Beispiel die Möglichkeit, bereits im späteren Kindesalter zu studieren. Bleibt Unterstützung aus, kann das dazu führen, dass Höchstbegabte ihre Fähigkeiten verstecken oder vereinsamen und keine Freunde finden. Bei ausreichender Unterstützung und Förderung entwickeln sich Höchstbegabte überwiegend sehr gut. Sie sind zumeist akademisch sehr erfolgreich, haben Freunde und sind mit ihrem Leben sehr zufrieden.

Was macht Hochbegabung aus?

Leistungen in verschiedenen Bereichen, wie beispielsweise Mathematik, Sport oder Musik, haben teilweise unterschiedliche Ursachen. Entsprechend lassen sich unterschiedliche Arten von Hochbegabung unterscheiden. Während die intellektuelle Hochbegabung besondere Leistungen im intellektuellen Bereich begünstigt, beschreibt die sportliche Hochbegabung ein besonderes Potenzial für sportliche Leistungen oder die musikalische Hochbegabung ein besonderes Potenzial für musikalische Leistungen. Unabhängig von der Art der Hochbegabung gilt, dass Hochbegabung als hohes leistungsbezogenes Entwicklungspotenzial einer Person immer mehrere Komponenten umfasst. Neben Fähigkeiten wie zum Beispiel einer hohen Intelligenz bei intellektueller Hochbegabung, einer hohen Grundsportlichkeit bei sportlicher Hochbegabung oder einer hohen Musikalität bei musikalischer Hochbegabung, sind dies vor allem Persönlichkeitsmerkmale, welche zur eigenen Entwicklung beitragen. Hierzu gehört unter anderem Offenheit für neue Erfahrungen und Ideen oder eine hohe Motivation, dazulernen zu wollen. Und schließlich verändern sich im Laufe der Entwicklung von Potenzial hin zu Leistung die Anforderungen – und damit auch das, was ein hohes Entwicklungspotenzial ausmacht. Ein Beispiel: Ein musikalisch hochbegabtes Kind zeigt eine besondere Aufmerksamkeit für Musik, ein sehr gutes Gedächtnis für Melodien und bringt sich selbst erste Grundlagen des Klavierspiels bei. Mit dem ersten Klavierunterricht kommt nun die Anforderung des Übens hinzu, was zusätzlich Ausdauer und zum Teil auch Frustrationstoleranz erfordert. Und beim ersten Vorspiel sind wiederum gute Nerven und Selbstvertrauen gefragt. Hochbegabung ist damit nichts Statisches oder Unveränderliches. Vielmehr kann die Hochbegabung einer Person als ihr individuelles Profil aus Fähigkeiten, Persönlichkeitsmerkmalen und erlernten Fertigkeiten beschrieben werden, die zum aktuellen Zeitpunkt eine positive Leistungsentwicklung wahrscheinlich machen – und damit ein hohes leistungsbezogenes Entwicklungspotenzial darstellen.

Welche Rolle spielt die Intelligenz?

Intelligenz spielt für Hochbegabung eine wichtige Rolle, insbesondere für die intellektuelle, aber auch für die musikalische, künstlerische oder sportliche Hochbegabung. Je höher die Intelligenz, desto besser verläuft in der Regel die leistungsbezogene Entwicklung, denn Intelligenz ermöglicht Verstehen, Lernen und Problemlösen. Intelligenzunterschiede zwischen Personen können sowohl in Bildung als auch im Beruf Leistungsunterschiede recht gut erklären – zum Beispiel 25 bis 50 Prozent der Unterschiede in den Schulleistungen von Schülerinnen und Schülern. Gleichzeitig hat aber auch Bildung nachweislich einen positiven Einfluss auf die Intelligenzentwicklung der Lernenden. Und auch das Umfeld entscheidet mit darüber, wie sehr eine Person von ihrer Intelligenz profitieren kann. Stehen ihr alle Möglichkeiten offen, kann sie ihre Intelligenz besser nutzen, als wenn die Umgebung starke Vorgaben und Einschränkungen macht. Und schließlich hängt die Leistungsentwicklung einer Person nicht ausschließlich von ihrer Intelligenz ab, denn neben Fähigkeiten spielen auch die Persönlichkeit und bestimmte erworbene Fertigkeiten eine Rolle. Hohe Intelligenz ist damit eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für Hochbegabung. Daher gelten Intelligenzdefinitionen von Hochbegabung (z. B. ein IQ über 130) vielerorts als überholt. Auch gibt es keine natürliche Grenze dafür, ab wann man es mit Hochbegabung zu tun hat – genauso wenig, wie es eine solche Grenze dafür gibt, ab welcher Körpergröße jemand außergewöhnlich groß ist. Die Wahl eines Grenzwertes, wie IQ 130 kann nützlich sein, zum Beispiel, um in wissenschaftlichen Untersuchungen Gruppen von hochbegabten und nicht hochbegabten Menschen zu vergleichen. Das strikte Festhalten an einem IQ-Grenzwert für Hochbegabung ist aber im Alltag und bei der Begabungsförderung nicht sinnvoll, denn man würde kaum andere Leistungen von einem Kind mit einem IQ von 125 erwarten als von einem Kind mit einem IQ von 130, wenn diese Kinder sich sonst nicht unterscheiden.

Was ist Intelligenz?

»Intelligenz ist eine sehr allgemeine geistige Kapazität, die – unter anderem – die Fähigkeit zum schlussfolgernden Denken, zum Planen, zur Problemlösung, zum abstrakten Denken, zum Verständnis komplexer Ideen, zum schnellen Lernen und zum Lernen aus Erfahrung umfasst. Es ist nicht reines Bücherwissen, keine enge akademische Spezialbegabung, keine Testerfahrung. Vielmehr reflektiert Intelligenz ein breiteres und tieferes Vermögen, unsere Umwelt zu verstehen, ‚zu kapieren‘, ‚Sinn in den Dingen zu erkennen‘ oder ‚herauszubekommen‘, was zu tun ist.« (Linda Gottfredson, 1997, S. 13, zitiert nach Rost, D. H. (2009). Intelligenz: Fakten und Mythen. Weinheim: Beltz PVU) Dieses Zitat macht deutlich, dass zur Intelligenz viele Denkfähigkeiten gehören. Diese treten bei einer Person typischerweise gemeinsam auf. Wer also zum Beispiel komplexe Ideen gut versteht, lernt auch schneller aus Erfahrungen. Dieses Phänomen wird als allgemeine Intelligenz bezeichnet. Gleichzeitig lassen sich die verschiedenen Denkfähigkeiten auch danach unterscheiden, welche Leistungen sie wie stark beeinflussen. So beeinflusst die verbale Intelligenz vor allem sprachliche Leistungen, die numerische Intelligenz vor allem mathematische Leistungen oder die figural-räumliche Intelligenz zeichnerisch, gestaltende Leistungen. Nicht immer sind bei einer Person die verschiedenen Denkfähigkeiten vergleichbar stark; es können sich auch individuelle Stärken und Schwächen zeigen, die man dann in sogenannten Intelligenzprofilen abbilden kann. Unausgeglichene Profile, mit spezifischen individuellen Stärken und – im Vergleich dazu gesehen – Schwächen, sind im Bereich hoher Intelligenz wahrscheinlicher als im Bereich durchschnittlicher Intelligenz.

Wie entwickeln sich Begabungen zu besonderen Leistungen?

Die Begabungsentwicklung ist ein langjähriger, manchmal lebenslanger Entwicklungsprozess von einem besonderen Potenzial hin zu besonderen Leistungen. Während dieser langen Entwicklungszeit verändern sich die Person, ihre Umwelt und damit auch die Bedingungen, die zu einer positiven Entwicklung beitragen. Anfänglich zeigt sich Hochbegabung oder ein besonderes Entwicklungspotenzial darin, dass ohne gezielte Anleitung von außen der Person vieles einfach gelingt. Sie lernt neue Inhalte leicht und schnell, häufig durch spielerisches Entdecken, auch ohne Unterricht. Die Voraussetzungen, die die Person mitbringt, und die Anforderungen, die die Aktivität stellt, passen einfach gut zusammen. Die weitere Begabungsentwicklung erfordert nun, dass sich die Person mit einem Bereich auseinandersetzt und sich Inhalte und Fertigkeiten aneignet. Eine natürliche Passung allein reicht nicht mehr aus. Hinzu kommt, dass die Person lernen und Kompetenz erlangen kann. Dies erfordert neben guten Lehrpersonen und Unterstützung durch die Umwelt Gewissenhaftigkeit, den Glauben an sich selbst und Ausdauer beim Üben. Um im weiteren Verlauf der Begabungsentwicklung zur Expertin oder zum Experten in einem Bereich zu werden und hier überdurchschnittliche Leistungen erbringen zu können, ist es erforderlich, sich weiter zu spezialisieren, die erworbenen Kompetenzen intelligent und kreativ zu nutzen und sich mit anderen zu vernetzen. Dies stellt hohe Anforderung an eine Person, zum Beispiel im Hinblick auf Zielsetzung, Planung, Willenskraft, Umgang mit eigenen Ressourcen oder soziale Kompetenzen. Außergewöhnliche Leistungen zu erbringen, die eine Domäne nachhaltig beeinflussen, erfordert schließlich, dass eine Person über lange Zeit ihr Engagement aufrechterhält und an sich glaubt, auch bei Misserfolgen und Ablehnung. Dies gelingt nur, wenn die Person mit solchen Widrigkeiten umgehen kann. Zudem müssen andere von den eigenen Ideen überzeugt werden. Die eigene Persönlichkeit und die Fähigkeit, andere zu inspirieren, können dabei eine entscheidende Rolle spielen. Vereinfachend könnte man die Abschnitte der Begabungsentwicklung als Potenzial, Kompetenz, Expertise und außergewöhnliche Leistung mit jeweils etwas unterschiedlichen Bedingungen für die weitere positive Entwicklung beschreiben. Außergewöhnliche Leistungen sind entsprechend sehr selten, denn Begabungsentwicklung ist komplex und an viele Voraussetzungen geknüpft.

Wird Hochbegabung vererbt?

Was Hochbegabung inhaltlich ausmacht, unterscheidet sich nach Bereich (z. B. Musik, Kunst, Mathematik); insofern ist die Frage nach Vererbung nicht pauschal zu beantworten. In vielen Bereichen spielt aber eine hohe Intelligenz eine wichtige Rolle für Hochbegabung. Dies gilt insbesondere für die intellektuelle Hochbegabung. Der Anteil, den Erbanlagen zu Intelligenzunterschieden zwischen Personen beitragen, wird auf 50 bis 60 Prozent geschätzt. Somit ist eine intellektuelle Hochbegabung teilweise genetisch bedingt. Der restliche Anteil, also immerhin 40 bis 50 Prozent, ist auf Einflüsse der Umwelt zurückzuführen. Diese Anteile sind allerdings nicht in allen Lebensabschnitten gleich groß. Bei Kindern und jüngeren Jugendlichen wird der Umwelt ein höherer Einfluss zugeschrieben, der im Laufe der Entwicklung immer weiter zurücktritt. Im späten Jugendalter und frühen Erwachsenenalter haben dann die erblichen Anlagen einen stärkeren Einfluss. Je älter wir werden und je eher wir uns Umwelten aussuchen oder schaffen, die zu uns passen, desto stärker scheint der Einfluss unserer Gene auf die Intelligenz zu werden. Zwischen Erbanlagen und Umwelt finden im Laufe des Lebens zudem immer wieder komplexe Wechselwirkungen statt: Je nach Erbanlagen wird sich ein Kind unterschiedlich verhalten – die Umwelt reagiert entsprechend darauf. Andererseits können sich erbliche Anlagen in unterschiedlichen Umwelten auch verschieden auswirken. Leben zwei Personen in sehr unterschiedlichen Umwelten, lassen sich Intelligenzunterschiede zwischen ihnen stärker über die äußeren Bedingungen erklären. Leben sie in sehr ähnlichen Umwelten, können Intelligenzunterschiede zwischen den Personen eher durch ihre Erbanlagen erklärt werden.

Gibt es Begabungsunterschiede zwischen Mädchen und Jungen?

Forschungsergebnisse zeigen, dass sich Mädchen und Jungen in den meisten Bereichen mehr ähneln, als dass sie sich unterscheiden. Eine Ausnahme sind die Interessen. Mädchen bevorzugen häufig Bereiche, in denen es um Lebendiges, Soziales oder Künstlerisches geht, während Jungen sich oft für Gegenstände interessieren und praktisch-technische oder forschende Interessen verfolgen. Diese Unterschiede zeigen sich auch bei Hochbegabten, doch weniger deutlich als bei nicht Hochbegabten, denn hochbegabte Mädchen zeigen gleichzeitig häufig auch hoch ausgeprägte theoretische und forschende Interessen. Es gibt weiterhin Hinweise auf Geschlechterunterschiede in den Extrembereichen bestimmter Merkmalsverteilungen. Für mathematisch-naturwissenschaftliche Fähigkeiten und die allgemeine Intelligenz zeigen mehr Jungen als Mädchen extrem niedrige oder extrem hohe Werte. Für verbale Fähigkeiten sieht das Bild etwas anders aus: Hier zeigen mehr Jungen sehr niedrige Werte und mehr Mädchen sehr hohe Werte. Diese Geschlechterunterschiede in den Verteilungen von Extremwerten sind jedoch auch umwelt- und kulturabhängig und in den letzten Jahrzehnten immer kleiner geworden. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Unterschiede innerhalb eines Geschlechtes größer sind als die zwischen den Geschlechtern. Gesellschaftlich bedingte geschlechterspezifische Erwartungen und Erziehungspraktiken von Eltern und Lehrpersonen existieren aber nach wie vor. Sie können die Talententwicklung hochbegabter Mädchen und Jungen maßgeblich beeinflussen.

Sind hochbegabte Kinder »anders«?

Hochbegabte Kinder verfügen über größere Fähigkeiten, sind häufig offener für neue Erfahrungen und Ideen, interessieren sich stärker für intellektuell fordernde Freizeitaktivitäten, schätzen häufig ihre Leistungsfähigkeit höher ein und zeigen oft auch eine höhere Leistungsbereitschaft und höhere Leistungsansprüche als nicht Hochbegabte. Doch gibt es noch weitere Unterschiede? Die Forschung zeigt, dass sich hochbegabte und nicht hochbegabte Kinder außerhalb des leistungsbezogenen Bereichs mehr ähneln als unterscheiden. Beide Gruppen unterscheiden sich zum Beispiel nicht in der Häufigkeit psychischer Probleme oder in ihrer emotionalen Befindlichkeit. Auch sind Hochbegabte nicht gewissenhafter oder introvertierter und auch nicht weniger verträglich. Sie zeigen vergleichbare bis höhere soziale Kompetenzen und haben genauso viele Freundinnen oder Freunde wie nicht hochbegabte Kinder. Kleinere Unterschiede finden sich für die Einschätzung des eigenen Aussehens und der eigenen sportlichen Fähigkeiten: hier berichten Hochbegabte etwas geringere Selbsteinschätzungen. Alle diese Befunde beziehen sich auf den Vergleich von Hochbegabten mit nicht Hochbegabten als Gruppe, also auf Durchschnittswerte, die nicht für jede Person passen müssen. Im Einzelfall können sich durchaus Besonderheiten ergeben. So können Schwierigkeiten entstehen, wenn Bedürfnisse des Kindes übersehen werden oder die Umwelt unpassend reagiert. Es kann auch das Gefühl da sein, »anders als andere« zu sein. Das gilt aber für Hochbegabte wie nicht Hochbegabte gleichermaßen.

Welche Rolle spielt die Herkunft eines Kindes?

Wie sich die Begabungen eines Kindes entwickeln, hängt in der frühen Kindheit stark von den Anregungen und der Unterstützung im Elternhaus ab. Die Bedingungen des Aufwachsens in der Familie können in Deutschland sehr unterschiedlich sein, je nachdem, welchen sozialen und beruflichen Status die Eltern haben, wie hoch ihr Bildungsniveau ist, welchen Stellenwert Bildung in der Familie hat und über wie viel Geld eine Familie verfügt. Insbesondere die sprachliche Förderung in der Familie hängt auch davon ab, ob die Eltern neu nach Deutschland zugewandert sind und ob die deutsche Sprache für sie und für das Kind Erst- oder Zweitsprache ist. In finanziell schwachen Familien fehlt es häufig an Ressourcen, um die vielfältigen Anregungen und Lerngelegenheiten zu schaffen, die eine Begabungsentwicklung unterstützen, z. B. Musikinstrumente und -unterricht, Bücher, Reisen oder Besuche von kulturellen Veranstaltungen. Je älter das Kind wird, desto mehr Einflüsse aus der Kita und später der Schule wirken auf die Entwicklung ein. Dennoch prägen auch dann noch die familiäre und die soziale Herkunft die Begabungsentwicklung und die Bildungskarriere. Trotz vieler Bemühungen der letzten Jahre, das Schulsystem gerechter zu machen, zeigen auch aktuelle Studien noch, dass Kinder aus weniger gebildeten und finanziell schwachen Elternhäusern höhere Hürden in ihrer Schullaufbahn überwinden müssen. Kinder aus diesen Familien werden seltener als besonders begabt erkannt, nehmen seltener an besonderen Förderprogrammen teil, besuchen seltener Spezialklassen, überspringen seltener eine Klasse und sind in den Studienförderwerken, die Begabtenstipendien vergeben, unterrepräsentiert. Sie erhalten auch seltener eine Gymnasialempfehlung (selbst bei gleich guten Leistungen) als Kinder aus sozial besser gestellten Familien. Die Begabungsentwicklung ist damit für Kinder aus weniger gebildeten und finanziell schwächeren Familien oft erschwert. Sowohl das Bildungssystem als auch außerschulische Anbieter von Begabtenförderung sind hier in der Pflicht, noch stärker als bisher Angebote zu schaffen, die diesen Nachteil ausgleichen.

Welche Vorurteile gibt es gegenüber Hochbegabten?

Hochbegabte werden in den Medien oft klischeehaft dargestellt, zum Beispiel als menschenscheue Person, die zwar hochintelligent ist, aber alltägliche Anforderungen nicht meistern kann oder als Überfliegerin, die nicht nur mühelos Spitzennoten schreibt, sondern darüber hinaus auch noch sozial engagiert und sympathisch ist. Solche Klischees entsprechen in den allermeisten Fällen nicht der Realität. Sie beeinflussen aber das Bild, das andere von Hochbegabten haben – schaffen quasi eine neue Realität – und fordern Hochbegabte dazu heraus, sich mit diesen Klischees auseinanderzusetzen. Nach dem »stigma of giftedness«-Ansatz befürchten manche Hochbegabte, aufgrund ihrer Begabung für andere auffällig zu sein oder ausgegrenzt zu werden. Dies betrifft vor allem hochbegabte Jugendliche. Als Reaktion darauf können sie verschiedene Verhaltensweisen zeigen, die ihnen letztendlich schaden. Zum Beispiel können sie versuchen, dem Klischee zu entsprechen; oder sie passen sich an und verstecken ihre Begabung; im Extrem können sie ihre Begabung auch verleugnen und ablehnen und zum Beispiel über Hochbegabte lästern. Klischees und Vorurteile können sich auch auf das Verhalten anderer gegenüber Hochbegabten auswirken. Geht zum Beispiel eine Lehrperson davon aus, dass ein hochbegabtes Kind im Unterricht eher schwierig ist, wird sich das in ihren Reaktionen und Verhaltensweisen gegenüber diesem Kind zeigen. Dies wiederum kann nach der sogenannten »sich selbst erfüllenden Prophezeiung« dazu führen, dass sich das hochbegabte Kind tatsächlich schwierig verhält. Es ist daher sehr wichtig, über falsche Klischees und Vorurteile gegenüber Hochbegabten aufzuklären – und zwar nicht nur bei anderen, sondern auch bei den Hochbegabten selbst. Hochbegabte unterscheiden sich, außer in leistungsbezogenen Merkmalen, nicht systematisch von nicht Hochbegabten. Und genauso wie nicht Hochbegabte sind Hochbegabte durchaus sehr unterschiedlich.

Broschüre

Fragen und Antworten zu hoher kognitiver Begabung

Download

Druckversion

Gerne senden wir Ihnen die Druckversion unserer Broschüre per Post.

Bestellen

Weitere Informationen