AID-G – Gruppentest zur Erfassung der Intelligenz auf Basis des AID

Altersbereich: 8;0 bis 20;11 Jahre

Test-Typ: Gruppentest

Jahr: 2019

  • 1. Beschreibung

    • 1.1 Zielsetzung und Grundlagen

      Der AID-G ist ein Gruppentest zur Erfassung von alltagsrelevanten kognitiven Fähigkeiten bei Personen im Alter von 8;0 bis 20;11 Jahren und verfolgt das Ziel einer förderungsorientierten Diagnostik.

      • Anwendungsgebiete sind die Berufs- und Bildungsberatung, Rehabilitationsdiagnostik, Schulpsychologie und Klinische Psychologie.

        Wie seinem Ursprungsverfahren, dem AID 3, liegt dem AID-G ein pragmatisches Intelligenzkonzept zugrunde, das, in Anlehnung an Cattell (1987), Intelligenz versteht als „die Gesamtheit aller kognitiven Voraussetzungen, die notwendig sind, um Wissen zu erwerben und Handlungskompetenzen zu entwickeln“ (Kubinger & Holocher-Ertl, 2014, S. 26). Das Verfahren ermöglicht eine Profilinterpretation der operational definierten kognitiven Fähigkeiten (z. B. Alltagswissen, Sprach- und Denkvermögen, visuelle Informationsverarbeitung).

        Methodologischer Ausgangspunkt der Untertests des AID-G ist, wie beim AID 3, die Item-Response-Theorie (IRT). Als Gruppentest lässt der AID-G allerdings kein adaptives Testen zu. Um dennoch leistungsangepasst zu testen, liegen die Untertests in altersgemäßen Testformen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade vor.

    • 1.2 Aufbau

        1. Der AID-G gliedert sich in die zwölf Untertests (UTs) „Alltagswissen“ (UT1), „Realitätssicherheit“ (UT2), Angewandtes Rechnen“ (UT3), „Sachliche Folgerichtigkeit“ (UT4), „Merkfähigkeit“ (UT5), „Antonyme Finden“ (UT6), „Kodieren“ (UT7), „Antizipieren und Kombinieren – figural“ (UT8), „Funktionen Abstrahieren“ (UT9), „Strukturieren – visuomotorisch“ (UT10), „Soziales Erfassen und Sachliches Reflektieren“ (UT11), „Formale Folgerichtigkeit“ (UT12).
        2. Acht der zwölf UTs liegen in vier verschieden schwierigen Testformen mit jeweils zwei pseudoparallelen Versionen vor.
        3. Die Testformen können auch als Kurzform mit 5 UTs durchgeführt werden.
        4. Neben den 12 Testkennwerten für die UTs können die (untere Grenze der) Intelligenzquantität, die zweitniedrigste Untertestleistung, der Range der Intelligenz sowie ein IQ-Wert für die Gesamt- bzw. Kurzform bestimmt werden.
        5. Die Bearbeitungsdauer der UTs ist beschränkt.
    • 1.3 Quellen

      • Kubinger, K. D. & Hagenmüller, B. (2019). AID-G Gruppentest zur Erfassung der Intelligenz auf Basis des AID. Manual. Göttingen: Hogrefe.

        Kubinger, K. D. & Hagenmüller, B. (2019). AID-G Gruppentest zur Erfassung der Intelligenz auf Basis des AID. Testanweisung. Hogrefe.

  • 2. Anwendung in der Hochbegabungsdiagnostik

    • 2.1 Zusammenfassung

      • Der AID-G eignet sich nur eingeschränkt zur Hochbegabungsdiagnostik, da die Messgenauigkeit nicht für alle UTs und Altersgruppen auch im Bereich der hohen Merkmalsausprägung gegeben ist. Im UT8 (Antizipieren und Kombinieren-figural) traten ab dem Alter von 15 Jahren Deckeneffekte auf. Für UT5 (Merkfähigkeit), Lerntyp 1, wurden für alle Altersstufen Deckeneffekte festgestellt.

    • 2.2 Eignung als Screening

      Angaben zur Beurteilung der Eignung als Screening nicht ausreichend

      • Die Untertests der Kurzform des AID-G differenzieren über alle Altersgruppen hinweg zwischen Viel- und Weniglösern. Daher ist von einer Eignung dieser Testform als Screening in der Hochbegabungsdiagnostik auszugehen. Die Eignung als Screening lässt sich jedoch aufgrund der fehlenden Hinweise zur Sensitivität bzw. Spezifität des Verfahrens zur Identifikation von Hochbegabten nicht abschließend beurteilen.

    • 2.3 Eignung zur Profilerstellung

      Fähigkeitsprofil möglich

      • Die Testkennwerte der UTs bilden das Leistungsprofil für die erfassten kognitiven Fähigkeitsbereiche ab. Die Interpretation der Leistungshöhen und –tiefen ist unter Berücksichtigung der jeweiligen Konfidenzintervalle vorzunehmen. Dazu liegen die Standardschätzfehler, abgesehen von UT7 (Kodieren), für alle UTs und Testformen tabelliert vor. Zusätzlich gibt der Range der Intelligenz Aufschluss über die Schwankungsbreite der erfassten kognitiven Fähigkeiten. Über alle Alters- und Leistungsbereiche wird eine kritische Differenz von ca. 15 T-Werten angenommen. Dieser Anwendungskontext wird mit einem Fallbeispiel verdeutlicht.

    • 2.4 Eignung für die Schullaufbahnberatung

      Für Schullaufbahnberatung geeignet

      • Aufgrund der möglichen Profilinterpretation eignet sich der AID-G für die Bildungsberatung (Schullaufbahnberatung, Studienwahlberatung). Dieser Anwendungskontext wird mit einem Fallbeispiel verdeutlicht.

    • 2.5 Eignung für Selektionsentscheidungen

      Für Selektionsentscheidungen weitestgehend geeignet

      • Nach ersten Befunden bildet der AID-G die Kristallisierte und Fluide Intelligenz ab. Weitere Studien dazu stehen noch aus.

  • 3. Normierung

    • 3.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 3.2 Aktualität der Normen

      Aktualität der Normen gegeben

      • Normierung: 2012 – 2014;

        Alters- und z. T. auch geschlechtsspezifische Normen (T-Werte), getrennt nach Parallelformen A und B, in Einjahresabständen.

        PR für (untere Grenze der) Intelligenzquantität, zweitniedrigste UT-Leistung, Range der Intelligenz (Tmax-Tmin) sowie für IQ-Wert der Gesamt- bzw. Kurzform.

    • 3.3 Repräsentativität der Normen

      Repräsentativität der Normen weitestgehend gegeben

      • Der AID-G wurde an einer Stichprobe von n = 6.461 Kindern und Jugendlichen aus Deutschland und Österreich, rekrutiert nach dem Klumpenstichprobenverfahren, normiert. Dabei wurden Nationalität, Region und Schultyp berücksichtigt. Zusätzlich wurde eine Gleichverteilung in Bezug auf Alter und Geschlecht angestrebt. Die Sozialschicht der Testpersonen blieb unberücksichtigt. Defizite in der Repräsentativität der Stichprobe (Überrepräsentativität von österreichischen Testpersonen, Gymnasien und Berufsbildenden Höheren Schulen) wurden durch altersverlaufsadjustierte Eichtabellen korrigiert.

        Es bestehen Leistungsunterschiede in den durchschnittlichen T-Werten der UTs für Testpersonen mit Deutsch vs. nicht mit Deutsch als Erstsprache.

  • 4. Objektivität

    • 4.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 4.2 Durchführungsobjektivität

      Durchführungsobjektivität gegeben

      • Präzise Hinweise zur Durchführung (z. B. Vorbereitung der Testsituation) und standardisierte Instruktionen zu den einzelnen Untertests gewährleisten eine objektive Durchführung des AID-G.

        Sprachfreie Instruktionen zu sechs Unter- und drei Zusatztests erweitern die Einsatzmöglichkeiten des AID 3 bei Testpersonen, die kaum oder nicht deutsch sprechen.

    • 4.3 Auswertungsobjektivität

      Auswertungsobjektivität gegeben

      • Eindeutige Regeln zur Auswertung sichern eine korrekte Auswertung der Testergebnisse.

    • 4.4 Interpretationsobjektivität

      Interpretationsobjektivität gegeben

      • Normtabellen und ein ausführliches Fallbeispiel vorhanden.

  • 5. Reliabilität

    • 5.1 Vorbemerkungen

      Der AID-G baut methodisch auf der IRT auf. Abgesehen von dem UT „Merkfähigkeit“ messen alle UTs eindimensional. Die Reliabilität des Verfahrens wurde über die Standardschätzfehler der Fähigkeitsparameter bestimmt.

    • 5.2 Paralleltest-Reliabilität

      Paralleltestreliabilität gegeben

      • Die IRT-basierten Schätzungen der zu erfassenden kognitiven Fähigkeiten erlauben einen fairen Vergleich von Testleistungen zwischen Personen, welche die pseudoparallelen Testformen der UTs Merkfähigkeit (n = 5.232, nAufgaben im Aufgabenpool = 22, nAufgaben je Testperson = 11, Standardschätzfehler Form A: Min. 0.81, Max. 2.07; Standardschätzfehler Form B: Min. 0.79, Max. 1.91) und Strukturieren-visuomotorisch (n = 4.939, nAufgaben im Aufgabenpool = 30, nAufgaben je Testperson = 15, Standardschätzfehler Form A: Min. 0.65, Max. 1.86; Standardschätzfehler Form B: Min. 0.63, Max. 1.99) bearbeiten.

    • 5.3 Testhalbierungsreliabilität

      Testhalbierungsreliabilität entfällt.

    • 5.4 Retest-Reliabilität

      Angaben zur Retest-Reliabilität fehlen

      • Koeffizienten zur Retest-Reliabilität liegen lediglich für AID und AID 2 vor.

    • 5.5 Interne Konsistenz

      Interne Konsistenz gegeben

      • 11 der 12 Untertests sind nach dem Rasch-Modell skaliert; die interne Konsistenz ist also gegeben.

        Die modellgemäßen (minimalen und maximalen) Standardschätzfehler betragen: Subtests der Gesamtform (Min. 0.48-0.81, Max. 1.62-2.07); Subtests der Kurzform (Min. 0.49-0.53, Max. 1.63-1.89)

    • 5.6 Profilreliabilität

      Angaben zur Profilreliabilität nicht ausreichend

      • Die maximale Korrelation zwischen allen paarweise korrelierten Testkennwerten beträgt nach Angaben der Testautoren .60; die entsprechende Korrelationsmatrix wird nicht mitgeteilt.

        Für alle Alters- und Leistungsbereiche wird die kritische Differenz zwischen je zwei Untertestwerten mit ca. 15 T-Werten (α = .05) angegeben.

  • 6. Validität

    • 6.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 6.2 Konstruktvalidität

      Konstruktvalidität eingeschränkt gegeben

      • Der AID-G erfasst ein breites Band von eindimensionalen kognitiven Fähigkeiten. Den Ergebnissen konfirmatorischer Faktorenanalysen zufolge ist die faktorielle Struktur des AID-G kompatibel mit dem Modell der Intelligenztheorie von Cattell. Zum AID 3 zeigte sich keine faktorielle Übereinstimmung. Das für den AID-G exploratorisch gefundene 4-Faktorenmodell ließ sich konfirmatorisch ebenfalls nicht bestätigen.

    • 6.3 Kriteriumsvalidität

      Angaben zur Bewertung der Kriteriumsvalidität nicht ausreichend

      • Korrelationsstatistische Analysen zwischen dem AID-G und den Skalen zur Erfassung der Lern- und Leistungsmotivation (SELLMO; Spinath, Stiensmeier-Pelster, Schöne & Dickhäuser, 2002), den Skalen zur Erfassung des schulischen Selbstkonzepts (SESSKO; Schöne, Dickhäuser, Spinath & Stiensmeier-Pelster, 2002) und dem Persönlichkeitsfragebogen für Kinder zwischen 9 und 14 Jahren (PFK; Seitz & Rausche, 2004) zeigten den größten (negativen) Zusammenhang (r = -.39) zwischen UT6 (Antonyme finden) und der Skala Annäherungsleistungsziele des SELLMO.

        Zusammenhänge zwischen dem AID-G und anderen Intelligenztests stehen noch aus. Die Kriteriumsvalidität des AID-G sollte darüber hinaus anhand von praktisch bedeutsamen Außenkriterien (z. B. Schulnoten, Studien- bzw. Berufserfolg) untersucht werden.

    • 6.4 Prognostische Validität

      Angaben zur prognostischen Validität fehlen

  • 7. Ökonomie

    • 7.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 7.2 Durchführungsökonomie

      Durchführung ökonomisch

      • Durchführungsdauer: ca. 70 min für Gesamttest, 30 min für Kurzform, Gruppentestung.

    • 7.3 Auswertungsökonomie

      Auswertung ökonomisch

      • Manuelle Auswertung: 10 min

  • 8. Weiterführende Informationen

    • 8.1 Vorgängerversion

      • Kubinger, K.D. & Holocher-Ertl, S. (2014). Adaptives Intelligenz Diagnostikum 3 (AID 3). Beltz.

    • 8.2 Literaturangaben

      • Cattell, R.B. (1987). Intelligence: its structure, growth, and action. Elsevier.

        Schöne, C., Dickhäuser, O., Spinath, B., & Stiensmeier-Pelster, J. (2002). Skalen zur Erfassung des schulischen Selbstkonzepts: SESSKO. Hogrefe

        Seitz, W. & Rausche, A. (2004). PFK 9 – 14. Persönlichkeitsfragebogen für Kinder zwischen 9 und 14 Jahren. (4. Aufl.). Göttingen: Hogrefe.

        Spinath, B., Stiensmeier-Pelster, J., Schöne, C., & Dickhäuser, O. (2002). Skalen zur Erfassung der Lern-und Leistungsmotivation: SELLMO. Hogrefe.