BIVA – Bildbasierter Intelligenztest für das Vorschulalter

Altersbereich: 3;6 bis 7;6 Jahre

Test-Typ: Einzeltest

Jahr: 2004

  • 1. Beschreibung

    • 1.1 Zielsetzung und Grundlagen

      Der BIVA dient der Diagnostik des Niveaus kognitiver Leistungsfähigkeit, insbesondere auch im Rahmen der Frühförderung, bei Kindern im Vorschulalter ab 3;6 Jahren und im jungen Schulalter bis 7;6 Jahren.

      • Dem Test liegt keine explizite Intelligenztheorie zugrunde, sondern es handelt sich um die Verbindung mehrerer Ansätze (u.a. aus kognitionspsychologischer Grundlagenforschung). Intelligenz wird definiert als erforderlicher Denkaufwand zur Lösung eines Problems. Dabei werden mit dem BIVA drei kognitive Teilprozesse (Herauslösen, Vergleichen, Übertragen) erfasst, die der fluiden Intelligenz bzw. dem schlussfolgernden Denken zuzuordnen sind.

    • 1.2 Aufbau

        1. 8 Subtests mit jeweils 1-2 Beispielaufgaben und 6 Testaufgaben.
        2. Die Aufgaben operieren mit kindgerecht gestaltetem Bildmaterial; sie unterscheiden sich nach der Komplexität der geforderten kognitiven Operationen.
        3. Die Darbietung orientiert sich am Entwicklungsstand (Alter); in der Regel bearbeitet ein Kind 4 Subtests (lediglich Kinder im Alter zwischen 4;6-5;5 Jahren bearbeiten 5 Subtests).
        4. Zur Differenzierung bei hoher Begabung stehen bei den 4 komplexeren Subtests jeweils 2 Zusatzaufgaben zur Verfügung (einzusetzen, wenn bei den ersten 6 Aufgaben ein T-Wert von 60 oder mehr erreicht wird).
        5. Untersuchungsbegleitende Verhaltensbeobachtungen (qualitative Beurteilung von Denkprozessen, Motorik, Artikulation etc.).
        6. Es existiert kein Paralleltest.

    • 1.3 Quellen

      • Schaarschmidt, U., Ricken, G., Kieschke, U. & Preuß, U. (2004). BIVA. Bildbasierter Intelligenztest für das Vorschulalter. Göttingen: Hogrefe.

  • 2. Anwendung in der Hochbegabungsdiagnostik

    • 2.1 Zusammenfassung

      • Die Prüfung der Aktualität der Normen bzw. eine Neunormierung sind erforderlich. Die Ergebnisinterpretation muss daher mit Vorsicht erfolgen; insbesondere ist eine Überschätzung von Fähigkeiten wahrscheinlich.

        Aufgrund des eingeschränkten Messbereichs sollte der BIVA nur ergänzend zu weiteren Verfahren eingesetzt werden. Für die Hochbegabungsdiagnostik ist zu beachten, dass die Differenzierungsfähigkeit bei allen Untertests nicht für alle Altersgruppen gegeben ist. Insbesondere für ältere und höher begabte Kinder sind Deckeneffekte zu erwarten.

        Der erreichbare Höchstwert liegt bei T=77.

    • 2.2 Eignung als Screening

      Als Screening nicht geeignet

      • Das Verfahren ist nicht als Gruppentest durchführbar.

    • 2.3 Eignung zur Profilerstellung

      Kein Fähigkeitsprofil

      • Trotz des Ziels des BIVA, individuellen kognitive Stärken und Schwächen zu erfassen, erscheint die Erstellung eines Intelligenzprofils aufgrund der unklaren Validität nicht empfehlenswert.

        Angaben zu kritischen T-Wert-Differenzen von Subtests für die drei größeren Altersgruppen (3;6-4;5, 4;6-5;5 und 5;6-7;6 Jahre) im Manual vorhanden.

    • 2.4 Eignung für die Schullaufbahnberatung

      Für die Schullaufbahnberatung nicht geeignet

      • Aufgrund des eingeschränkten Messbereichs nur in Kombination mit mehrdimensionalen Tests geeignet; insbesondere Ergänzung um Tests verbaler Fähigkeiten als wichtige Prädiktoren für Schulerfolg (Vock, 2008).

    • 2.5 Eignung für Selektionsentscheidungen

      Für Selektionsentscheidungen nicht geeignet

      • Aufgrund der mangelnden Differenzierungsfähigkeit insbesondere bei älteren Kindern nur sehr eingeschränkt geeignet. Sollte nur ergänzend zu anderen Tests eingesetzt werden.

  • 3. Normierung

    • 3.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 3.2 Aktualität der Normen

      Überprüfung/Aktualisierung der Normen erforderlich

      • Keine Angaben zum Normierungszeitpunkt; Erscheinungsdatum des Tests legt nahe, dass Normen älter als zehn Jahre sind.

        Altersnormen (PR, T-Werte) für 14 Altersgruppen (eingeteilt in Abständen von 3 bis 5 Monaten) für die jeweiligen Subtests.

        Seit 2012 ergänzende Normen zur Gesamtwertbestimmung vorhanden.

        Geschlechtsspezifische Normen (PR, T-Werte; bei Kindern bis 5;6 Jahren schneiden Mädchen besser abschneiden als Jungen).

    • 3.3 Repräsentativität der Normen

      Angaben zur Beurteilung der Repräsentativität der Normen nicht ausreichend

      • Angaben zur Normierungsstichprobe sind unzureichend.

        2287 Kinder (ca. 48 % Mädchen) aus dem deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich und Schweiz); die Kinder stammen aus mehreren Bundesländern (Deutschland: BE, BB, ST, TH, BY, BW, RP; Österreich: Wien, Niederösterreich) bzw. Kantonen (Bern, Fribourg, Solothurn).

  • 4. Objektivität

    • 4.1 Vorbemerkungen

      Die Durchführung des BIVA setzt ein hohes Maß an Erfahrung voraus (Mayer, 2005), so dass die Objektivität in besonderer Weise von der Qualifikation der Testleiterin bzw. des Testleiters abhängt.

    • 4.2 Durchführungsobjektivität

      Durchführungsobjektivität weitestgehend gegeben

      • Standardisierte verbale Instruktion und Durchführungshinweise sowie klare Abbruchkriterien gegeben.

        Das Demonstrationsvideo (muss zusätzlich erworben werden) wird zur Vorbereitung auf die Durchführung im Manual dringend empfohlen.

        Es werden Rückmeldungen und abgestufte Hilfen an die Kinder gegeben. Diese gefährden eventuell die Durchführungsobjektivität.

        Wenig Hinweise zur Durchführung der Verhaltensbeobachtungen.

    • 4.3 Auswertungsobjektivität

      Auswertungsobjektivität weitestgehend gegeben

      • Genaue Auswertungshinweise und ausführliche Darstellung der Kriterien für richtige und falsche Antworten (inklusive Auswertungsbeispielen) vorhanden.

        Vorgaben zur Berücksichtigung der Anzahl in Anspruch genommener Hilfen bei der Bestimmung des Leistungspotentials.

        Angaben zur Auswertungsobjektivität der Verhaltensbeobachtungen fehlen.

    • 4.4 Interpretationsobjektivität

      Interpretationsobjektivität eingeschränkt gegeben

      • Normtabellen und Anwendungsbeispiel vorhanden.

        Explizite Hinweise zur Interpretation der Testergebnisse fehlen.

        Hinweise zur Interpretation der Verhaltensbeobachtungen fehlen.

  • 5. Reliabilität

    • 5.1 Vorbemerkungen

      Die Reliabilität kann aufgrund fehlender Angaben im Manual nicht abschließend beurteilt werden.

    • 5.2 Paralleltest-Reliabilität

      Paralleltest-Reliabilität entfällt (Kein Paralleltest vorhanden)

    • 5.3 Testhalbierungsreliabilität

      Angaben zur Testhalbierungsreliabilität fehlen

    • 5.4 Retest-Reliabilität

      Angaben zur Retest-Reliabilität fehlen

    • 5.5 Interne Konsistenz

      Interne Konsistenz weitestgehend gegeben

      • Normierungsstichprobe; interne Konsistenzen der Subtests in den drei größeren Altersgruppen (3;6-4;5, 4;6-5;5 und 5;6-7;6 Jahre) akzeptabel bis gut (.75-.85; Ausnahmen: Subtest OHP .65 und Subtest WBP .67 in Altersgruppe 4;6-5;5 Jahre); interne Konsistenzen der Subtests in den 14 Teilaltersgruppen überwiegend akzeptabel bis gut (.71-.88; z.T. ungenügend mit <.70 in 9 Fällen und <.60 in 5 Fällen).

    • 5.6 Profilreliabilität

      Angaben zur Profilreliabilität fehlen

  • 6. Validität

    • 6.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 6.2 Konstruktvalidität

      Angaben zur Beurteilung der Konstruktvalidität nicht ausreichend

      • Normierungsstichprobe; exploratorische Faktorenanalysen in den drei größeren Altersgruppen (3;6-4;5, 4;6-5;5 und 5;6-7;6 Jahre) erbringt 4 bzw. 5 (korrelierte) Faktoren.

    • 6.3 Kriteriumsvalidität

      Kriteriumsvalidität eingeschränkt gegeben

      • Die Validierungsstichproben sind eher klein und Befunde zur fluiden Intelligenz heterogen: Einerseits korreliert BIVA mit nonverbaler Skala des K-ABC am höchsten, andererseits ist Korrelation mit schlussfolgernden Denken aus KFT nicht signifikant. Zur Beurteilung, ob der BIVA tatsächlich ein Intelligenztest oder eher ein Entwicklungs- und Schulfähigkeitstest ist, sind weitere Studien nötig (Quaiser-Pohl, 2006).

        Zusammenhänge mit anderen Intelligenztests

        KFT 1-3 (Heller & Geisler,1983): n = 61, 5;6-7;6 Jahre, keine weiteren Angaben; mittlere bis hohe Korrelationen von 4 Subtests (GF, RF, GA, RA) mit KFT-Skala Beziehungserkennen (.54-.64), mittlere Korrelationen mit KFT-Skala Rechnerisches Denken (.32-.46), Nullkorrelationen der Subtests mit KFT-Skalen Schlussfolgerndes Denken und Sprachverständnis (Ausnahme Subtest GF .36).

        K-ABC (Melchers & Preuß, 1991): n = 25, 4;6-5;5 Jahre, keine weiteren Angaben; mittlere bis hohe Korrelationen von 5 Subtests (OHP, OHN, WBP, WBN, GF) mit K-ABC-Skalen (.43-.61).

        Zusammenhänge zu Erzieher- und Lehrkrafturteilen

        3 Stichproben mit n = 653 (3;6-4;5 Jahre), n = 713 (4;6-5;5 Jahre) und n = 918 (5;6-7;6 Jahre), keine weiteren Angaben; Subtests zeigen mit Urteilen über intellektuelle Fähigkeiten niedrige bis mittlere Korrelationen (.17-.42), mit Urteilen über sozialen Einordnung erwartungsgemäß niedrige Korrelationen (.05-.22);

        Kinder mit guter Leistungsprognose in Sprachen und Mathematik erzielten bessere BIVA-Ergebnisse als Kinder mit schlechter Leistungsprognose, die Leistungsprognose in Sport steht nicht mit BIVA in Zusammenhang.

        Zusammenhänge zu Elternurteilen

        2 Stichproben mit n = 839 bzw. n = 841, 5;6-7;6 Jahre, keine weiteren Angaben; Kinder, die vor der Schule mit dem Lesen und Rechnen begonnen hatten, erzielten bessere BIVA-Leistungen als nicht-frühlesende bzw. nicht-frührechnende Kinder.

        n = 772, 5;6-7;6 Jahre, keine weiteren Angaben; Kinder mit Affinität zu den Hobbies Knobeln und Rechnen erzielten bessere Werte im BIVA.

    • 6.4 Prognostische Validität

      Angaben zur prognostische Validität fehlen

  • 7. Ökonomie

    • 7.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 7.2 Durchführungsökonomie

      Durchführung weitestgehend ökonomisch

      • Bei jüngeren Kindern ca. 30 Min., bei älteren Kindern ca. 60 Min.

        Die Testdauer könnte für sehr junge Kinder zu lang sein.

    • 7.3 Auswertungsökonomie

      Auswertung ökonomisch

      • Angaben zur Auswertungszeit fehlen, doch dürfte diese nur wenige Minuten betragen.

  • 8. Weiterführende Informationen

    • 8.1 Vorgängerversion

      • Berg, M. & Schaarschmidt, U. (1989). Diagnosticum für bildlich angeregte kognitive Leistung - BILKOG. Intelligenztest für das Kindergarten- und frühe Schulalter. Berlin: Psychodiagnostisches Zentrum der Humboldt-Universität.

    • 8.2 Literaturangaben

      • Heller, K.A. & Geisler, H.J. (1983). Kognitiver Fähigkeitstest (KFT). Weinheim: Beltz.

        Mayer, A.-K. (2005). BIVA - Bildbasierter Intelligenztest für das Vorschulalter (PSYNDEX Tests Review). In Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) (Hrsg.), Elektronisches Testarchiv. Online im Internet, URL: www.zpid.de (Stand: 28.2.2015).

        Melchers, P. & Preuß, U. (1991). Kaufman Assessment Battery for Children (K-ABC). Amsterdam: Swets & Zeitlinger.

        Preusche, I. & Kubinger, K.-D. (2006). Testrezension im Auftrag des Testkuratoriums der Förderation Deutscher Psychologenvereinigungen. Bildbasierter Intelligenztest für das Vorschulalter (BIVA). Uwe Schaarschmidt, Gabi Ricken, Ulf Kieschke & Ulrich Preuß. Report Psychologie, 31, 500-504.

        Quaiser-Pohl, C. (2006). BIVA - Bildbasierter Intelligenztest für das Vorschulalter. In E. Fay (Hrsg.), Tests unter der Lupe 5. Aktuelle psychologische Testverfahren - kritisch betrachtet (S. 7-21). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

        Vock, M. (2008). Non-verbaler Intelligenztest (SON-R 2½-7). Dt. Standardisierung von P.J. Tellegen, J.A. Laros & F. Petermann. Diagnostica, 54, 112-115.