HAWIVA-III – Hannover-Wechsler-Intelligenztest für das Vorschulalter - III

Altersbereich: 2;6 bis 6;11 Jahre

Test-Typ: Einzeltest

Jahr: 2007

  • 1. Beschreibung

    • 1.1 Zielsetzung und Grundlagen

      Der HAWIVA-III zielt darauf ab, differenzierte Aussagen über die kognitiven Fähigkeiten von Kindern ab 2;6 bis 6;11 Jahren zu machen und daraus spezifische Fördermaßnahmen abzuleiten. Er erfasst die allgemeine kognitive Leistungsfähigkeit, die kristalline und die fluide Intelligenz sowie die Verarbeitungsgeschwindigkeit.

      • Der HAWIVA-III basiert auf dem pragmatisch-erfahrungsgeleiteten Intelligenzmodell von David Wechsler, nach dem Intelligenz verstanden wird als „die zusammengesetzte oder globale Fähigkeit des Individuums, zweckvoll zu handeln, vernünftig zu denken und sich mit seiner Umgebung wirkungsvoll auseinanderzusetzen“ (Wechsler, 1956). Über den Verbalteil werden vorwiegend kristalline Fähigkeiten erfasst, über den Handlungsteil vorwiegend fluide. Die Integration der Verarbeitungsgeschwindigkeit trägt Befunden der Kognitionspsychologie Rechnung.

    • 1.2 Aufbau

        1. 3 Skalen (2;6-3;11 Jahre) bzw. vier Skalen (4;0-7;2 Jahre)
        2. Altersbereich 3;0-3;11 Jahre: Verbalteil (2 Kerntests), Handlungsteil (2 Kerntests) sowie Allgemeine Sprachskala (1 Kerntest sowie 1 optionaler Subtest); gemeinsam bilden Verbal- und Handlungsteil die Gesamtskala.
        3. Altersbereich 4;0-6;11 Jahre: Verbalteil (3 Kerntests), Handlungsteil (3 Kerntests) sowie Verarbeitungsgeschwindigkeit (1 Kerntest und 1 optionaler Subtest); Kerntest Kodieren bildet gemeinsam mit Verbal- und Handlungsteil die Gesamtskala. Zusätzlich stehen 6 optionale Subtests zur Verfügung.
        4. Anpassung von Subtests an Entwicklungsstand des Kindes z.T. möglich (z.B. wenn Kinder noch sehr jung sind oder feinmotorische Schwierigkeiten vorliegen).
        5. Untersuchungsbegleitende Verhaltensbeobachtungen (dreistufige Skalen zu Kontaktverhalten, Aufmerksamkeit, Leistungsverhalten, Selbstsicherheit, Arbeitstempo, Misserfolgserwartung, Aufgabenverständnis und motorischer Aktivität).
        6. Es existiert kein Paralleltest.

    • 1.3 Quellen

      • Ricken, G., Fritz, A., Schuck, K.-D. & Preuß, U. (Hrsg.) (2007). HAWIVA-III. Hannover-Wechsler-Intelligenztest für das Vorschulalter - III. Bern: Huber.

  • 2. Anwendung in der Hochbegabungsdiagnostik

    • 2.1 Zusammenfassung

      • Die Eignung des HAWIVA-IIII für die Hochbegabungsdiagnostik ist nicht abschließend beurteilbar.

        Im Manual fehlen Angaben zu den Itemschwierigkeiten. Deckeneffekte bei einzelnen Tests sind ab 4;6 Jahren nachweisbar (Irblich, 2009). Bei Verdacht auf Hochbegabung ab 6 Jahren wird aufgrund von Deckeneffekten empfohlen, andere Testverfahren zu verwenden. Differenzierungsfähigkeit zwischen 5;0 und 6;5 Jahren bei einigen Subtests nicht gegeben (keine signifikanten Mittelwertanstiege zwischen den Altersstufen).

        Der erreichbare Höchstwert liegt bei IQ=153.

    • 2.2 Eignung als Screening

      Als Screening nicht geeignet

      • Der HAWIVA-III ist nicht als Gruppentest durchführbar.

    • 2.3 Eignung zur Profilerstellung

      Erstellung Fähigkeitsprofil mit Einschränkungen möglich

      • Vergleich zwischen Handlungs- und Verbalteil prinzipiell möglich, jedoch ist fraglich inwieweit tatsächlich fluide und kristalline Intelligenz gemessen werden (Kastner-Koller & Deimann, 2008).

        Signifikanzprüfung von Testwertdiskrepanzen möglich (Angabe kritischer Differenzen für Skalen und die Subtests).

    • 2.4 Eignung für die Schullaufbahnberatung

      Für Schullaufbahnberatung eingeschränkt geeignet

      • Bei älteren Kindern mögliche Deckeneffekte beachten. Ab Alter von 6;0 Jahren aufgrund von Deckeneffekten besser WISC-IV (Petermann & Petermann, 2014) einsetzen.

    • 2.5 Eignung für Selektionsentscheidungen

      Für Selektionsentscheidungen eingeschränkt geeignet

      • Bei älteren Kindern mögliche Deckeneffekte beachten. Ab Alter von 6;0 Jahren aufgrund von Deckeneffekten besser WISC-IV (Petermann & Petermann, 2014) einsetzen.

        HAWIVA-III Validierungsstudie mit 17 hochbegabten Kindern, mittleres Alter 5;8 Jahre, mittlerer IQ aus anderen Tests (AID, CFT1): 125 (min. 98, max. 140); Kinder erzielen beim HAWIVA-III mittleren IQ von 119.

        Der HAWIVA-III kann zwischen durchschnittlich und leicht überdurchschnittlich begabten Kindern unterscheiden (mit Ausnahme des Handlungsteils).

  • 3. Normierung

    • 3.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 3.2 Aktualität der Normen

      Überprüfung/Aktualisierung der Normen in den nächsten Jahren erforderlich

      • Normierung: 2004/2005.

        Altersnormen (Wertpunkte mit MW = 10, SD = 3) für die Subtests in Drei- bzw. Viermonatsintervallen,

        Altersnormen (WP,PR, IQ-Werte) für die Skalen (Verbalteil, Handlungsteil, allgemeine Sprachskala, Verarbeitungsgeschwindigkeit) und den Gesamtwert für zwei Altersgruppen (2;6-3;11 und 4;0-6;11 Jahre).

        Zusätzlich geschätzte Wertpunktsummen bei unvollständiger Testdurchführung.

        Altersäquivalente (Alter in Jahren und Monaten, in dem ein bestimmter Rohwert der durchschnittlichen Leistung entspricht) in Drei- bzw. Viermonatsintervallen.

    • 3.3 Repräsentativität der Normen

      Repräsentativität der Normen eingeschränkt gegeben

      • n = 960, aus Deutschland (BW, BE, BB, HH, NI, NW, SN, ST, SH, TH), zzgl. n = 362, aus der Schweiz (6 Kantone), ca. 47 % Mädchen; Normgruppenstichprobengröße sehr unterschiedlich und z.T. sehr klein (n = 27-242).

        Zufällige Auswahl von Kindergärten und Testung kompletter Kindergartengruppen, Ausschluss von Kindern mit Entwicklungsauffälligkeiten.

        Keine systematischen Unterschiede zwischen Deutschland und der Schweiz, alten und neuen Bundesländern sowie Stadt und Land; nur beim Subtest Kodieren Unterschiede zugunsten der Mädchen.

        Bildungsabschlussverteilung weitestgehend repräsentativ (nach Angaben der IGLU Studie), aber Mittelschicht überrepräsentiert.

        Wegen nachträglicher Veränderungen am Mosaiktest beruht die Normierung dieses Subtests lediglich auf insgesamt n = 384 (Gruppengröße in Abhängigkeit vom Alter sehr klein: n = 16-65).

  • 4. Objektivität

    • 4.1 Vorbemerkungen

      Beim HAWIVA-III handelt es sich um ein aufwändiges und komplexes Instrument, so dass die Objektivität in besonderer Weise von der Qualifikation der Testleiterin bzw. des Testleiters abhängt.

    • 4.2 Durchführungsobjektivität

      Durchführungsobjektivität gegeben

      • Detaillierte, standardisierte Instruktionen und Durchführungshinweise und klare

        Durchführungsregeln (Start-, Abbruch- und Umkehrregeln) vorhanden.

    • 4.3 Auswertungsobjektivität

      Auswertungsobjektivität weitestgehend gegeben

      • Auswertung erfolgt während der Testdurchführung mit Ausnahme der Subtests Kodieren und Symbolsuche (hier Auswertung im Anschluss mit Schablone).

        Manual enthält viele Beispielantworten und Auswertungsrichtlinien, doch offene Fragen bieten Ermessensspielraum.

    • 4.4 Interpretationsobjektivität

      Interpretationsobjektivität gegeben

      • Normwerte und ausführliche Interpretationshinweise sind vorhanden.

  • 5. Reliabilität

    • 5.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 5.2 Paralleltest-Reliabilität

      Paralleltest-Reliabilität entfällt (Kein Paralleltest vorhanden)

    • 5.3 Testhalbierungsreliabilität

      Testhalbierungsreliabilität gegeben

      • vermutlich Normierungsstichprobe (Angaben ungenau); über alle Altersstufen hinweg Split-Half-Reliabilität der Subtests akzeptabel bis sehr gut (.74-.90), Split-Half-Reliabilität der Skalen gut bis sehr gut (.84 bis .92) und für den Gesamtwert sehr gut (.95).

    • 5.4 Retest-Reliabilität

      Retest-Reliabilität eingeschränkt gegeben

      • n = 69, keine weiteren Angaben; bei einem Test-Retestintervall von durchschnittlich 2,5 Monaten sind Stabilitäten der Subtests über alle Altersstufen hinweg größtenteils nicht ausreichend (.30-.88, bei 10 von 13 Tests < .70), die Stabilitäten der Skalen über alle Altersstufen hinweg sind akzeptabel bis gut (.78 und .86), die Stabilität des Gesamttests ist über alle Altersstufen hinweg sehr gut (.90).

    • 5.5 Interne Konsistenz

      Angaben zur internen Konsistenz fehlen

    • 5.6 Profilreliabilität

      Angaben zur Profilreliabilität fehlen

  • 6. Validität

    • 6.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 6.2 Konstruktvalidität

      Konstruktvalidität eingeschränkt gegeben

      • Regeln zum Ersetzen einzelner Subtests auf Basis der Interkorrelationen der Subtests nicht nachvollziehbar.

        Interkorrelationen der Subtests im Sinne einer Multitrait-Multimethod-Matrix: vermutlich Normierungsstichprobe (Angaben ungenau); konvergente Validität ausreichend, divergente Validität eingeschränkt gegeben: Subtests des Handlungsteils zeigen z.T. hohe Korrelationen mit Subtests des Verbalteils, Subtests des Verbalteils zeigen z.T. hohe Korrelationen mit Verarbeitungsgeschwindigkeit. Bei älteren Kindern korrelieren Subtests der allgemeine Sprachskala mit allen Subtests gleichermaßen (Sprachskala daher keine eigenständige Skala; sollte nur in begründeten Ausnahmefällen ausgewertet werden sollte.

        Interkorrelationen der Skalenwerte: mittlere bis sehr hohe Korrelationen des Verbalteils, des Handlungsteils und des Gesamtwertes (.48-.96).

        Exploratorische Faktorenanalysen (ohne Berücksichtigung des Mosaiktests):

        für die 2;6-3;11-Jährigen konnte die erwartete Zweifaktorenlösung (Verbal- und Handlungsteil) bestätigt werden;

        für die 4;0-6;3-Jährigen konnte die erwartete Dreifaktorenlösung (Verbalteil, Handlungsteil und Verarbeitungsgeschwindigkeit) für den alleinigen Einsatz der Subtests von Verbal- und Handlungsteil bestätigt werden; unter Einbezug der zusätzlichen Subtests zeigt sich ein dominierender Faktor.

    • 6.3 Kriteriumsvalidität

      Kriteriumsvalidität für Verbalteil gegeben, weitere Angaben unzureichend

      • Zusammenhänge Subtests Verbalteil mit anderen Intelligenztests

        n = 48, 50 % Mädchen, 5;0-6;8 Jahre;

        CFT 1 (Cattell, Weiß & Osterland, 1997): Subtests ‚Allgemeines Wissen‘ und ‚Begriffe erkennen‘ zeigen bedeutsame Korrelationen mit den CFT Subtests (.38-39).

        K-ABC (Melchers & Preuß, 1991): hohe Korrelationen von Verbalteil und K-ABC Subtest Rätsel (.73-.80) sowie Gesichter und Orte (.54-.56); Subtests ‚Allgemeines Wissen‘ und ‚Begriffe erklären‘ zeigen auch bedeutsame Korrelationen mit dem K-ABC Subtest Rechnen (.41-.49).

        Dem Manual zufolge deuten die Ergebnisse darauf hin, dass der Verbalteil eher als Maß für kristalline Intelligenz als für fluide Intelligenz angesehen werden kann.

        Zusammenhang des Verbalteils mit dem Bielefelder Screening (BISC; Jansen, Mannhaupt, Marx & Skowronek, 1999): n = 108, 5;6-6;11 Jahre; Subtests des Verbalteils korrelieren kaum bis gar nicht mit der Skala phonologischer Bewusstheit des BISC.

        Zusammenhänge mit Urteilen von Erzieher/innen

        Normierungsstichprobe; Einschätzung des Kindes auf einer 5-stufigen Skala hinsichtlich der Fähigkeiten Neues zu lernen, des Wortschatzes und des Interesses am Lernen; mittlere, aber bedeutsame Korrelationen der Subtest- und Skalenwerte mit den Einschätzungen der Erzieherinnen (.16-.48).

        Zusammenhang des HAWIVA-III mit dem Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ; Woerner et al., 2002): n = 70, 4;0-6;11 Jahre; kaum signifikante Korrelationen zwischen den HAWIVA-Skalen und den Skalen Emotionale Probleme und Hyperaktivität; Verarbeitungsgeschwindigkeit korreliert signifikant negativ mit der Skala Probleme mit Gleichaltrigen (-.29) und dem Gesamtproblemwert (-.28); Verbalteil, Verarbeitungsgeschwindigkeit und Gesamtskala korrelieren signifikant negativ mit der Skala Verhaltensprobleme (-.24 bis -.28).

    • 6.4 Prognostische Validität

      Angaben zur prognostischen Validität fehlen

  • 7. Ökonomie

    • 7.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 7.2 Durchführungsökonomie

      Durchführung weitestgehend ökonomisch

      • Im Manual bleibt unklar, auf welche Subtests sich die Durchführungsdauer bezieht.

        Dauer für Kinder von 2;6-3;11 Jahren ca. 37 Min. (20-60 Min.),

        Dauer für Kinder von 4;0-6;11 Jahren ca. 76 Min. (30-120 Min.).

        Wenn Testung länger als eine Stunde (bei Kindern von 2;6-3;11 Jahren) bzw. zwei Stunden (bei Kindern von 4;0-6;11 Jahren) dauert, sollte die Testung unterbrochen und an einem zweiten Termin beendet werden, der innerhalb von sieben Tagen stattfinden soll.

    • 7.3 Auswertungsökonomie

      Auswertung ökonomisch

      • Keine Angaben zur Auswertungsdauer.

        Auswertung und Interpretation dürften ca. 15-20 Min. dauern.

  • 8. Weiterführende Informationen

    • 8.1 Vorgängerversion

      • Deutsche Adaption von Wechsler, D. (2002). Wechsler Preschool and Primary Scale of Intelligence-Third Edition (WPPSI-III). San Antonio, TX: The Psychological Corporation.

    • 8.2 Literaturangaben

      • Cattell, R.B., Weiß, R.H. & Osterland, J. (1997). Grundintelligenztest Skala 1 (CFT 1) (5. revidierte Aufl.). Göttingen: Hogrefe.

        Irblich, D. (2009). Hannover-Wechsler-Intelligenztest für das Vorschulalter - III (Neuere Testverfahren). Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 58, 467-476.

        Jansen, H., Mannhaupt, G., Marx, H. & Skowronek, H. (1999). Bielefelder Screening zur Früherkennung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten (BISC). Göttingen: Hogrefe.

        Kastner-Koller, U. & Deimann, P. (2008). HAWIVA-III. Hannover-Wechsler-Intelligenztest für das Vorschulalter - III [Testbesprechung]. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 40, 49-53.

        Melchers, P. & Preuß, U. (1991). Kaufman-Assessment Battery for Children. Deutschsprachige Fassung. Amsterdam: Swets & Zeitlinger.

        Petermann, F. & Petermann, U. (2014). Wechsler Intelligence Scale for Children – Fourth Edition (WISC-IV). Übersetzung und Adaptation der WISC-IV von David Wechsler (2. ergänzte Aufl.). Frankfurt a.M.: Pearson Assessment.

        Wechsler, D. (1956). Die Messung der Intelligenz Erwachsener. Bern: Huber.

        Woerner, W., Becker, A., Friedrich, C., Klasen, H., Goodman, R. & Rothenberger, A. (2002). Normierung und Evaluation der deutschen Elternversion des Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ): Ergebnisse einer repräsentativen Felderhebung. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, 30, 105-112.