I-S-T 2000 R – Intelligenz-Struktur-Test 2000 Revidiert

Altersbereich: ab 15 Jahren

Test-Typ: Einzel- und Gruppentest

Jahr: 2007

  • 1. Beschreibung

    • 1.1 Zielsetzung und Grundlagen

      Der I-S-T 2000 R erfasst Niveau und Struktur der Intelligenz in den Bereichen schlussfolgendes Denken (fluide Intelligenz), Wissen (kristalline Intelligenz), verbale, figurale und numerische Intelligenz sowie Merkfähigkeit bei Jugendlichen ab 15 Jahren und Erwachsenen.

      • Der Test ist theoretisch gut fundiert: Die Autoren leiten aus der inhaltlichen und formalen Konvergenz verschiedener Intelligenzmodelle das sog. hierarchische Protomodell der Intelligenzstrukturforschung (HPI) ab, nach dem Intelligenz ein komplexes Konstrukt mit verschiedenen, hierarchisch organisierten Intelligenzbereichen ist.

        Gemäß dem Cattel-Horn-Modell (z.B. Cattell & Horn, 1978) werden zwei Generalfaktoren der Intelligenz unterschieden: fluide und kristalline Intelligenz. Die Verbindung dieser Unterscheidung mit dem Modell von Guttman und Levy (1991) zeigt sich im I-S-T 2000 R in der Kombination von fluider und kristalliner Intelligenz mit den drei Inhaltsfacetten (verbale, numerische und figurale Fähigkeiten).

        Der I-S-T 2000 R deckt fünf der sieben Primärfaktoren von Thurstone ab: verbale, numerische und figurale Intelligenz, schlussfolgerndes Denken (fluide Intelligenz) sowie Merkfähigkeit.

        Bei der Auswertung berücksichtigt der I-S-T 2000 R das Prinzip der Multi-Trait-Determination: Nach Thomson (1916) und Thurstone (1947) ist jede Intelligenzleistung gleichzeitig durch mehrere Fähigkeiten beeinflusst. Daher erfolgt im IST-2000-R eine statistische Kontrolle entsprechender Varianzanteile zur Vermeidung der Kontamination von kristallisierter Intelligenz mit fluiden Fähigkeiten und von fluider Intelligenz mit kristallinen Fähigkeiten (korrigierte Werte: schlussfolgerndes Denken ohne Wissensanteile und Wissen ohne Anteile schlussfolgernden Denkens).

    • 1.2 Aufbau

        1. Mehrere Module, die in unterschiedlicher Auswahl oder Kombination eingesetzt werden können.
        2. Das Grundmodul besteht aus 11 Subtests mit je 20 Aufgaben (außer den beiden Subtests zur Merkfähigkeit, die je 10 Items umfassen) und deckt 5 Fähigkeitsbereiche ab: verbale, numerische und figurale Intelligenz, schlussfolgerndes Denken und Merkfähigkeit.
        3. Eine Kurzform des Grundmoduls besteht aus dem Grundmodul ohne die Aufgaben zur Merkfähigkeit.
        4. Das Erweiterungsmodul (Wissenstest) umfasst 84 Fragen zu 6 verschiedenen Wissensgebieten (Geographie/Geschichte, Wirtschaft, Kunst/Kultur, Mathematik, Naturwissenschaften, Alltag) in 3 Kodierungsarten (verbal, numerisch oder figural kodiertes Wissen).
        5. Es liegen eine Pseudo-Parallelform (Form A/B) sowie eine echte Parallelform (Form C) vor.

    • 1.3 Quellen

      • Liepmann, D., Beauducel, A., Brocke, B. & Amthauer, R. (2007). I-S-T 2000 R. Intelligenz-Struktur-Test 2000 R (2., erweiterte und überarbeitete Aufl.). Göttingen: Hogrefe.

  • 2. Anwendung in der Hochbegabungsdiagnostik

    • 2.1 Zusammenfassung

      • Das Verfahren eignet sich aufgrund der Zielgruppe eher für die Studien- und Berufsberatung.

        Die Lösungswahrscheinlichkeiten der Aufgaben deuten mögliche Deckeneffekte bei der Hochbegabungsdiagnostik an.

        Der erreichbare Höchstwert liegt bei IQ=145.

    • 2.2 Eignung als Screening

      Als Screening nicht geeignet

      • Als Screening zu aufwändig; alternativ kann IST-Screening (IST-SC) eingesetzt

        werden (Liepmann, Beauducel, Brocke & Nettelnstroth, 2012).

    • 2.3 Eignung zur Profilerstellung

      Fähigkeitsprofil kann erstellt werden

      • Das Verfahren gibt Aufschluss über spezifische individuelle Stärken (verbale, numerische oder figurale Intelligenz, kristalline oder fluide Intelligenz).

    • 2.4 Eignung für die Schullaufbahnberatung

      Für die Schullaufbahnberatung nicht geeignet

      • Der Test ist erst ab 15 Jahren normiert.

        Der Test ist aufgrund der Zielgruppe eher für die Studien- und Berufsberatung geeignet.

        Die Zweiteilung der Normstichprobe in Gymnasiasten vs. Nicht-Gymnasiasten ist relativ undifferenziert und entspricht damit nicht den Voraussetzungen für eine Schullaufbahnberatung.

    • 2.5 Eignung für Selektionsentscheidungen

      Für Selektionsentscheidungen eingeschränkt geeignet

      • Der Test ist erst ab 15 Jahren normiert.

  • 3. Normierung

    • 3.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 3.2 Aktualität der Normen

      Keine genauen Angaben zum Erhebungszeitpunkt der Normen

      • Altersnormen (SW, IQ-Werte, PR) für die einzelnen Subtests, die verbale, numerische und figurale Intelligenz, für verbales, numerisches und figurales Wissen, die Merkfähigkeit und die Gesamtwerte schlussfolgendes Denken und Wissen (korrigiert und nicht korrigiert).

        Normdifferenzierung nach Bildungsabschluss (Gymnasiasten vs. Nicht-Gymnasiasten).

    • 3.3 Repräsentativität der Normen

      Angaben zur Beurteilung der Repräsentativität der Normen nicht ausreichend

      • Grundmodul: Stichprobe ist ausreichend groß. Eine abschließende Beurteilung der Repräsentativität ist aufgrund von unzureichenden Angaben zur Stichprobe nicht möglich.

        Erweiterungsmodul: Widersprüchliche Angaben zur Stichprobengröße; Stichprobe relativ klein.

        Verfahren der Gewichtung von Teilstichproben wurde eingesetzt, um möglichst für Deutschland repräsentative Normen zu erhalten.

        Grundmodul: n = 3.484 (Form A/B) sowie n = 2.363 (Form C) aus BE, HH, BB, NW, SN, BY, BW; Einteilung in acht Altersgruppen (15-16, 17-18, 19-20, 21-25, 26-30, 31-40, 41-50 und älter als 50 Jahre), jeweils ca. 11-18 % (mit Ausnahme der beiden Altersgruppen > 41); 58 % mit Gymnasialbesuch oder Gymnasialabschluss.

        Erweiterungsmodul (Wissenstest): n = 661, durchschnittlich 28 Jahre alt (15-60 Jahre, 55 % weiblich) aus BE und Dresden; 72 % mit (Fach-)Hochschulabschluss, 55 % zwischen 15-25 Jahren.

        Geschlechtsspezifische Unterschiede zugunsten der männlichen Probanden für die drei Subskalen Wissen verbal, numerisch und figural und den Gesamtwert Wissen (korrigiert und unkorrigiert).

  • 4. Objektivität

    • 4.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 4.2 Durchführungsobjektivität

      Durchführungsobjektivität gegeben

      • Standardisierte schriftliche und mündliche Instruktionen vorhanden.

    • 4.3 Auswertungsobjektivität

      Auswertungsobjektivität gegeben

      • Standardisierte Auswertungsinstruktionen vorhanden.

        Aufgrund der Vielschrittigkeit könnte die manuelle Auswertung etwas fehleranfällig sein.

        PC-gestütztes Auswertungsprogramm vorhanden (muss zusätzlich erworben werden).

    • 4.4 Interpretationsobjektivität

      Interpretationsobjektivität gegeben

      • Normwerte und Hinweise zur Interpretation (inklusive Fallbeispiel) vorhanden.

  • 5. Reliabilität

    • 5.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 5.2 Paralleltest-Reliabilität

      Angaben zur Paralleltestreliabilität fehlen

      • Mittelwerte und Standardabweichung der Parallelformen unterscheiden sich z.T. minimal.

    • 5.3 Testhalbierungsreliabilität

      Testhalbierungsreliabilität gegeben

      • Grundmodul (vermutlich an Normierungsstichprobe ermittelt): in der Gesamtstichprobe akzeptable bis sehr gute Split-half-Reliabilitäten für die Subtests (.73-.96 für Form A/B, .75-.92 für Form C); gute bis sehr gute Split-half-Reliabilitäten der Skalen und des Gesamtwertes (.88-.97 für Form A/B, .88-.96 für Form C).

        Erweiterungsmodul (vermutlich an Normierungsstichprobe ermittelt): in der Gesamtstichprobe gute Split-half-Reliabilitäten für die drei inhaltsbezogenen Subskalen (.84-.85); sehr gute Split-half-Reliabilität für den Gesamtwert (.93).

        Sehr gute Split-half-Reliabilitäten für die korrigierten Gesamtwerte schlussfolgerndes Denken ohne Wissensanteile und Wissen ohne Anteile schlussfolgernden Denkens (.91 und .96).

    • 5.4 Retest-Reliabilität

      Angaben zur Retest-Reliabilität fehlen

    • 5.5 Interne Konsistenz

      Interne Konsistenz gegeben

      • Grundmodul (vermutlich an Normierungsstichprobe ermittelt): in der Gesamtstichprobe akzeptable bis sehr gute interne Konsistenzen der Subtests (.71-.95 für Form A/B, .72-.88 für Form C mit Ausnahme von des Subtests Satzergänzung: für A/B .69); gute bis sehr gute interne Konsistenzen der Skalen und des Gesamtwertes (.87-.96 für Form A/B, .82-.94 für Form C).

        Erweiterungsmodul (vermutlich an Normierungsstichprobe ermittelt): in der Gesamtstichprobe gute interne Konsistenz der drei Subskalen (.82-.84), sehr gute interne Konsistenz des Gesamtwertes (.93).

    • 5.6 Profilreliabilität

      Angaben zur Profilreliabilität fehlen

  • 6. Validität

    • 6.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 6.2 Konstruktvalidität

      Konstruktvalidität gegeben

      • Grundmodul:

        n = 2.208 (Form A), n = 2.363 (Form C); mittlere bis hohe Korrelationen der Subtests der verbalen Intelligenz (.37-.59 Form A, .46-.55 Form C), der numerischen Intelligenz (.62-.66 Form A, .51-.57 Form C) und der figuralen Intelligenz (.23-.46 Form A, .29-.49 Form C); Korrelationen mit Subtests anderer Skalen sind in der Regel geringer; explorative und konfirmatorische Faktorenanalysen bestätigen Drei-Faktor-Struktur (verbal, numerisch, figural).

        Erweiterungsmodul: In einer multidimensionalen Skalierung konnten die 18 Wissensthemen (zu jedem der 6 Gebiete gab es 3 Kodierungsarten) und die 9 kodierungshomogenen Aggregate (3 verbale, 3 numerische, 3 figurale) ohne Fehllokation aufgezeigt werden; konfirmatorische Faktorenanalyse bestätigt sowohl die Wissensthemen als auch die Kodierungsarten; die Korrelationen der Wissenskomponenten rechtfertigen die Bildung eines Gesamtwertes Wissen.

        Faktorenanalysen stützen die korrigierten Gesamtwerte „Wissen ohne Anteile schlussfolgernden Denkens“ und „schlussfolgerndes Denken ohne Anteile von Wissen“ als Generalfaktoren der fluiden und kristallinen Intelligenz.

    • 6.3 Kriteriumsvalidität

      Kriteriumsvalidität für das Grundmodul gegeben, Studien zur Kriteriumsvalidität des Erweiterungsmoduls fehlen

      • Zusammenhänge mit anderen Intelligenztests

        MWT-B (Lehrl, 1995): n = 180 aus HH und BE, keine weiteren Angaben; höchste Korrelationen mit verbaler Intelligenz und schlussfolgerndem Denken (.31-.39) des I-S-T 2000 R, ansonsten Korrelationen zwischen .17-.21.

        HAWIE-R (Tewes, 1991): n = 180 aus HH und BE, keine weiteren Angaben; höchste Korrelationen mit verbaler Intelligenz und schlussfolgerndem Denken des I-S-T 2000 R (.46-.48), ansonsten Korrelationen zwischen .30-.34.

        CFT 20 (Weiß, 1997): n = 180 aus HH und BE, keine weiteren Angaben; mittlere bis hohe Korrelationen mit den drei Subskalen und der Skala schlussfolgerndes Denken des I-S-T 2000 R Grundmoduls (.45-.63).

        Raven Matrizentest (Raven, 1971): n = 244 aus HH und BE, keine weiteren Angaben; mittlere bis hohe Korrelationen mit zwei der drei Subskalen und der Skala schlussfolgerndes Denken des I-S-T 2000 R Grundmoduls (.50-.69; Ausnahme numerische Intelligenz .09).

        FRT (Daniels, 1967): n = 568 aus HH und BE, keine weiteren Angaben; mittlere bis hohe Korrelationen mit figuraler Intelligenz und der Skala schlussfolgerndes Denken des I-S-T 2000 R (.39-.49), ansonsten Korrelationen eher gering (.13-.25).

        START-E (Liepmann, Tartler, Nettelnstroth & Smolka, 2006): n = 220 (48 % männlich), im Mittel 20,5 Jahre alt, 75 % gymnasiale Stichprobe; mittlere bis hohe Korrelationen mit I-S-T 2000 R Skala verbaler Intelligenz (.48-.50), mittlere Korrelationen mit numerischer Intelligenz (.22-.26), Nullkorrelationen mit figuraler Intelligenz (-.08-.00); höhere Korrelationen mit kristalliner Intelligenz (.45-.49) als mit fluider Intelligenz (.34-.30) des I-S-T 2000 R.

        Zusammenhänge mit Schulnoten

        n = 151 bis 202, keine weiteren Angaben; Fächer: Deutsch, Mathematik, Englisch, Chemie und Physik;

        Korrelationen der I-S-T 2000 R Skala verbale Intelligenz mit Noten in allen Fächern in etwa gleich (.20-.32), erwartungswidrig geringe Korrelationen mit Deutsch und Englisch (.25-.20);

        mittlere Korrelationen der numerischen Intelligenz mit Noten in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern (.34-.40), Nullkorrelation mit Deutsch- und Englischnoten (.03-.04);

        mittlere Korrelationen der figuralen Intelligenz mit Noten in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern (.22-.36), Nullkorrelationen mit Deutsch- und Englischnoten (.08 und .02);

        mittlere bis hohe Korrelationen des schlussfolgernden Denkens mit Noten in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern (.36-.45), Nullkorrelationen mit Deutsch- und Englischnoten (.14-.09).

    • 6.4 Prognostische Validität

      Angaben zur prognostischen Validität fehlen

  • 7. Ökonomie

    • 7.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 7.2 Durchführungsökonomie

      Durchführung aufwändig und komplex

      • Grundmodul-Kurzform ca. 1 Std. 30 Min.

        Grundmodul ca. 2 Std. (inkl. Pause)

        Test mit Erweiterungsmodul ca. 2 Std. 20 Min. (Kurzform Grundmodul) bzw. ca. 2 Std. 40 Min. (Grundmodul komplett)

        Alle Aufgabengruppen haben eine Zeitbegrenzung.

    • 7.3 Auswertungsökonomie

      Auswertung ökonomisch

      • Ca. 15 Min.

  • 8. Weiterführende Informationen

    • 8.1 Vorgängerversion

      • Amthauer, R., Brocke, B., Liepmann, D. & Beauducel, A. (2001). I-S-T 2000 R. Intelligenz-Struktur-Test 2000 R. Göttingen: Hogrefe.

    • 8.2 Literaturangaben

      • Cattell, R.B. & Horn, J. L. (1978). A check on the theory of fluid and crystallized intelligence with description of new subtest designs. Journal of Educational Measurement, 15, 139-164.

        Daniels, J.C. (1967). Figure Reasoning Test (Übersetzung von J. W. Lindeman). London: Lockwood.

        Guttman, L. & Levy, S. (1991). Two structural laws for intelligence tests. Intelligence, 15, 79-103.

        Lehrl, S. (1995). Mehrfachwahl-Wortschatz-Intelligenztest (MWT-B) (3. Aufl.). Göttingen: Hogrefe.

        Liepmann, D., Tartler, K., Nettelnstroth, W. & Smolka, S. (2006). Testbatterie für Berufseinsteiger – Englisch (START-E). Göttingen: Hogrefe.

        Liepmann, D., Beauducel, A., Brocke, B. & Nettelnstroth, W. (2012). IST-Screening. Intelligenz-Struktur-Test - Screening. Göttingen: Hogrefe.

        Raven, J.C. (1971). The Advanced and Standard Progressive Matrices. London: Lewis & Co.

        Tewes, U. (1991). Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene - Revision (HAWIE-R). Göttingen: Hogrefe.

        Thomson, G.H. (1916). A hierarchy without a general factor. British Journal of Psychology, 8, 271-281.

        Thurstone, L.L. (1947). Multiple factor analysis: A development and expansion of the vectors of mind. Chicago: Chicago University Press.

        Weiß, R.H. (1997). Grundintelligenztest Skala 2 (CFT 20) mit Wortschatztest (WS) und Zahlenfolgetest (ZF) (4. Aufl.). Göttingen: Hogrefe.