KABC-II – Kaufman-Assessment Battery for Children - II

Altersbereich: 3;0 bis 18;11 Jahre

Test-Typ: Einzeltest

Jahr: 2015

  • 1. Beschreibung

    • 1.1 Zielsetzung und Grundlagen

      Die KABC-II erfasst informationsverarbeitende und kognitive Fähigkeiten bei Kindern und Jugendlichen zwischen drei und achtzehn Jahren mit dem Ziel der Ableitung von Fördermaßnahmen.

      • Die Autoren sehen besondere Stärken der KABC-II für die Diagnostik bei Kindern und Jugendlichen ethnischer Minderheiten sowie Kindern und Jugendlichen mit Lernbehinderungen.

        Die KABC-II basiert auf zwei theoretischen Grundlagen, dem neuropsychologischen Verarbeitungsmodell von Luria (1966) und dem Cattell-Horn-Carroll-Modell (CHC-Modell; Carroll, 1997). Eine Auswahl des theoretischen Modells muss vor der Durchführung getroffen werden. Wird das Luria-Modell herangezogen, wird mit der KABC-II auf kognitive Verarbeitung fokussiert, auf angeeignetes Wissen wird weniger Wert gelegt (Intellektueller Verarbeitungsindex). Wird das CHC-Modell zugrunde gelegt, wird die Skala Wissen zusätzlich erhoben (Fluid-Kristallin-Index). Das Manual gibt Empfehlungen, wie diese Wahl getroffen werden kann. Die Autoren empfehlen bei der Diagnostik von Hochbegabung die Zugrundelegung des CHC-Modells.

    • 1.2 Aufbau

        1. Bis zu 11 reguläre Subtests (Kerntests) und 7 fakultativ vorzugebende Ergänzungstests (bei Anwendung des CHC-Modells 2 Kerntests mehr als bei Anwendung des Luria-Modells). Die Subtests sind 5 Skalen zugeordnet: Sequentiell/Kurzzeitgedächtnis, Simultan/visuelle Verarbeitung, Lernen/Langzeitspeicherung und –erinnerung, Planung/fluide Fertigkeiten, Wissen/kristalline Intelligenz.
        2. Nicht alle Skalen werden in jeder Altersstufe erfasst.
        3. Die Skalen können zu zwei alternativen Gesamtskalen zusammengefasst werden: Fluid-Kristallin-Index, der die Skala Wissen einschließt (Grundlage CHC-Modell) oder Intellektueller Verarbeitungsindex, der die Skala Wissen nicht einschließt (Grundlage Luria-Modell).
        4. Zusätzlicher Sprachfrei-Index für Testpersonen mit Hörbehinderungen, eingeschränkten Deutschkenntnissen, rezeptiven Sprachstörungen, autistischen Störungen sowie anderen Beeinträchtigungen.
        5. Qualitative Kriterien zur Verhaltensbeobachtung pro Subtest.
        6. Kein Paralleltest.

    • 1.3 Quellen

      • Kaufman, A. S. & Kaufman N. L. (Dt. Bearbeitung von P. Melchers & M. Melchers) (2015). KABC-II: Kaufman Assessment Battery for Children-2. Frankfurt: Pearson.

  • 2. Anwendung in der Hochbegabungsdiagnostik

    • 2.1 Zusammenfassung

      • Es sind keine Studien zur Eignung der KABC-II für die Hochbegabungsdiagnostik bekannt. Der Vorgänger, die K-ABC, wird insbesondere für die Diagnostik von Minderbegabung empfohlen (Preusche & Leiss, 2003).

        Fehlende Angaben zu Itemschwierigkeiten und möglichen Deckeneffekten lassen eine abschließende Beurteilung der KABC-II für die Hochbegabungsdiagnostik nicht zu.

        Der erreichbare Höchstwert liegt bei IQ=160.

    • 2.2 Eignung als Screening

      Als Screening nicht geeignet

      • Die KABC-II ist nicht als Gruppentest anwendbar.

    • 2.3 Eignung zur Profilerstellung

      Fähigkeitsprofil möglich

      • Die KABC-II gibt Aufschluss über spezifische individuelle Stärken. Für die (Profil-) Interpretation auf Skalenebene gibt es zufallskritische Angaben zu Testwertdifferenzen für sechs Altersbereiche.

    • 2.4 Eignung für die Schullaufbahnberatung

      Angaben zur Beurteilung der Eignung für die Schullaufbahnberatung nicht ausreichend

      • Fehlende Angaben zu Zusammenhängen der KABC-II Testwerte mit Lernverhalten und Schulleistungen lassen eine abschließende Beurteilung nicht zu.

    • 2.5 Eignung für Selektionsentscheidungen

      Angaben zur Beurteilung der Eignung für Selektionsentscheidungen nicht ausreichend

      • Die Normen sind aktuell und die KABC-II weist eine hohe Reliabilität (split-half) auf. Fehlende Angaben zu Itemschwierigkeiten, möglichen Deckeneffekten und zur kriterienbezogenen Validität im Lern- und Leistungskontext lassen eine abschließende Beurteilung nicht zu.

  • 3. Normierung

    • 3.1 Vorbemerkungen

      Ab 7 Jahren: z. T. Geschlechterunterschiede in der Testleistung, jedoch keine geschlechterdifferenzierende Normierung.

    • 3.2 Aktualität der Normen

      Aktualität der Normen gegeben

      • Normierung: 2013 bis 2014.

        Altersspezifische Normen (WP, IQ-Werte, PR; 16 Altersgruppen): bis zum Alter von 6;0 Jahren in Dreimonatsintervallen, ab einem Alter von 6;0 Jahren in Viermonatsintervallen, ab einem Alter von 15;0 Jahren in Sechsmonatsintervallen.

    • 3.3 Repräsentativität der Normen

      Repräsentativität der Normen eingeschränkt

      • n = 1.745 Kinder und Jugendliche aus dem deutschsprachigen Raum (Deutschland: 1.439 , Österreich: 200, Schweiz: 106); dabei mangelnde Repräsentation von Österreich und Schweiz. Keine Tests zur Vergleichbarkeit der Länder.

        Gleichmäßige Geschlechter- und Altersverteilung. Geschlechterunabhängigkeit für Alterstufen 3 - 6 Jahre vorhanden; in Altersstufen 7 - 18 Jahre schneiden Jungen bei der Skala Simultan, der Skala Wissen sowie dem Fluid-Kristallin-Index signifikant besser ab (keine genauen Angaben zur Größe des Effekts).

        Keine Repräsentativität in Bezug auf Verteilung nach Region, Wohnortgröße, Bildungsabschluss der Eltern oder Migrationshintergrund gegeben (Kinder mit Migrationshintergrund überrepäsentiert).

        Kinder bzw. Jugendliche mit Migrationshintergrund erzielen in Altersstufen 3 - 6 Jahre vereinzelt (v. a. Skalen Sequentiell und Wissen), in Altersstufen 7 - 18 Jahre durchgängig schlechtere Ergebnisse.

  • 4. Objektivität

    • 4.1 Vorbemerkungen

      Die KABC-II ist ein komplexes und aufwändiges Verfahren, so dass die Objektivität in besonderer Weise von der Qualifikation der Testleiterin bzw. des Testleiters abhängt.

      • Anpassungsregeln für Auswahl von Startaufgaben und Aufgabenwiederholungen müssen berücksichtigt werden.

        Befunde bzgl. der Objektivität der Verhaltensbeobachtungen fehlen.

    • 4.2 Durchführungsobjektivität

      Durchführungsobjektivität weitestgehend gegeben

      • Detaillierte und standardisierte Instruktionen vorhanden.

        Hinweis darauf, dass Nachfragen bei unklaren verbalen Antworten möglich sind (liegt im Ermessen der/des Testleitenden).

        Abweichungen von der vorgesehenen Testdurchführung möglich (Anpassungsregeln).

    • 4.3 Auswertungsobjektivität

      Auswertungsobjektivität gegeben

      • Detaillierte Auswertungshinweise (inklusive Auswertungsbeispielen) vorhanden. Computerunterstütztes Auswertungsprogramm vorhanden.

    • 4.4 Interpretationsobjektivität

      Interpretationsobjektivität weitestgehend gegeben

      • Normwerte und detaillierte Interpretationshinweise (inklusive Fallbeispiele) vorhanden.

        Profilinterpretationen: Angabe kritischer Differenzen für die Skalen und für Abweichungen der individuellen Subtestergebnisse vom Skalenmittelwert zur Analyse individueller Stärken und Schwächen vorhanden.

  • 5. Reliabilität

    • 5.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 5.2 Paralleltest-Reliabilität

      Entfällt (Kein Paralleltest vorhanden)

    • 5.3 Testhalbierungsreliabilität

      Testhalbierungsreliabilität gegeben

      • Ermittelt an Normierungsstichprobe.

        Insgesamt gute bis sehr gute Werte: Für die fünf Skalen liegen die Testhalbierungsreliabilitäten zwischen .84 und .96, für den intellektuellen Verarbeitungsindex zwischen .94 und .98, für den Fluid-Kristallin-Index zwischen .96 und .98 und für die sprachfreie Skala zwischen .90 und .96.

    • 5.4 Retest-Reliabilität

      Angaben zur Retest-Reliabilität fehlen

    • 5.5 Interne Konsistenz

      Angaben zur internen Konsistenz fehlen

    • 5.6 Profilreliabilität

      Angaben zur Profilreliabilität fehlen

  • 6. Validität

    • 6.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 6.2 Konstruktvalidität

      Konstruktvalidität eingeschränkt gegeben

      • Kinder der Normierungsstichprobe ab 4 Jahren.

        Konfirmatorische Faktorenanalyse stützt Vier-Faktoren-Lösung (Sequentiell/Kurzzeitgedächtnis, simultan/visuelle Verarbeitung, Lernen/Langzeitspeicher, Wissen/kristalline Fähigkeiten) für alle Subtests sowie die Kerntests für 4-6 jährige Kinder.

        Konfirmatorische Faktorenanalyse stützt Fünf-Faktoren-Lösung (entsprechend der fünf Skalen) für alle Subtests sowie die Kerntests für Kinder und Jugendliche ab 7 Jahren; Modellanpassung z. T. jedoch nur mäßig bis schlecht (RMSEA >.08, CFI < .95).

        Subtests einer Skala korrelieren untereinander und mit der Skala überwiegend höher als mit den anderen Skalen (mit Ausnahme der Subtests Handbewegungen und Geschichten ergänzen).

    • 6.3 Kriteriumsvalidität

      Kriteriumsvalidität eingeschränkt gegeben

      • Keine Angaben für Zusammenhänge mit Außenkriterien.

        Zusammenhänge mit anderen Testverfahren mit kleinen Stichproben geprüft (jeweils n = 30; Auswertung unter Kontrolle von Geschlecht und Bildungsgrad).

        Zusammenhänge mit anderen Intelligenztests:

        K-ABC (dt. Bearbeitung von Melchers & Preuß, 2009): 8;0 - 11;0 Jahre, größtenteils mittlere Korrelationen der Skalen der KABC-II mit den Skalen der K-ABC (.37 - .85); mittlere bis hohe Korrelationen der nahezu unveränderten Untertests und Skalen (.65 - .75)

        WISC-IV (Petermann & Petermann, 2011): 12;0 - 14;0 Jahre, größtenteils niedrige bis mittlere Korrelationen der Skalen der KABC-II mit denen des WISC-IV (.07 - .88); hohe Korrelationen der Gesamtskalen von KABC-II und WISC-IV (.75 - .88).

        K-TIM (Melchers, Schürmann & Scholten, 2006): 16;0 - 18;0 Jahre, hohe Korrelationen der Gesamtskalen der KABC-II und des K-TIM (.86 - .92).

        IDS (Grob, Meyer & Hagemann-von Arx, 2009): 6;0 - 8;0 Jahre, mittlere Korrelation der Gesamtskalen der KABC-II und der IDS (.66).

        WPSSI-III (Petermann, Ricken, Fritz, Schuck & Preuß, 2014): 4;0 - 5;0 Jahre, mittlere bis hohe Korrelationen der Gesamtskalen der KABC-II und des WPSSI-III (.58 - .72).

        Zusammenhänge mit einem Konzentrationstest:

        Kaseler Konzentrationsaufgaben für 3- bis 8-jährige (KKA; Krampen, 2007): niedrige Korrelationen der Skalen und Gesamtskalen der KABC-II mit dem Gesamtwert der KKA (.01 - .60).

    • 6.4 Prognostische Validität

      Angaben zur prognostischen Validität fehlen

  • 7. Ökonomie

    • 7.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 7.2 Durchführungsökonomie

      Durchführung ökonomisch

      • Bearbeitungsdauer nach Luria-Modell liegt zwischen 25 und 60 Minuten, nach CHC-Modell zwischen 30 und 75 Minuten; Bearbeitungsdauer aller Subtests 90 - 100 Minuten.

    • 7.3 Auswertungsökonomie

      Auswertung ökonomisch

      • Keine Angaben zur Auswertungsdauer. Computergestütztes Auswertungsprogramm vorhanden (Einzelplatzversion im Gesamtsatz enthalten).

  • 8. Weiterführende Informationen

    • 8.1 Vorgängerversion

      • Vorgängerversion Kaufman, A. S. & Kaufman N. L. (Dt. Bearbeitung von P. Melchers und U. Preuß) (2009). K-ABC: Kaufman – Assessment Battery for Children (8., unveränderte Auflage). Frankfurt: Pearson.

    • 8.2 Literaturangaben

      • Carroll, J. B. (1997). The three-stratum theory of cognitive abilities. In D. P. Flanagan, J. L. Genshaft & P. L. Harrison (Hrsg.), Contemporary intellectual assessment: Theories, tests and issues (pp. 122-130). New York: Guilford Press.

        Grob, A., Meyer, C. S. & Hagmann-von Arx, P. (2009). Intelligence and Development Scales (IDS). Intelligenz- und Entwicklungsskalen für Kinder von 5-10 Jahren. Bern: Huber.

        Melchers, P., Schurmann, S. & Scholten, S. (2006). K-TIM. Kaufman-Test zur Intelligenzmessung für Jugendliche und Erwachsene. Leiden: PITS.

        Paivio, A. (1976). Concerning dual-coding and simultaneous-successive processing. Canadian Psychological Review, 17, 69-71.

        Paivio, A. (1986). Mental representations: A dual-coding approach. New York: Oxford University Press.

        Petermann, F. & Petermann, U. (Hrsg.) (2011). Wechsler Intelligence Scale for Children - Fourth Edition. Manual 1: Grundlagen, Testauswertung und Interpretation. Übersetzung und Adaptation der WISC-IV von David Wechsler. Frankfurt a. M.: Pearson.

        Petermann, F., Ricken, G., Fritz, A., Schuck, K.-D. & Preuß, U. (Hrsg.) (2014). Wechsler Preschool and Primary Scale – Third edition. Deutschsprachige Adaption nach D. Wechsler (3. überarbeitete und erweiterte Aufl.). Frankfurt a. M.: Pearson Assessment.

        Preusche, I. & Leiss, U. (2003). Intelligenztests für Kinder. HAWIK-III, AID 2 und K-ABC im Vergleich. Report Psychologie, 28, 12-26.

        Rollett, B. & Preckel, F. (2011). TBS-TK Rezension: K-ABC: Kaufman – Assessment Battery for Children. Psychologische Rundschau, 63, 139–141.

        Tewes, U. (Hrsg.) (2000). Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Kinder- Revision (HAWIK-R) – Handbuch und Testanweisung. Bern: Huber.