PSB-R 6-13 – Prüfsystem für Schul- und Bildungsberatung für 6. bis 13. Klassen – revidierte Fassung

Altersbereich: 6. bis 13. Klasse (ca. 11 bis 19 Jahre)

Test-Typ: Einzel- und Gruppentest

Jahr: 2004

  • 1. Beschreibung

    • 1.1 Zielsetzung und Grundlagen

      Das PSB-R 6-13 ist ein mehrdimensionaler Intelligenztest zur Erfassung von Struktur und Niveau der Intelligenz von Schüler/innen der 6.-13. Klasse, der insbesondere in der Schulberatung (Schulwegentscheidung) und zur Erarbeitung individueller Fördermaßnahmen bei erkannten Schwächen eingesetzt werden kann.

      • Das PSB-R 6-13 basiert auf dem Primärfaktoren-Modell von Thurstone (1938), das sieben, klar voneinander unterscheidbare Intelligenzfaktoren umfasst (verbales Verständnis, Wortflüssigkeit, numerisches, räumliches und schlussfolgerndes Denken, Gedächtnisfähigkeit, Wahrnehmungs- und Auffassungsgeschwindigkeit). Neben den Primärfaktoren erfasst der PSB-R 6-13 auch einen übergeordneten Faktor der allgemeinen Intelligenz, der weitestgehend Spearmans Generalfaktor g (Spearman, 1904) entspricht.

    • 1.2 Aufbau

        1. Das PSB-R 6-13 ist ein Papier-Bleistift-Test.
        2. 9 Subtests (Allgemeinwissen, Schlussfolgerndes Denken 1-3, Wortflüssigkeit, Raumvorstellung, Gemeinsamkeiten finden, Zahlenaddition/Konzentration, Zahlenvergleich/Wahrnehmungstempo), die jeweils 4 bis 45 Items umfassen.
        3. Die Subtests lassen sich den Bereichen des verbalen Denkens, des schlussfolgernden Denkens und des konzentrierten Arbeitens zuordnen.
        4. Das Verfahren liegt in 2 Parallelformen vor.

    • 1.3 Quellen

      • Horn, W., Lukesch, H., Mayrhofer, S. & Kormann, A. (2004). PSB-R 6-13. Prüfsystem für Schul- und Bildungsberatung für 6. bis 13. Klassen. Revidierte Fassung. Göttingen: Hogrefe.

  • 2. Anwendung in der Hochbegabungsdiagnostik

    • 2.1 Zusammenfassung

      • Der PSB-R 6-13 ist für die Differenzierung im oberen Leistungsbereich nur bedingt geeignet. Die Itemschwierigkeiten liegen größtenteils im mittleren Bereich (.20 bis .80).

        Für die Erstellung eines Fähigkeitsprofils ist der Test nur eingeschränkt geeignet, da sich die Sieben-Faktoren-Struktur in Faktorenanalysen nicht bestätigt hat.

        Der erreichbare Höchstwert liegt bei IQ=130.

    • 2.2 Eignung als Screening

      Als Screening geeignet

      • Als Gruppentest innerhalb einer Schulstunde anwendbar.

    • 2.3 Eignung zur Profilerstellung

      Fähigkeitsprofil kann erstellt werden

      • Profilanalyse auf Ebene der Subtests und der dreifaktoriellen Auswertung möglich (Verbal-, Reasoning- und Konzentrationsfaktor).

        Keine Angaben von kritischen Differenzen, aber von Vertrauensintervallen für den Subtestvergleich (keine Angaben für die drei Faktoren).

    • 2.4 Eignung für die Schullaufbahnberatung

      Für die Schullaufbahnberatung weitestgehend geeignet

      • Bei Hochbegabten sind Deckeneffekte wahrscheinlich; der PSB-R 6-13 eignet sich eher zur Schullaufbahnberatung und Erarbeitung individueller Fördermaßnahmen bei erkannten Schwächen (Wolff, 2004).

    • 2.5 Eignung für Selektionsentscheidungen

      Für Selektionsentscheidungen eingeschränkt geeignet

      • Aufgrund mangelnder Differenzierungskraft im oberen Begabungsbereich durch Deckeneffekte mit Einschränkungen geeignet.

  • 3. Normierung

    • 3.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 3.2 Aktualität der Normen

      Überprüfung/Aktualisierung der Normen erforderlich. Keine Altersnormen.

      • Keine Angaben zum Normierungszeitpunkt; Erscheinungsdatum des Tests legt nahe, dass Normen älter als zehn Jahre sind.

        Jahrgangsnormen (SW, PR) für Jahrgangsstufen 6/7, 8/9, 10/11 und 12/13 und schulartspezifische Normen (Haupt-, Real-/ Wirtschaftsschule, Gymnasium, Fachober-/ Berufsschule), separat für Testform A und B.

        Vorläufige Normen für Erwachsene (ohne Altersunterteilung), separat für Testform A und B.

        Korrekturwerte für Schüler/innen mit nicht-deutscher Muttersprache.

    • 3.3 Repräsentativität der Normen

      Repräsentativität der Normen eingeschränkt

      • n = 7.373 (Form A: n = 3.765, Form B: n = 3.608), BY, 6.-13. Jahrgangsstufe, verschiedene Schularten (Haupt-, Realschule, Gymnasium, Berufsschule, Wirtschaftsschule, Fachoberschule), Ausschluss einer Schulklasse sowie von Schüler/innen nicht-deutscher Muttersprache aufgrund signifikanter Leistungsunterschiede zugunsten deutscher Muttersprachler/innen (Berechnung entsprechender Korrekturwerte).

        Eingeschränkte Repräsentativität der Stichprobe für andere Bundesländer als BY.

        n = 1.450 Erwachsene (Personen ≥ 18 Jahre aus der Normierungsstichprobe; Form A: n = 668, Alter 18;0-49;6 Jahre, MW = 19;9 Jahre und Form B: n = 646, 18;0-57;8 Jahre; MW = 19;8 Jahre)

        Repräsentativität der Erwachsenenstichprobe nicht gegeben, da nur erwachsene Schüler/innen untersucht wurden.

  • 4. Objektivität

    • 4.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 4.2 Durchführungsobjektivität

      Durchführungsobjektivität gegeben

      • Standardisierte mündliche Instruktionen und Durchführungshinweise vorhanden.

    • 4.3 Auswertungsobjektivität

      Auswertungsobjektivität gegeben

      • Genaue Auswertungshinweise und Auswertungsschablonen vorhanden.

    • 4.4 Interpretationsobjektivität

      Interpretationsobjektivität gegeben

      • Normtabellen und zusätzliche Interpretationshinweise (inkl. Fallbeispiele) vorhanden.

        Zusätzliche Hinweise zur Interpretation der erfassten Faktoren und der korrelativen Zusammenhänge mit Schulleistungen.

  • 5. Reliabilität

    • 5.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 5.2 Paralleltest-Reliabilität

      Angaben zur Paralleltestreliabilität fehlen

      • n = 207-7.373, Itemanalyse- und Normierungsstichproben (Frohnholzer, 2001); Entscheidung für eine testformspezifische Normierung, da sich für einige Subtests (insbesondere schlussfolgerndes Denken) signifikante Unterschiede zwischen Form A und B zeigten.

    • 5.3 Testhalbierungsreliabilität

      Angaben zur Testhalbierungsreliabilität fehlen

    • 5.4 Retest-Reliabilität

      Angaben zur Beurteilung der Retest-Reliabilität nicht ausreichend

      • n = 410 (n = 204, Form A; n = 206, Form B) aus verschiedenen Zügen von Hauptschulen, Wirtschaftsschulen und Gymnasien; bei einem Test-Retest-Intervall von vier Wochen ausreichende bis befriedigende Stabilität der Speedtests (Subtests 8 und 9; .65-.72), keine Angaben zu den Power-Tests (Subtests 1-7).

    • 5.5 Interne Konsistenz

      Interne Konsistenz weitestgehend gegeben

      • n = 410 (n = 204, Form A; n = 206, Form B) aus Hauptschulen, Wirtschaftsschulen und Gymnasien; befriedigende bis sehr gute interne Konsistenzen der Subtests (.72-.94), sehr gute interne Konsistenzen der beiden Testformen A und B (.93, .94).

    • 5.6 Profilreliabilität

      Profilreliabilität gegeben

      • n = 410 (n = 204, Form A; n = 206, Form B) aus Hauptschulen, Wirtschaftsschulen und Gymnasien; ausreichende Profilreliabilität der Subtests für Testform A (.52) bzw. Testform B (.54).

  • 6. Validität

    • 6.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 6.2 Konstruktvalidität

      Konstruktvalidität eingeschränkt gegeben

      • Der PSB-R 6-13 deckt nur einen Teil der Primärfaktoren nach Thurstone (1938) ab; Faktorenanalysen ergeben eine Drei-Faktoren-Lösung: (1) Verbalfaktor (Subtests 1, 5, 7), (2) Reasoningfaktor (Subtests 2, 3, 4, 6) und (3) Konzentrationsfaktor (Subtests 8 und 9); die Drei-Faktoren-Lösung schließt einen übergeordneten Faktor der allgemeinen Intelligenz nicht aus.

    • 6.3 Kriteriumsvalidität

      Kriteriumsvalidität weitestgehend gegeben

      • Das PSB bildet die verschiedenen Begabungsprofile bzw. Leistungsunterschiede von Hauptschüler/innen verschiedener Schulzüge zuverlässig ab, Stichprobe 1: Hauptschüler/innen der 7. und 8. Klassen im Regelzug (n = 106 bzw. 78) und Mittlerer-Reife-Zug (n = 18 bzw. 33) der Normierungsstichprobe, Stichprobe 2: Untersuchung von Frohnholzer (2001) mit Hauptschüler/innen im Regelzug (n = 132), Praxiszug (n = 19) und Mittlerer-Reife-Zug (n = 56);

        Zusammenhänge mit anderen Intelligenztests

        CFT-20 (Weiß, 1987): n = 110 Gymnasiast/innen der 9. und 10. Schulstufe; erwartungsgemäß mittlere Zusammenhänge der Gesamtwerte (Form A: .41; Form B: .31), höchste Korrelationen zwischen dem CFT-20-Gesamtwert und dem Reasoningfaktor (Form A: .51; Form B: .34).

        Zusammenhänge mit Leistungstests

        KLT-R (Düker, Lienert, Lukesch, & Mayrhofer,, 2001):

        n = 93 Gymnasiast/innen, Stufe 9 und 10 aus Normierungsstichprobe (Burgstaller, 2003); mittlere Zusammenhänge von Gesamtwert und Anzahl richtiger Lösungen (.43 beide Testformen) bzw. Gesamtleistungsmenge (Form A: .42; Form B: .40) im KLT-R, keine signifikante Korrelation zum Reasoningfaktor; mittlere Zusammenhänge von Konzentrationsfaktor und Anzahl richtiger Lösungen (.53 beide Testformen) bzw. Gesamtleistungsmenge (Form A: .56; Form B: .52) im KLT-R.

        n = 60 Hauptschüler/innen, Stufe 7 und 8 aus Normierungsstichprobe (Moser, 2003; nur Form A); mittlere Korrelation von Konzentrationsfaktor (.43) und Gesamtwert (.51) mit Anzahl richtiger Lösungen im KLT-R.

        Zusammenhänge mit Schulnoten

        n = 207 Hauptschüler/innen, Klasse 7, Normierungsstichprobe (Frohnholzer, 2001); mittlere Zusammenhänge von Gesamtwert und Noten in Deutsch (.32), Mathematik (.37), PCB (Notensumme aus Physik, Chemie und Biologie) (.18) und GSE (Notensumme aus Geschichte, Sozialkunde und Erdkunde) (23).

        n = 61 Hauptschüler/innen, Stufe 7/8, Normierungsstichprobe (Moser, 2003); mittlerer Zusammenhang von Gesamtwert mit Noten in Deutsch (.28), nicht jedoch in Englisch (.13) oder Mathematik (.06).

        Hauptschüler/innen aus Normierungsstichprobe, Stufe 6/7/8/9 (n = 43/63/57/45); mittlere Zusammenhänge von Gesamtwert mit Noten in Deutsch (.37-.52), Englisch (.32-.49) und Mathematik (.39-.62) für Stufen 6-8, nicht aber für Stufe 9 (hier nur Zusammenhänge mit Englisch, .31-.55); inkonsistente Befunde für Zusammenhang von Subtests mit Noten.

        n = 122 Gymnasiast/innen, Stufe 9/10, Normierungsstichprobe (Burgstaller, 2003); mittlere Zusammenhänge von Gesamtwert mit Noten in Deutsch (Form B: .32; Form A nicht sign.), 1. Fremdsprache (Form A: .19; Form B: .26), Mathematik (Form A: .28; Form B: .35); inkonsistente Befunde für Zusammenhang von Subtests oder Faktoren mit Noten.

    • 6.4 Prognostische Validität

      Angaben zur prognostischen Validität fehlen

  • 7. Ökonomie

    • 7.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 7.2 Durchführungsökonomie

      Durchführung ökonomisch

      • Reine Testzeit: 37 Min., inkl. Instruktionen 45 Min.

    • 7.3 Auswertungsökonomie

      Auswertung ökonomisch

      • Ca. 5-10 Min.

  • 8. Weiterführende Informationen

    • 8.1 Vorgängerversion

      • Horn, W. (1969). Prüfsystem für Schul‐ und Bildungsberatung P‐S‐B. Göttingen: Hogrefe.

    • 8.2 Literaturangaben

      • Burgstaller, S. (2003). Validierungsuntersuchung zum PSB-R 6-13. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Universität Regensburg.

        Düker, H., Lienert, G.A., Lukesch, H. & Mayrhofer, S. (2001). KLT-R. Konzentrations-Leistungs-Test - Revidierte Fassung. Göttingen: Hogrefe.

        Frohnholzer, F. (2001). PSB-R 6-13. Untersuchung an der Hauptschule. Unveröffentlichte Zulassungsarbeit, Universität Regensburg.

        Moser, A. (2003). Validierungsuntersuchung zum PSB-R 6-13. Unveröffentlichte Zulassungsarbeit, Universität Regensburg.

        Spearman, C. (1904). ‘General intelligence’ objectively determined and measured. American Journal of Psychology, 15, 201–293.

        Thurstone, L.L. (1938). Primary mental abilities. Chicago: Psychometric Monographs, No. 1.

        Weiß, R.H. (1987). Grundintelligenztest Skala 2 – CFT 20 (4. Aufl.). Göttingen: Hogrefe.

        Wolff, J. (2004). Prüfsystem für Schul- und Bildungsberatung für 6. bis 13. Klassen - revidierte Fassung (PSYNDEX Tests Review).In Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) (Hrsg.), Elektronisches Testarchiv. Online im Internet, URL www.zpid.de (Stand: 28.02.2015).