Raven’s 2 – Raven’s Progressive Matrices 2 – Clinical Edition

Altersbereich: 4;0 bis 69;11 Jahre

Test-Typ: Einzel- und Gruppentest

Jahr: 2019

  • 1. Beschreibung

    • 1.1 Zielsetzung und Grundlagen

      Die Raven’s 2 erfassen die allgemeine kognitive Fähigkeit im Alter von 4 bis 69 Jahren anhand von nonverbalen Matrizenaufgaben.

      • Die Raven’s 2 erfassen die edukative Fähigkeit (Raven et al., 1998a). Diese stellt eine Komponente von Spearman’s (1904) g-Faktor dar und bildet die allgemeine kognitive Fähigkeit ab.

    • 1.2 Aufbau

        1. Die Raven’s 2 bestehen ausschließlich aus nonverbalen Matrizenaufgaben, die in 3 (für 4;0 – 8;11 Jahre) bzw. 4 Abschnitte (ab 9 Jahren) unterteilt sind.
        2. Es gibt eine Papier- und zwei digitale Testformen mit unterschiedlicher Itemanzahl und Zeitbegrenzung:
          1. Papierform (für 4;0 – 8;11 Jahre: i = 36 Items unter 30-minütiger Zeitbegrenzung; ab 9 Jahren: i = 48 Items unter 45-minütiger Zeitbegrenzung)
          2. Digitale Langform (für 4;0 – 8;11 Jahre: i = 36 Items unter 30-minütiger Zeitbegrenzung; ab 9 Jahren: i = 48 Items unter 45-minütiger Zeitbegrenzung)
          3. Digitale Kurzform (i = 24 Items unter 20-minütiger Zeitbegrenzung)
        3. Für die digitale Lang- und Kurzform werden die Testitems aus einer Itembank (i = 329 Items) automatisiert ausgewählt und jeweils zu einem individuellen Testset konfiguriert.
        4. Testungen mit digitalen Formen der Raven’s 2 können als parallel bezeichnet werden.
    • 1.3 Quellen

      • NCS Pearson, Inc. (2019). Deutsche Fassung der Raven’s Progressive Matrices 2 – Clinical Edition. Pearson Deutschland.

  • 2. Anwendung in der Hochbegabungsdiagnostik

    • 2.1 Zusammenfassung

      • Personen mit Hochbegabung sind in der europäischen (n = 174) wie in der US-Normstichprobe der Raven’s 2 (n = 64) enthalten. Für diese Personengruppe wurden separate Reliabilitäts- (Split-Half Reliabilität für Hochbegabte: r = .90, jeweils für die Papier- sowie beide digitale Testformen) und differenzielle Validitätsanalysen durchgeführt. Die Normwertverteilung für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren lässt keine Deckeneffekte vermuten. Zur Bearbeitung intellektueller Hochbegabungsfragestellungen sollten die eindimensionalen Raven’s 2-Ergebnisse immer durch mehrdimensionale Intelligenztestergebnisse ergänzt werden.

    • 2.2 Eignung als Screening

      Als Screening geeignet

      • Ökonomische Gruppentestung möglich (je nach Testform 20-45 min).

    • 2.3 Eignung zur Profilerstellung

      Fähigkeitsprofil nicht möglich

      • Gesamtwert basiert ausschließlich auf nonverbalem Testmaterial. Aufgrund der Eindimensionalität des Verfahrens können keine differenzierten Fähigkeitsprofile erstellt werden.

    • 2.4 Eignung für die Schullaufbahnberatung

      Für die Schullaufbahnberatung eingeschränkt geeignet

      • Nur in Kombination mit zusätzlichen Merkmalen mit hoher prädiktiver Validität im schulischen Bereich (z.B. mathematische oder verbale Fähigkeiten) geeignet.

        Prognostische / konkurrente Validitätsbelege für Schulleistungen fehlen.

        Kein Fähigkeitsprofil möglich.

    • 2.5 Eignung für Selektionsentscheidungen

      Für Selektionsentscheidungen eingeschränkt geeignet

      • Nur in Kombination mit zusätzlichen mehrdimensionalen Intelligenztestungen sowie nicht-fähigkeitsbezogenen Merkmalen (z.B. Leistungsmotivation, Schulleistungen) geeignet.

        Reliabilität für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren vor allem in Papierform eingeschränkt (teilw. Rel < .80).

        Prognostische / konkurrente Validitätsbelege für Schulleistungen fehlen.

  • 3. Normierung

    • 3.1 Vorbemerkungen

      Europäische Gesamtnormen (n = 1.200) sowie per Quotenplan stratifizierte Teilnormstichproben einzelner Regionen liegen vor (Deutschland, Frankreich, Niederlande, Skandinavien, Großbritannien, Spanien, jeweils n = 200). Mittlere Unterschiede in den IQ-Werten der Teilnormstichproben im Vergleich zur Gesamtnormstichprobe fallen gering aus (.08 ≤ |d| ≤ .19).

    • 3.2 Aktualität der Normen

      Aktualität der Normen gegeben

      • Normierungszeitraum: Mai 2018 – Juli 2019.

        US-Normierung: n = 2.275; Normierungszeitraum: Dezember 2016 – August 2017.

    • 3.3 Repräsentativität der Normen

      Repräsentativität der Normen weitestgehend gegeben

      • Altersgruppennormen liegen vor für 4;0 bis 16;11- (in 1-Jahres-Schritten), 17;0 bis 19;11-, 20;0 bis 24;11-, 25;0 bis 29;11-, 30;0 bis 34;11-, 35;0 bis 44;11-, 45;0 – 54;11-, 55;0 – 64;11- und 65;0 – 69;11-Jährige.

        Die Altersgruppen der Kinder und Jugendlichen bis 18 Jahren in der deutschen Normstichprobe sind bzgl. des Bildungshintergrundes repräsentativ. Ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis ergibt sich für die meisten Altersgruppen im Kinder- und Jugendalter. Ausnahmen bilden die Gruppen der 11- (75% männlich), 13- (62.5% weiblich), 14- (62.5% weiblich), 16- (75% weiblich), und 17-19-Jährigen (62.5% männlich). Weitere Stratifizierungsmerkmale der deutschen Normstichprobe waren die regionale Verteilung (Nord, Süd, West, Ost) sowie ein Migrationsanteil von 30%. Für die deutsche Teilnormstichprobe (n = 200) ergaben sich im Vergleich mit der europäischen Gesamtnormstichprobe (n = 1.200) geringfügig niedrigere IQ-Werte (d = -.10).

  • 4. Objektivität

    • 4.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 4.2 Durchführungsobjektivität

      Durchführungsobjektivität gegeben

      • Standardisierte Durchführungshinweise für die Papier- sowie für die digitalen Testformen, inklusive wörtlicher Instruktionen.

        Die Zeitmessung sowie die Einhaltung der Testzeitbegrenzung obliegt (auch in den digitalen Testformen) dem Testleiter.

    • 4.3 Auswertungsobjektivität

      Auswertungsobjektivität gegeben

      • Für die Papierform gibt es eine Auswertungsschablone.

        Die Auswertung der Computerversion erfolgt automatisch.

    • 4.4 Interpretationsobjektivität

      Interpretationsobjektivität weitestgehend gegeben

      • Altersgestaffelte Normtabellen sowie Interpretationshinweise für alle im Zuge der Testung ermittelten Testwerte.

        Eine leichte Einschränkung stellt die qualitative Beschreibung der IQ-Werte (weit unterdurchschnittlich – weit überdurchschnittlich) dar, die auf Basis der Normwerte selbst, anstatt auf Basis von Konfidenzintervallen, erfolgt.

        Für die digitalen Testformen können automatisch Berichte generiert werden.

  • 5. Reliabilität

    • 5.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise.

    • 5.2 Paralleltest-Reliabilität

      Paralleltest-Reliabilität gegeben

      • Für die digitalen Testformen werden individuell einzigartige, parallele Testsets auf Basis einer IRT-basierten Itembank (i = 329) konfiguriert. Dasselbe Itemset vorausgesetzt, korrelieren die Ergebnisse der Papier- und die der digitalen Version zu .97.

        Zur Papierform existiert kein (Papier-)Paralleltest.

    • 5.3 Testhalbierungsreliabilität

      Testhalbierungsreliabilität weitestgehend gegeben

      • Papierform: auf Basis der europäischen Normstichprobe, je nach Altersgruppe, zwischen .75 und .93 (Rel < .85 für 5-, 7-, 10- und 14-Jährige; Rel < .80 für 4- und 8-Jährige).

        Digitale Testformen: auf Basis der US-Normstichprobe Werte zwischen .85 und .90 (Langform) bzw. zwischen .79 und .81 (Kurzform).

    • 5.4 Retest-Reliabilität

      Retest-Reliabilität eingeschränkt gegeben

      • Auf Basis der europäischen Normstichprobe, in den Niederlanden (rtt = .89, n = 29, Retest-Intervall: M = 31.6 Tage) und in Spanien (rtt = .82, n = 101, Retest-Intervall: M = 19.6 Tage) erfasst. Einschränkungen ergeben sich aufgrund der geringen Stichprobenumfänge und der kurzen Retest-Intervalle. Gesamteuropäische Stabilitätsstudien fehlen.

        Auf Basis der US-Normstichprobe (n = 239), ergeben sich Werte von rtt = .86 (Papierform), rtt = .87 (Digitale Langform) und rtt = .82 (Digitale Kurzform). Eine Einschränkung stellt das kurze Retest-Intervall (M = 36 Tage) dar.

    • 5.5 Interne Konsistenz

      Angaben zur Beurteilung der internen Konsistenz fehlen

    • 5.6 Profilreliabilität

      Profilreliabilität entfällt (keine Profilerstellung möglich)

  • 6. Validität

    • 6.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 6.2 Konstruktvalidität

      Angaben zur Beurteilung der Konstruktvalidität nicht ausreichend

      • Wichtige Angaben zur Beurteilung der Konstruktvalidität fehlen. Angaben zur konvergenten Validität der Raven’s 2 (Papierform: .74 bis .76; Digitale Langform: .74 ≤ r ≤ .78; Digitale Kurzform: .71 ≤ r ≤ .78) beschränken sich auf Korrelationen mit den Vorgängerverfahren CPM (Raven, 1947), SPM (Raven, 1938) und APM (Raven, 1962). Keine Angaben zur diskriminanten Validität in der deutschen Manualfassung.

    • 6.3 Kriteriumsvalidität

      Angaben zur Beurteilung der Kriteriumsvalidität nicht ausreichend

      • Keine Angaben zur konkurrenten oder prognostischen Kriteriumsvalidität der Raven’s 2 in Form von Korrelationen mit geeigneten Außenkriterien (z.B. Schulerfolg).

        Differenzielle Validität:

        Angaben für spezifische Zielpopulationen (Hochbegabung / intellektuelle Beeinträchtigung) basieren auf dem Vergleich gematchter Stichproben aus der jeweiligen Ziel- und einer geeigneten Kontrollpopulation. Für den Hochbegabungsbereich ist die differenzielle Validität der Papierform gegeben (nEG = nKG = 174, MEG = 123.3, MKG = 103.3). Insgesamt 24.7% der Hochbegabten erzielten hierbei IQ-Werte > 130. Einschränkungen ergeben sich aufgrund der geringen Stichprobengrößen (nEG = nKG = 64).

    • 6.4 Prognostische Validität

      Angaben zur prognostischen Validität fehlen

  • 7. Ökonomie

    • 7.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 7.2 Durchführungsökonomie

      Durchführung ökonomisch

      • Aufgrund klarer Zeitbegrenzungen für die Testformen der Raven’s 2 (Digitale Kurzform: 20 min, Digitale Langform: 30 bzw. 45 min, Papierform: 30 bzw. 45 min) beträgt die Durchführungsdauer nicht länger als 45 Minuten.

        Zudem sind Testungen von Gruppen möglich, sowohl mit der Papier- als auch mit den digitalen Testformen.

    • 7.3 Auswertungsökonomie

      Auswertung ökonomisch

      • Die Auswertung der Raven’s 2-Papierform mittels Auswertungsschablone ist in wenigen Minuten möglich. Komplexere Untertests-Auswertungen entfallen aufgrund der Eindimensionalität des Verfahrens.

        Die Auswertung digitaler Testformen erfolgt automatisch (inkl. Berichtlegung).

  • 8. Weiterführende Informationen

    • 8.1 Vorgängerversion

      • Raven, J. C. (1938). Standard Progressive Matrices. Oxford Psychologists Press, Ltd.

        Raven, J. C. (1947). Coloured Progressive Matrices. Western Psychological Services.

        Raven, J. C. (1962). Advanced Progressive Matrices. Lewis.

        Englische Originalversion:

        Raven, J. C., Rust, J., Chan, F., & Zhou, X. (2018). Raven’s Progressive Matrices 2, Clinical Edition (Raven’s 2). NCS Pearson.

    • 8.2 Literaturangaben

      • Kaufman, A. S., & Kaufman, N. L. (2004). Kaufman Brief Intelligence Test (2nd ed.). NCS Pearson.

        Naglieri, J. A. (2016). Naglieri Nonverbal Ability Test (3rd ed.). NCS Pearson.

        NCS Pearson, Inc. (2019). Deutsche Fassung der Raven’s Progressive Matrices 2 – Clinical Edition. Pearson Deutschland.

        Raven, J. C. (1938). Standard Progressive Matrices. Oxford Psychologists Press, Ltd.

        Raven, J. C. (1947). Coloured Progressive Matrices. Western Psychological Services.

        Raven, J. C. (1962). Advanced Progressive Matrices. Lewis.

        Raven, J., Raven, J. C., & Court, J. H. (1998). Raven’s Progressive Matrices and Vocabulary Scales manual, Section 1: General Overview. NCS Pearson.

        Raven, J. C., Rust, J., Chan, F., & Zhou, X. (2018). Raven’s Progressive Matrices 2, Clinical Edition (Raven’s 2). NCS Pearson.

        Spearman, C. (1904). “General Intelligence,” Objectively Determined and Measured. The American Journal of Psychology, 15(2), 201–292. https://doi.org/10.2307/1412107

        Wilkinson, G. S., & Robertson, G. J. (2017). Wide Range Achievement Test (5th ed.). NCS Pearson.