SON-R 6-40 – Snijders-Oomen Non-verbaler Intelligenztest SON-R 6-40 - Revidierte Fassung

Altersbereich: 6 bis 40 Jahre

Test-Typ: Einzeltest

Jahr: 2012

  • 1. Beschreibung

    • 1.1 Zielsetzung und Grundlagen

      Der SON-R 6-40 erfasst sprachfrei die allgemeine Intelligenz bei Kindern ab 6 Jahren, Jugendlichen und Erwachsenen bis 40 Jahren. Daneben eignet sich der Test insbesondere für die Intelligenzdiagnostik bei sprachbeeinträchtigten, entwicklungsverzögerten und schwach begabten Personen.

      • Dem SON-R 6-40 liegt kein explizites Intelligenzmodell zugrunde. Mit dem Test wird vorrangig die fluide Intelligenz als Fähigkeit zum Erkennen von Unterschieden, Beziehungen und zum schlussfolgernden Denken gemessen. Die Tests der SON-Reihe wurden ursprünglich zur Intelligenztestung gehörloser Kindern entwickelt (erste Ausgabe: Snijders-Oomen, 1943). Sie sind ausgewiesen für die Untersuchung von Personen mit eingeschränkten kommunikativen Fähigkeiten (z.B. gehörlose Menschen, Personen mit Sprach- und Sprechstörungen), mit eingeschränkten Deutschkenntnissen oder mit bestimmten Verhaltensauffälligkeiten (z.B. mutistische oder autistische Personen).

    • 1.2 Aufbau

        1. Jeweils 2 Subtests zum abstrakten Denken (Analogien, Kategorien) und zum räumlichen Vorstellungsvermögen (Mosaike, Zeichenmuster).
        2. Gesamttestwert (SON-IQ) wird aus allen Subtests berechnet.
        3. Es existiert kein Paralleltest.

    • 1.3 Quellen

      • Tellegen, P.J., Laros, J.A. & Petermann, F. (2012). SON-R 6-40. Non-verbaler Intelligenztest. Göttingen: Hogrefe.

  • 2. Anwendung in der Hochbegabungsdiagnostik

    • 2.1 Zusammenfassung

      • Das Verfahren wurde vorrangig für Personen mit Defiziten im verbalen Bereich und für die Differenzierung im unteren Intelligenzbereich entwickelt.

        Für die Hochbegabungsdiagnostik ist der SON-R 6-40 nur eingeschränkt geeignet. Aufgrund des eingeschränkten Messbereichs (fluide Intelligenz anhand figuralen Materials) sollte er in der Hochbegabungsdiagnostik nur in Kombination mit mehrdimensionalen Testverfahren eingesetzt werden.

        Die Itemschwierigkeiten sind eher zu gering. Deckeneffekte sind ab einem Alter von 14 Jahren nachgewiesen, bei Hochbegabten ist schon früher mit Deckeneffekten zu rechnen.

        Der erreichbare Höchstwert liegt bei IQ=145.

    • 2.2 Eignung als Screening

      Als Screening nicht geeignet

      • Nicht als Gruppentest anwendbar.

    • 2.3 Eignung zur Profilerstellung

      Fähigkeitsprofil nicht möglich

      • Aufgrund des eingeschränkten Messbereichs (fluide Intelligenz mit ausschließlich figuralem Aufgabenmaterial) ist die Erstellung eines Intelligenzprofils nicht möglich.

    • 2.4 Eignung für die Schullaufbahnberatung

      Für die Schullaufbahnberatung eingeschränkt geeignet

      • Aufgrund des eingeschränkten Messbereichs (fluide Intelligenz mit ausschließlich figuralem Aufgabenmaterial) nur in Kombination mit mehrdimensionalen Tests geeignet; insbesondere Ergänzung um Tests verbaler Fähigkeiten als wichtige Prädiktoren für Schulerfolg (Vock, 2008).

    • 2.5 Eignung für Selektionsentscheidungen

      Für Selektionsentscheidungen eingeschränkt geeignet

      • Aufgrund mangelnder Differenzierungskraft im oberen Begabungsbereich durch Deckeneffekte mit Einschränkungen geeignet.

  • 3. Normierung

    • 3.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 3.2 Aktualität der Normen

      Aktualität der Normen gegeben

      • Normierung: 2009 und 2011.

        Kontinuierliches Normierungsmodell: Testleistung als stetige Funktion des Alters, d.h. Werteverteilung wird über alle Altersklassen hinweg als Funktion aus Testwert, Alter und Interaktion von Alter und Wert geschätzt.

        Altersnormen (für die Subtests: SW mit MW = 10, SD = 3; für Gesamttest: IQ-Werte und PR) für 17 Altersgruppen im Bereich von 6 bis 40 Jahren.

        Angabe eines Referenzalters für Subtests und IQ-Wert (Alter, in dem die Hälfte der Personen in der Population schlechter abschneiden als die getestete Person; nur im PC-Auswertungsprogramm).

    • 3.3 Repräsentativität der Normen

      Repräsentativität der Normen gegeben

      • n = 1.933 Kinder und Erwachsene (n = 995 aus D, n = 938 aus NL); da sich die niederländische und deutsche Stichprobe hinsichtlich zentraler Kennwerte nicht unterscheiden, wurde eine kombinierte Stichprobe gebildet.

        Dt. Normierungsstichprobe: n = 995 Personen (50 % weiblich) aus sieben Bundesländern (HB, NI, SN, SL, BY, NRW, RLP), stratifiziert nach Bevölkerungsdichte und Urbanisierungsgrad, 14 % Personen Migrationshintergrund, Geschlecht annähernd gleichverteilt, hinsichtlich Bildungsniveau weitestgehend repräsentativ (gem. Angaben des statistischen Bundesamtes).

  • 4. Objektivität

    • 4.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 4.2 Durchführungsobjektivität

      Durchführungsobjektivität gegeben

      • Standardisierte verbale und nonverbale Instruktion vorhanden (Instruktionen können individuell auf das Sprachvermögen der Testperson eingestellt werden).

        Klare Start- und Testabbruchkriterien.

        Besonderheit: Testperson bekommt nach jedem Item Feedback, im Falle einer falschen Antwort wird das richtige Vorgehen demonstriert.

    • 4.3 Auswertungsobjektivität

      Auswertungsobjektivität gegeben

      • Genaue Auswertungshinweise (inklusive Auswertungsbeispielen) vorhanden.

        Computergestütztes Auswertungsprogramm im Testkoffer enthalten.

        Zusätzlich können Verhaltensbeobachtungen hinsichtlich Motivation, Konzentration, Kooperation und Instruktionsverständnis gemacht werden (Angabe von Beobachtungskriterien fehlt).

    • 4.4 Interpretationsobjektivität

      Interpretationsobjektivität gegeben

      • Normtabellen und ausführliche Interpretationshinweise vorhanden.

  • 5. Reliabilität

    • 5.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 5.2 Paralleltest-Reliabilität

      Paralleltest-Reliabilität entfällt (Kein Paralleltest vorhanden)

    • 5.3 Testhalbierungsreliabilität

      Angaben zur Testhalbierungsreliabilität fehlen

    • 5.4 Retest-Reliabilität

      Retestreliabilität gegeben

      • n = 116 (67 weiblich; n = 59 aus NL, n = 57 aus D), durchschnittliches Alter: 16,7 Jahre; bei einem Test-Retestintervall von durchschnittlich 4,2 Monaten über alle Altersgruppen hinweg akzeptable bis gute Stabilitäten für die Subtests (.72-.84) und hohe Stabilität für Gesamtwert (.90-.92).

    • 5.5 Interne Konsistenz

      Interne Konsistenz gegeben

      • Normierungsstichprobe; interne Konsistenzen der Subtests gut (.85-.89), interne Konsistenz des Gesamtwerts sehr gut (.95).

        Die interne Konsistenz steigt mit zunehmendem Alter an, ab 11 Jahren bleibt sie stabil (bei ca .96).

    • 5.6 Profilreliabilität

      Profilreliabilität entfällt (keine Profilerstellung möglich)

  • 6. Validität

    • 6.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 6.2 Konstruktvalidität

      Konstruktvalidität weitestgehend gegeben

      • Normstichprobe; mittlere Interkorrelationen der Subtests (.48-.67), nehmen mit steigendem Alter zu und sinken im Erwachsenenalter wieder leicht ab; Korrelationen der Subtests mit Gesamttest ebenfalls im mittleren Bereich (part-whole korrigiert .59-.71); explorative Faktorenanalysen weisen einen starken Generalfaktor (SON-IQ) aus.

    • 6.3 Kriteriumsvalidität

      Kriteriumsvalidität gegeben

      • Bedeutsamer Zusammenhang von Testleitereinschätzung zu Motivation, Konzentration, Kooperation und Instruktionsverständnis und Testleistung.

        Zusammenhänge mit anderen Intelligenztests

        WISC-IV (Petermann & Petermann, 2011): n = 35 (40 % Mädchen), Durchschnittsalter 10,5 Jahre, zeitlicher Abstand der Testungen: durchschnittlich 42 Tage; hohe Korrelation der Gesamtwerte der Tests (.77) und von SON-IQ mit Wahrnehmungsgebundenem Logischen Denken (.74), Sprachverständnis (.67) und Arbeitsgedächtnis (.65), mittlere Korrelation mit Verarbeitungsgeschwindigkeit (.43); mittlere Korrelationen der Subtests mit dem WISC-IV IQ (.58-.75).

        WIE (von Aster, Neubauer & Horn, 2006): n = 50 (56 % weiblich), Durchschnittsalter 24,4 Jahre, zeitlicher Abstand der Testungen: durchschnittlich 2 Monate; hohe Korrelation der Gesamtwerte der Tests (.83) und von SON-IQ mit Handlungsteil (.81) und Verbalteil (.73); mittlere bis hohe Korrelationen der Subtests mit WIE-IQ (.52-.71), Handlungsteil (.45-.80) und Verbalteil (.45-.57).

        WNV (Wechsler & Naglieri, 2006): n = 123 Kinder (56 % weiblich), Durchschnittsalter 14,6 Jahre, zeitlicher Abstand der Testungen: 2-4 Wochen; hohe Korrelation der Gesamtwerte der Tests (.77) und von SON-IQ mit Matrizen (.71) und Bilderordnen (.66), mittlere Korrelation mit visuelles Gedächtnis (.56), relativ niedrige Korrelation mit Zahlensymboltest (.34); mittlere bis hohe Korrelationen der Subtests mit WNV Gesamtwert (.60-.70).

        Zusammenhänge mit Schulnoten

        Stichprobe aus NL, weitere Angaben fehlen; mittlerer Zusammenhang von SON-IQ und Mathematiknote (.58 für die Grundschule, n = 182, .36 für die weiterführende Schule, n = 191).

        Zusammenhang mit dem Lehrkraft- und Elternurteil

        3 Studien mit n = 372 (Stichprobe aus NL), n = 348 (keine weiteren Angaben), n = 254 (weiterführende Schule, keine weiteren Angaben); niedrige bis mittlere Zusammenhänge (.20-.53) von SON-IQ und Lehrkraft- bzw. Elternurteil hinsichtlich Intelligenz, Sprachkompetenz, Motivation, Konzentration und Arbeitstempo.

    • 6.4 Prognostische Validität

      Angaben zur prognostischen Validität fehlen

  • 7. Ökonomie

    • 7.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 7.2 Durchführungsökonomie

      Durchführung ökonomisch

      • Dauer insgesamt max. 60 Min.

        (Variation in Abhängigkeit von Alter und Leistungsstand: Je älter und je leistungsstärker die Testperson, desto länger dauert der Test.)

    • 7.3 Auswertungsökonomie

      Auswertung ökonomisch

      • Manuelle Auswertung dauert nur wenige Minuten.

        Computerunterstützte Auswertung max. 5 Min.

  • 8. Weiterführende Informationen

    • 8.1 Vorgängerversion

      • Snijders, J.T., Tellegen, P.J. & Laros, J.A. (2005). Snijders-Oomen Non-Verbaler Intelligenztest SON-R 5 1/2-17 (3. korrigierte Aufl.). Göttingen: Hogrefe.

    • 8.2 Literaturangaben

      • Petermann, F. & Petermann, U. (Hrsg.) (2011). WISC-IV. Grundlagen zum Intelligenztest. Frankfurt a.M.: Pearson.

        Vock, M. (2008). Non-verbaler Intelligenztest (SON-R 2½-7). Dt. Standardisierung von P.J. Tellegen, J.A. Laros & F. Petermann. Unter Mitarbeit von Nina Janke, Norbert Karpinski und Anja Renziehausen (2007) [Testinformation]. Diagnostica, 54, 112-115.

        von Aster, M., Neubauer, A. & Horn, R. (Hrsg.). (2006). Wechsler Intelligenztest für Erwachsene WIE. Deutschsprachige Bearbeitung und Adaptation des WAIS-III von David Wechsler (2., korrigierte Aufl.). Frankfurt a.M.: Pearson Assessment.

        Wechsler, D., & Naglieri, J.A. (2006). Wechsler Nonverbal Scale of Ability. San Antonio, TX: Harcourt Assessment.