SPM (2009) – Raven’s Standard Progressive Matrices (Horn, 2009)

Altersbereich: 10 bis 25 Jahre

Test-Typ: Einzel- und Gruppentest

Jahr: 2009

  • 1. Beschreibung

    • 1.1 Zielsetzung und Grundlagen

      Die SPM dienen der sprachfreien Erfassung der allgemeinen Intelligenz mittels figuralem Aufgabenmaterial (Matrizenaufgaben) bei Personen im Alter zwischen 9 und 25 Jahren (Normen aber erst ab 10 Jahren).

      • Die Raven-Matrizentests wurden zur Erfassung der allgemeinen Intelligenz im Sinne des Intelligenzfaktors „g“ in Spearmans Intelligenzmodell (Spearman, 1904) entwickelt. Erfasst werden soll insbesondere die edukative Komponente des g-Faktors. Diese umfasst die Fähigkeit zur Entwicklung, Ableitung oder zum Herausfiltern neuer Einsichten oder Informationen aus dem, was eine Person wahrnimmt oder bereits weiß und damit letztendlich induktive Fähigkeiten und Denkprozesse (Raven, Raven & Court, 1996).

    • 1.2 Aufbau

        1. 5 Testteile mit je 12 Aufgaben (A bis E) in ansteigender Schwierigkeit.
        2. Testteil A: Musterergänzung, B: Figurenergänzung, C: Progressive Weiterentwicklung einer Grundfigur, D: Erkennung von Prinzipien zur Anordnung und Kombination von Figuren, E: Zerlegung von Figuren in Teilfiguren durch Addition und Subtraktion
        3. Jede Aufgabe besteht aus unvollständigen geometrischen Mustern oder Figuren, die korrekt ergänzt werden sollen.
        4. Es existieren verschiedene Computerversionen (Wiener Testsystem; Schuhfried).
        5. Bei Kindern bis zur 3. Klasse und bei nonverbaler Instruktion sollte der Test möglichst als Einzeltest bzw. in Kleingruppen (max. 5 Kinder) durchgeführt werden.
        6. Es existiert kein Paralleltest.

    • 1.3 Quellen

      • Horn, R. (2009). Raven’s Standard Progressive Matrices. Frankfurt a.M.: Pearson.

  • 2. Anwendung in der Hochbegabungsdiagnostik

    • 2.1 Zusammenfassung

      • Die Prüfung der Normen (fehlende Repräsentativität) bzw. eine Neunormierung sind erforderlich. Die Ergebnisinterpretation muss daher mit Vorsicht erfolgen; insbesondere ist eine Überschätzung von Fähigkeiten wahrscheinlich.

        Aufgrund der Eindimensionalität des Verfahrens und des damit eingeschränkten Messbereichs eignen sich die SPM zur Hochbegabungsdiagnostik nur in Kombination mit mehrdimensionalen Testverfahren.

        Bei überdurchschnittlich begabten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ist mit Deckeneffekten zu rechnen.

        Der erreichbare Höchstwert liegt bei T=80 bzw. IQ=145.

    • 2.2 Eignung als Screening

      Als Screening eingeschränkt geeignet

      • Bis zur dritten Klasse Gruppentestungen max. 5 Kindern; Durchführungsdauer von ca. 60 Min. wird in Kleingruppen vermutlich überschritten.

    • 2.3 Eignung zur Profilerstellung

      Fähigkeitsprofil nicht möglich

      • Aufgrund der Eindimensionalität der SPM ist die Erstellung eines Intelligenzprofils nicht möglich.

    • 2.4 Eignung für die Schullaufbahnberatung

      Für die Schullaufbahnberatung eingeschränkt geeignet

      • Aufgrund des eingeschränkten Messbereichs (fluide Intelligenz mit ausschließlich figuralem Aufgabenmaterial) nur in Kombination mit mehrdimensionalen Tests geeignet; insbesondere Ergänzung um Tests verbaler Fähigkeiten als wichtige Prädiktoren für Schulerfolg (Vock, 2008).

        Bei überdurchschnittlich begabten Kindern mögliche Deckeneffekte beachten.

    • 2.5 Eignung für Selektionsentscheidungen

      Für Selektionsentscheidungen eingeschränkt geeignet

      • Bei überdurchschnittlich begabten Kindern und älteren Testpersonen mögliche Deckeneffekte beachten.

  • 3. Normierung

    • 3.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 3.2 Aktualität der Normen

      Überprüfung/Aktualisierung der Normen erforderlich

      • Normierung: 1998/1999 (Bulheller & Häcker, 1999); in 2009 Ergänzung durch Übernahme von Daten 10-12-Jähriger aus einer britischen Normierung.

        Altersnormen ab 12 Jahren sowie schultypspezifische Bildungsnormen (T-Werte, Umrechnung in IQ-Werte und PR möglich).

    • 3.3 Repräsentativität der Normen

      Normen nicht repräsentativ

      • n = 1.796 Jugendliche und Erwachsene zwischen 13-30 Jahren (Bulheller & Häcker, 1999) und damit keine deutschen Daten für 9- bis 12-Jährige.

        Repräsentativität für Schultypverteilung eingeschränkt (23 % Hauptschule, 46 % Realschule, 30 % Gymnasium).

        Hinzunahme von Daten der 10- bis 12-Jährigen (n = 183) aus einer britischen Normierung (Raven, 2008; Quellenangabe fehlt im Manual).

        Personen über 18 Jahren nur sehr schwach vertreten, Autoren empfehlen hier die Verwendung der Bildungs- und Gesamtnorm und nicht der Altersnorm.

  • 4. Objektivität

    • 4.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 4.2 Durchführungsobjektivität

      Durchführungsobjektivität gegeben

      • Standardisierte verbale und nonverbale Instruktion vorhanden.

        Standardisierte schriftliche Instruktion in der Computerversion.

    • 4.3 Auswertungsobjektivität

      Auswertungsobjektivität gegeben

      • Genaue Auswertungshinweise vorhanden.

        Die Auswertung der Computerversion erfolgt automatisch.

    • 4.4 Interpretationsobjektivität

      Interpretationsobjektivität gegeben

      • Normtabellen und zusätzliche Interpretationshinweise vorhanden.

        Unhandlich, da zwei verschiedene Manuale zu Rate gezogen werden können (vgl. SPM von Heller, Kratzmeier & Lengfelder, 1998).

  • 5. Reliabilität

    • 5.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 5.2 Paralleltest-Reliabilität

      Paralleltest-Reliabilität entfällt (Kein Paralleltest vorhanden)

    • 5.3 Testhalbierungsreliabilität

      Angaben zur Testhalbierungsreliabilität fehlen

    • 5.4 Retest-Reliabilität

      Retest-Reliabilität weitestgehend gegeben

      • n = 105, 7 bis 18 Jahre, 50 % Mädchen, keine weiteren Angaben; bei Testwiederholung nach im Mittel 60 Tagen hohe Stabilität des Gesamtwerts (.83).

    • 5.5 Interne Konsistenz

      Angaben zur internen Konsistenz fehlen

    • 5.6 Profilreliabilität

      Profilreliabilität entfällt (keine Profilerstellung möglich)

  • 6. Validität

    • 6.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 6.2 Konstruktvalidität

      Konstruktvalidität weitestgehend gegeben

      • Faktorenanalysen erbrachten Hinweise auf Mehrfaktoren-Struktur der SPM.

        Eine Vielzahl von Forschungsbefunden stützt die Konstruktvalidität der SPM (Preckel, 2003).

    • 6.3 Kriteriumsvalidität

      Angaben zur Beurteilung der Kriteriumsvalidität nicht ausreichend

      • Berichtete Befunde beziehen sich durchweg auf Untersuchungen mit der Vorgängerversionen.

    • 6.4 Prognostische Validität

      Angaben zur prognostischen Validität fehlen

  • 7. Ökonomie

    • 7.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 7.2 Durchführungsökonomie

      Durchführung ökonomisch

      • Durchführungsdauer max. 45 Min., inklusive Instruktion ca. 60 Min.

        Computerversion: 10 bis 30 Min.

    • 7.3 Auswertungsökonomie

      Auswertung ökonomisch

      • Auswertung dauert nur wenige Minuten.

  • 8. Weiterführende Informationen

    • 8.1 Vorgängerversion

      • Kratzmeier, H. & Horn, R. (1979). Manual Raven Matrizen-Test: Standard Progressive Matrices. Weinheim: Beltz.

    • 8.2 Literaturangaben

      • Bulheller, S. & Häcker, H. (1999). Deutsche Bearbeitung des SPM Manuals von Raven, J.C., Raven, J. Court, J.H. und Normierung des SPM Plus. Frankfurt a.M.: Swets Test Services.

        Heller, K.A., Kratzmeier, H. & Lengfelder, A. (1998). Matrizen-Test-Manual, Band 1. Ein Handbuch mit deutschen Normen zu den Standard Progressive Matrices von J. C. Raven. Göttingen: Beltz.

        Preckel, F. (2003). Diagnostik intellektueller Hochbegabung. Testentwicklung zur Erfassung der fluiden Intelligenz. Göttingen: Hogrefe.Raven, J., Raven, J.C. & Court, J.H. (1996). Manual for Raven’s Progressive Matrices and Vocabulary Scales. Oxford: Oxford Psychologists Press.

        Spearman, C. (1904). ‘General intelligence’ objectively determined and measured. American Journal of Psychology, 15, 201–293.

        Vock, M. (2008). Non-verbaler Intelligenztest (SON-R 2½-7). Dt. Standardisierung von P.J. Tellegen, J.A. Laros & F. Petermann. Unter Mitarbeit von Nina Janke, Norbert Karpinski und Anja Renziehausen (2007) [Testinformation]. Diagnostica, 54, 112-115.