Hochbegabung verstehen

Kita

Welche Herausforderungen können sich beim Erkennen hoher Begabungen im Kita-Alter ergeben?

Um hohe kognitive Begabungen gut erkennen zu können, sind entsprechende Rahmenbedingungen notwendig. Dazu gehört vor allem die professionelle Haltung der pädagogischen Fachkräfte, das Kind unabhängig seines Geschlechts, seiner kulturellen oder sozialen Herkunft in seinen Interessen und Potenzialen wahrzunehmen und es darin bestärken zu wollen.

Von: Lisa Pohlmeier


Begabungen und Potenzialen von Kindern mit Wertschätzung begegnen

Herausforderungen wie z. B. knappe personelle Ressourcen sind Stolpersteine des Alltags. Jedoch sollten sie kein Hindernis darstellen, sich dennoch mit dem Kita-Team, den Eltern und den Kindern auf den Weg zu machen, die schlummernden Begabungen, Potenziale und Interessen der Kinder auf eine wertschätzende Art und Weise entdecken zu wollen, zu stärken und den Fokus der pädagogischen Arbeit darauf auszurichten. Den Kindern zuzuhören und mit ihnen gemeinsam ihre Interessen aufzuspüren und ihnen nachzugehen, sollte Grundhaltung einer jeder pädagogischen Fachkraft sein, damit individuelle Förderung, auch von Kindern mit hoher kognitiver Begabung, gelingen kann.

Zur professionellen Haltung der Fachkräfte gehört zudem das Reflektieren und regelmäßige Hinterfragen der eigenen Haltung insbesondere auch hinsichtlich des sozialen und kulturellen Hintergrundes von Kindern. Dazu gehört das Bewusstsein darüber, dass „Kindern aus bildungsfernen oder einkommensarmen Familien sowie Kinder mit Migrationshintergrund [...] häufig weniger zugetraut [wird]“ und „Mädchen mit hohen Begabungen seltener erkannt [werden] als Jungen“ 1. Ursache und Auslöser für diese Gegebenheiten sind vielseitig und zur Vertiefung nachzulesen in unseren Kita-FAQs.

Dieser Gegebenheit durch entsprechende Maßnahmen entgegenzuwirken, mit den Kindern in einen gemeinsamen Dialog zu treten und ihre individuelle Perspektive zu berücksichtigen, können wichtige Beiträge zur frühen Begabungs- und Begabtenförderung sein.

Philosophische Dialoge holen alle Kinder ab

Wer Kindern Partizipation gewährt und ein besonderes Augenmerk auf ihre Anliegen richtet, wird merken, dass ihre Fragen bereits im Kita-Alter tiefgreifend und philosophisch sein können. Pädagogischen Fachkräften kann bei detaillierten, gedankenreichen Fragen schon mal ad hoc eine Antwort fehlen. Doch gerade diesen philosophischen Fragen nachzugehen, kann zum Gewinn für die gesamte Kindergruppe werden. Jedes Kind kann innerhalb eines solchen dialogischen Austauschs auf seinem individuellen Entwicklungsstand, entsprechend seinen kognitiven Fähigkeiten und seines Vorwissens sich am Philosophieren beteiligen. Kinder mit hohen kognitiven Begabungen, deren Fragen an ihre Umwelt häufig bereits früh sehr anspruchsvoll sein können, können so gemeinsam mit anderen Kindern und pädagogischen Fachkräften, in einen intensiven Gedanken- und Erfahrungsaustausch treten.

Bezugnehmend auf die Ausgangsfrage „Welche Herausforderungen können sich beim Erkennen hoher Begabungen im Kita-Alter ergeben?“ lässt sich zusammenfassen, dass ein konstruktives Reagieren auf eben diese ein guter Ansatz für Lösungen sein kann. Von zentraler Bedeutung ist dabei, die Kinder in ihren Belangen zu beteiligen und nicht zu übergehen. So können sie maßgeblich am erfolgreichen Meistern von Herausforderungen sich kreativ und partizipativ einbringen.

Offene Fragen, um kindliche Perspektive einzubeziehen

Die Kindperspektive in die pädagogische Arbeit einzubeziehen bietet die Chance, mit den Kindern ins Gespräch zu kommen, etwas über ihre Interessen und Themen zu erfahren und die pädagogischen Lernangebote individuell auf sie anzupassen. Das lässt sich u. a. umsetzen, indem Kindern offene Fragen („Was würdest Du gerne machen?“), auch bezüglich methodischen Umsetzungsideen („Wie möchtest Du das machen?“) gestellt werden. Den Anregungen und Wünschen der Kinder sollten die pädagogischen Fachkräfte Aufmerksamkeit schenken, sie sollten sie ernst nehmen, ggf. mit den Kindern gemeinsam bzgl. ihrer Machbarkeit überdenken und schließlich durch die Unterbreitung von entsprechenden Angeboten und Projekten in die Umsetzung bringen. Dabei können die Kinder vielfältige neue Wege in der pädagogischen Arbeit eröffnen. Durch einen aktiven Einbezug der Kinder bietet die individuelle Förderung ein höheres Potenzial direkt an den Bedürfnissen der Kinder anzusetzen und ihre Begabungen in der Entfaltung zu unterstützen.

Zur Vertiefung

Philosophieren mit Kindern