Hochbegabung verstehen

Kita

Wie werden kindorientierte Gespräche gestaltet?

Die Entdeckung kindlicher Begabungen ist auf Interaktion und Kommunikation angewiesen und Kinder sollten in der Entfaltung ihrer Begabungen professionell begleitet und unterstützt werden. Wie dies gelingen kann, wird im nachfolgenden Text dargestellt.

Von: Lisa Pohlmeier


Kommunikation und Haltung

Die Haltung von pädagogischen Fachkräften, Kindern für jedes Anliegen und zu jeder Zeit als Interaktions- und Kommunikationspartner zur Verfügung stehen, ist bedeutend. Denn Kinder sind in ihrer Kommunikation auf Rückversicherung und Unterstützung von Erwachsenen angewiesen. Im Umkehrschluss sind auch die pädagogischen Fachkräfte auf Kommunikation mit den Kindern angewiesen, wenn sie ihrem Auftrag der individuellen Förderung des Kindes folgen. Kommunikation und Interaktion bieten ihnen die Gelegenheit die Perspektive des Kindes möglichst nachzuvollziehen und seine Förderung individuell anzupassen.

Das turbulente Geschehen in der Kindergruppe macht es im Alltag einer Kita manchmal nicht leicht, Gespräche immer qualitativ gut zu gestalten. Pädagogische Fachkräfte versuchen in stressigen Situationen jedem und jeder gerecht zu werden und Aufmerksamkeit zuteilwerden zu lassen. Kommunikation läuft an vielen Stellen parallel und nicht selten werden Kinder gebeten, einen kurzen Moment mit ihrem Bedürfnis oder Anliegen zu warten, weil sich gerade um eine andere Sache gekümmert wird. Verlässlichkeit dem Kind gegenüber ist hierbei der entscheidende Faktor. Nämlich sich dem Kind wieder zuzuwenden und ihm Aufmerksamkeit zu widmen, wenn die Situation es wieder zulässt.

Interaktion zwischen Kindern und Fachkräften

Kinder und pädagogische Fachkräfte bedingen gleichermaßen eine Interaktion und beeinflussen damit den Bildungs- und Erziehungsprozess 2. „Für das Lernen und das Wohlbefinden von Kindern ist es wichtig, dass sie sich angenommen und zugehörig fühlen. […] Kinder müssen Empathie für ihre Bedürfnisse und ein echtes Interesse an ihren Sichtweisen erfahren, damit die emotionalen Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen erfüllt sind“ 3.

Wertschätzende, bedachte, verständliche, liebevolle Worte geben dem Kind zusätzlich Sicherheit, sich äußern zu dürfen und in einer respektvollen Weise angenommen zu werden. Antwortet und berichtet das Kind von seinen Interessen und Themen, die es beschäftigt, braucht der Erwachsene dem Kind lediglich inhaltlich zu folgen und seine Begeisterung, Motivation, sowie Unsicherheiten bei Fragen und Themen wahrzunehmen und richtig einzuordnen. Um den Dialog weiter anzuregen und Lernprozesse des Kindes zu unterstützen, sollten sich die Erwachsenen „mit vorschnellen Erklärungen und Antworten zurückhalten und stattdessen Kinder durch geschicktes Fragen anregen, eigene Antworten auf gestellte Fragen zu finden“ 4. Für Kinder sind die sozialen Kontakte und Interaktionserfahrungen bedeutend, um vertrauensvoll die Umwelt zu erkunden 2 und ihre Begabungen zu entdecken. Zusätzlich kann ein metakommunikativer Austausch zwischen der pädagogischen Fachkraft und dem Kind die Entwicklung unterstützen und das Lernen anregen 1.

Kind und Erwachsene unterhalten sich
Bild: iStock/KatarzynaBialasiewicz

Gespräche mit Kindern professionell führen

Gespräche zwischen Kindern und pädagogischen Fachkräften sollten den gleichen allgemein geltenden Kommunikationsregeln unterliegen, wie Gespräche zwischen Erwachsenen. Regeln, wie beispielsweise gegenseitiges ausreden lassen, Blickkontakt aufbauen und halten, Authentizität und die Berücksichtigung von nonverbalen Signalen sollten Bestandteil von Kommunikationsprozessen sein. Dazu gehört auch, dem Dialogpartner Aufmerksamkeit zu widmen. Kinder sind sehr sensibel und nehmen wahr, wenn das Gegenüber nicht zuhört und sich nebenbei mit etwas anderem beschäftigt. Darin birgt sich die Gefahr, dass Kinder in ihren Anliegen nicht gehört werden oder sich nicht ernst genommen fühlen.

Fachkräfte können „mit der Art und Weise, wie sie Dialoge mit Kindern führen, deren Lernen anregen und unterstützen. Sie können Kinder gezielt zum Nachdenken und zu kritischer Reflexion anregen. Beides unterstützt die Entwicklung kognitiver und metakognitiver Fähigkeiten“ 5. Beispiele für eine lernanregende Interaktion zwischen Fachkraft und Kind (in Anlehnung an König 2, entnommen aus 3).

Gespräch initiierenDie Fachkraft stellt W-Fragen.
Aktives ZuhörenDie Fachkraft wiederholt Aussagen des Kindes oder fragt nach. Sie begleitet das Tun des Kindes durch Benennen, kommentiert.
Dem Kind eine positive Reaktion gebenDie Fachkraft zeigt Interesse am genauen Tun des Kindes, gibt ihm Feedback zu seinem Tun, lobt dabei die Anstrengung des Kindes.
Das Kind zum Vertiefen eines Themas motivierenDie Fachkraft stellt einen Bezug zu einem bekannten Sachverhalt her, lässt sich das Tun des Kindes erklären, fragt nach Gründen, Ursachen oder Ähnlichkeiten zu Bekanntem, ermuntert zur Wiederaufnahme oder Vertiefung einer Tätigkeit/Aktivität.
Den Erfahrungsraum des Kindes erweiternDie Fachkraft erklärt etwas, spricht frühere Erfahrungen oder bereits bekannte/s Techniken/Wissen an, ermutigt das Kind zu neuen Erfahrungen oder einer höheren Schwierigkeitsstufe, gibt auf Nachfrage konstruktive Tipps oder Hinweise oder hilft dem Kind herauszufinden, wie es Probleme lösen kann.

Gehen pädagogische Fachkräfte sensibel und professionell auf Kinder ein, unterstützt dies ihre Selbstwirksamkeit und „trägt so dazu bei, dass sich Kinder als aktiv Handelnde erleben“ 6.

Begabungsentfaltung durch gelingende Interaktion

Kinder bieten den pädagogischen Fachkräften durch Themen, die sie beschäftigen und die sie kommunizieren, Anregungen für die Gestaltung ihrer pädagogischen Angebote und somit konkrete Ansatzpunkte für die individuelle Förderung des Kindes im Sinne seiner Begabungsentwicklung. Indem die Erwachsenen sich auf eine Interaktion auf Augenhöhe mit den Kindern einlassen, nehmen sie diese intensiver in all ihren besonderen Facetten wahr. Sie hören ihre Worte, lauschen ihrem sprachlichen Vermögen, erfahren die Interessen der Kinder und erhalten einen Einblick in ihr Verständnis über die Welt. Das Kind stärkt sein Selbstkonzept und partizipiert an seiner eigenen Begabungsentfaltung. Denn erfahren wir über Worte und Körpersprache etwas über die Innenwelt eines Kindes, können wir dies in der äußeren Umwelt berücksichtigen und das Kind entsprechend fördern.

Neben dem Aspekt der Begabungsförderung kann gelingende Kommunikation zwischen Kindern und pädagogischen Fachkräften Teil der alltagsintegrierten Sprachförderung sein. Selbstsicherheit, Selbstvertrauen und Persönlichkeitsstärkung sowie viele weitere Kompetenzerweiterungen gehen mit der Sprach- und Begabungsförderung des Kindes einher.

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Erfahren wir über Worte und Körpersprache etwas über die Innenwelt eines Kindes, können wir dies in der äußeren Umwelt berücksichtigen und das Kind entsprechend fördern.

Lisa Pohlmeier
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