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Die Kita-Leitung als Architektin des Miteinanders

Die Kita-Leitung als Architektin des Miteinanders

Ein gelungener Start in einer neuen Kita bestimmt oft, wie wohl sich die neue Fachkraft langfristig dort fühlt. Interne Abläufe zu verstehen, Kolleg:innen kennenzulernen und eigene Stärken einbringen zu dürfen sowie mit den Kindern in Beziehung zu treten, braucht eine begleitete Einarbeitung. Erfährt die Fachkraft einen guten, wertschätzenden Einstieg, ist das ein wichtiger Grundstein für eine ressourcenorientierte und begabungsfördernde Haltung in ihrer pädagogischen Arbeit.

Wie gelingt das stärkenorientierte Onboarding von Fachkräften in der Kita?

In der heutigen Zeit, die auch von den Hausforderungen des Fachkräftemangels geprägt ist, stehen Kita-Teams immer wieder vor der Aufgabe, neue Kolleg:innen zu integrieren. Wie gut der Onboarding-Prozess, das systematische Einarbeiten von neuen Mitarbeitenden, gelingt, zeigt sich oft an der Zufriedenheit der neuen Fachkräfte. Die Kita-Leitung nimmt hier eine besondere Rolle ein, sie ist Vorbild und gibt eine/die Richtung vor. Zudem begleitet und strukturiert sie den Onboarding-Prozess. Für eine begabungs- und begabtenfördernde pädagogische Haltung im Team ist ihr wertschätzender, stärkenorientierter Blick wichtig.

Die Aufgabenbereiche der Leitung einer Kita sind komplex. Sie schafft die Strukturen, die eine Kita zum Wohlfühlort für die Kinder, deren Eltern und das Team machen. Diese Rolle bringt eine Vielzahl an Anforderungen mit sich 1:

  • Sie erfüllt alltägliche Aufgaben wie Dienstplanerstellung, das Delegieren von Aufgaben sowie die Kommunikation mit Eltern und den einzelnen Fachkräften.
  • Sie ist mit der pädagogischen Qualität, dem Qualitätsmanagement und der Weiterentwicklung der konzeptionellen Werte der Kita befasst.
  • Sie gestaltet die Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen Träger, Eltern und Team.
  • Sie führt Personalgespräche, reagiert auf Sorgen und Konflikte innerhalb ihres Teams.
  • Sie sorgt für ein gutes Klima in der Organisation und gestaltet dessen Kultur.
  • Sie ist verantwortlich für die Personalgewinnung und Einarbeitung neuer Fachkräfte.

Das Ankommen gestalten

Neben den genannten Punkten ist auch das Onboarding von neuen Mitarbeitenden eine wichtige Leitungsaufgabe. Denn Einstiege sind für neue Fachkräfte Schlüsselsituationen, die den weiteren beruflichen Weg in der Einrichtung beeinflussen. In einer Studie der „Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte“ (Wiff) wird genau nach diesen beruflichen Wegen von Fachkräften in Kindertageseinrichtungen gefragt 2. Dabei steht die Frage im Fokus, wie Fachkräfte ihre berufliche Entwicklung gestalten und was sie im Beruf hält. In der qualitativ angelegten Interviewstudie wird die Rolle des Einstiegs für den Verbleib und das Wohlbefinden in der Organisation betont. Die organisationale Sozialisation steht hier im Fokus – also der Prozess, in dem neue Mitglieder im Team aufgenommen, bestehende Strukturen vermittelt, Rollenerwartungen und Werte weitergegeben werden. Zentrales Ziel davon ist die Bindung an die Organisation 2.

Zusammen mit ihrem Team gestaltet die Kita-Leitung als Architektin des Miteinanders den Einstieg neuer Fachkräfte. Hier zählt neben ihrer stärken- und bedürfnisorientierten sowie wertschätzenden Haltung auch ihre Kommunikationsfähigkeit und ihre Planungskompetenz. Nicht zuletzt schafft sie das Fundament für eine gelingende, begabungsfördernde Grundhaltung im Team. Erfahren Fachkräfte diese Haltung von Leitung und Kolleg:innen, profitieren besonders die Kinder, deren Eltern und die pädagogische Qualität insgesamt 3.

Bild: iStock.com/FatCamera

Stärken erkennen und wertschätzen

Die stärkenorientierte Grundhaltung der Fachkräfte hat für das Erkennen und Fördern von besonders begabten Kindern in der Kita eine hohe Relevanz. Es geht hier nicht um ein individuelles pädagogisches Selbstverständnis einer Fachkraft, vielmehr handelt es sich um eine für alle gültige Handlungsleitlinie, die ein zentraler Baustein für die Teamkultur der Einrichtung ist: Wenn Fachkräfte (von Anfang an) erleben, dass ihre eigenen Stärken durch Leitung und Kolleg:innen gesehen werden, prägt dieser wertschätzende Umgang auch ihren Blick auf die Kinder und deren Eltern. Begabungs- und Begabtenförderung braucht ein Klima, das Wertschätzung und Ressourcenorientierung als handlungsleitendes Prinzip in ihrem Konzept integriert. Ein gut strukturierter, stärkenorientierter Onboarding-Prozess für neue Fachkräfte schafft das Fundament für diese pädagogische Grundhaltung.

Spielregeln vermitteln

Fachkräfte lernen Arbeitsabläufe und Organisationsregeln einer Kita nicht (nur) über einen niedergeschriebenen Leitfaden kennen. Meist geht es vielmehr um unausgesprochene Abläufe, die das Miteinander leiten und die pädagogische und soziale Haltung im Team widerspiegeln. Diese unausgesprochenen Spielregeln des „Spiels ohne Worte“ 4 an eine neue Fachkraft zu vermitteln, ist Aufgabe der Leitung und des Teams.

Damit der Einstieg der neuen Fachkraft erfolgreich ist, empfiehlt es sich, einen klaren Plan für das Onboarding zu formulieren, in dem Zuständigkeiten geklärt sind. Hier sind einige Ideen für hilfreiche Bausteine für den Onboarding-Prozess:

  • Das Team kennenlernen: Eine erste Vorstellung in der Teamsitzung oder Teambuilding-Maßnahmen können das Kennenlernen erleichtern.
  • Material zur Orientierung: Die neue Fachkraft kann sich anhand des Materials anfangs selbst ein erstes Bild machen und weiß über wichtige Themen Bescheid (z. B. Konzeption, Prozessbeschreibungen, wichtige Termine, etc.).
  • Mentoren-Regelungen/Startbegleiter:innen: Von Anfang an steht ein erfahrenes Team-Mitglied der neuen Fachkraft zur Seite, beantwortet Fragen und gibt Feedback.
  • Einarbeitungsgespräche: Feste, leitfadengestützte Gesprächstermine nach beispielsweise zwei oder vier Wochen geben Raum für Fragen, Feedback und Zielvereinbarungen. Persönliche Stärken und Vorlieben können hier erkannt und gewinnbringend berücksichtigt werden. Ein Protokoll erinnert an das Besprochene und kann im nächsten Gespräch aufgegriffen werden.
  • Teamreflektionen anregen: In Teamsitzung kann/sollte zur Reflektion und zum Hinterfragen der eigenen Strukturen angeregt werden. Neuen Teammitgliedern wird so Raum gegeben, sich mit den eigenen Ideen und Stärken einzubringen.

Eine wertschätzende offene Grundhaltung im Team mit dem Fokus auf die Ressourcen der neuen Fachkraft beeinflusst den Onboarding-Prozess positiv. Diversität wertschätzen, kritische Fragen zulassen und die Bereitschaft, die eigenen Handlungsroutinen zu hinterfragen, heben die Lernkultur 2. Der gemeinsame Blick auf die Stärken und Vorlieben der neuen Fachkraft kann die Einbindung in das Team positiv begleiten – es muss nicht immer jeder alles gleich können. Wenn alle Teammitglieder ihre Stärken und Interessen in ihre pädagogische Arbeit einbringen können, erhöht das insgesamt die pädagogische Qualität in der Einrichtung und wirkt sich so ganzheitlich auf die Zufriedenheit aller aus 2.

Leiten heißt: Beteiligung ermöglichen

Die Kita-Leitung ist die Brückenbauerin zwischen Team und neuer Fachkraft. Eine Führungskultur, in der jedes Teammitglied sein Potenzial einsetzen sowie partizipieren kann und Vertrauen erfährt, trägt zu einer guten Teamkultur bei. Dabei spielt Partizipation, die Beteiligung an Entscheidungsprozessen, sowohl für die Kinder in der Kita als auch für deren Erzieher:innen eine zentrale Rolle. Gibt die Leitung Aufgaben ab, entstehen Räume für Mitgestaltung und Mitsprache. Die Motivation im Team wird gestärkt, die pädagogische Arbeit und das Zugehörigkeitsgefühl der Fachkräfte profitieren. So können beispielsweise der Dienstplan oder Vertretungsregeln von einzelnen Teammitgliedern erstellt werden oder der Abschied aus der Kita vor dem Schulstart wird von der „Arbeitsgruppe Kita–Schule“ konzeptionell geplant.

Das Onboarding gemeinsam gestalten

Kommt jemand Neues ins Team, ist damit oft erstmal ein Moment der Unsicherheit verbunden. Von beiden Seiten gilt es, offen für Neues zu sein, sich gegenseitig Raum für Austausch zu geben und sich wertschätzend zu begegnen. Wenn Teammitglieder von Anfang an Einblicke und Mitspracherecht im Prozess der Rekrutierung und Einarbeitung neuer Fachkräfte bekommen, fühlen sich diese auch mitverantwortlich für deren guten Einstieg.

Doch wo kann das Team speziell im Onboarding-Prozess partizipieren?

  • Prozess transparent gestalten: Das Team kann zunächst durch einen guten Informationsaustausch in den Bewerbungsprozess der neuen Fachkraft eingebunden werden.
  • Hospitation gemeinsam planen: Der Hospitationstag, bei großen Einrichtungen sind zwei Tage von Vorteil, kann gemeinsam geplant werden. Bezugskolleg:innen, die den/die Hospitant:in an dem Tag begleiten, gestalten den Ablauf.
  • Bewerbungen gemeinsam sichten: Je nach Bewerberlage kann das Team im Auswahlprozess eingebunden werden. Wertschätzend und stärkenorientiert kann sich so darüber ausgetauscht werden, wer am besten ins Team passt und je nach den Bedürfnissen der neuen Fachkraft kann dann gemeinsam der Onboarding-Prozess geplant werden.
  • Arbeitsgruppen bilden: Sind bisher keine klaren Vorstellungen über die Hospitation und das Onboarding konzeptionell verfasst, kann die Leitung einer Arbeitsgruppe Raum für Austausch und die Formulierung erster Ideen geben. Damit delegiert sie Aufgaben und zeigt Vertrauen in das Team.

Partizipation braucht die Bereitschaft, Kontrolle abzugeben und Prozesse gemeinsam zu gestalten. Sie ist eine Querschnittsaufgabe in der Frühen Bildung, die in allen Bereichen mitgedacht werden sollte. Im Team braucht sie Zeit und Vertrauen und eine Offenheit für Veränderungen 5. Im Onboarding-Prozess geht es darum, Räume für Gestaltung zu schaffen. Die Fachkraft soll sich in ihrer Individualität gesehen und akzeptiert fühlen und einen Raum vorfinden, den sie mitgestalten kann.

Aus der Praxis für die Praxis

Wie Räume für die Mitgestaltung geschaffen werden können und welche Haltung eine Kita-Leitung mitbringen kann, wenn sie stärkenorientiert auf ihr Team und den Onboarding-Prozess blickt, erfahren wir im Gespräch mit Beatrix Hirschbolz-Ter. Sie leitet seit vielen Jahren die Karg Modellkita Hans-Georg Karg in Nürnberg. Ein partizipatorischer Leitungsstil mit viel Raum für Mitgestaltung und der Fokus auf einen gelingenden Onboarding-Prozess ist ihr in ihrer Rolle als Leitung wichtig.

Bild: Mirko Bogedaly

Interview


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Lone Varga und Beatrix-Hirschbolz-Ter