30. April 2009 | Götz Müller

Huste häufig!

Huste häufig und du bist hoch begabt! Dies könnte die – zugegeben verkürzte – Interpretation bestimmter Checklisten sein, die im Dunstkreis von Beratung rund um Hochbegabung existieren. In einem Artikel mit der interessanten Überschrift „Husten Hochbegabte häufiger?“ des Journals des österreichischen Begabtenzentrums (ÖZBF) schreiben Perleth, Preckel et al. über Verwendung und Nutzen von so genannten Checklisten zur Identifikation von Hochbegabung.

Gesammelt wurden Daten aus Deutschland und Österreich, die sicherlich nicht den Anspruch der Repräsentativität und notwendigen methodischen Sorgfalt erheben, jedoch klare Aussagen im Sinne anderer vorheriger Studien treffen. Hierbei wurden Angaben aus Checklisten, die von Eltern ausgefüllt wurden, mit den Daten aus der Intelligenzdiagnostik verglichen. Neben der allgemeinen Betrachtung der Güte von Checklisten wurden diese hierbei auch en detail betrachtet: Inwieweit erhöht sich ihre Aussagekraft, wenn kognitive bzw. sozial-emotionale oder beobachtbare vs. abstrakte Items betrachtet werden?

Nun zu den Ergebnissen: Checklisten eignen sich nicht als geeignetes Instrument zur Identifikation von Hochbegabung. Einigermaßen erstaunlich ist, dass Hochbegabte von ihren Eltern als „nicht älter“ eingeschätzt wurden. Oder auch, dass Wissbegierde eher auf Nicht-Hochbegabte zutrifft. Auch taucht ein Effekt für „Erwachsenenthemen“ zu Gunsten der Hochbegabten auf und dann wieder negative Effekte für „wenige, enge Freundschaften“. Zusammengefasst: Vergleichsweise gut können kognitive Items zwischen Hochbegabten und Nicht-Hochbegabten unterscheiden, sozial-emotionale hingegen nicht.

Wer mehr lesen möchte: ÖZBF (Hrsg., 2008). Perleth, Preckel, Denstädt & Leithner: Husten hochbegabte häufiger? Journal news & science (Nr.18, 1/2008)

Wer raten möchte: Was mag jemanden dazu veranlassen, das Merkmal „Häufiges Husten“ als Indikator für Hochbegabung anzusehen?

Kategorien: Diagnostik

Schlagworte: