AID 2.2 – Adaptives Intelligenz Diagnostikum 2 (Version 2.2)

Altersbereich: 6;0 bis 15;11 Jahre

Test-Typ: Einzeltest

Jahr: 2009

  • 1. Beschreibung

    • 1.1 Zielsetzung und Grundlagen

      Der AID 2.2 dient der Erfassung komplexer und basaler Kognitionen bei Kindern ab 6 Jahren und Jugendlichen bis 15;11 Jahren und verfolgt dabei das Ziel einer förderorientierten Diagnostik. Eine Besonderheit des Tests ist, dass er auch auf Türkisch instruiert werden kann.

      • Der AID 2.2 orientiert sich inhaltlich am Testkonzept von David Wechsler und es finden sich im Test z.T. ähnliche Subtests wie im HAWIK. In Anlehnung an die Investmenttheorie von Cattell (1987) wird Intelligenz gesehen als „die Gesamtheit aller kognitiven Voraussetzungen, die notwendig sind, um Wissen zu erwerben und Handlungskompetenzen zu entwickeln“. Der Autor des AID 2.2 lehnt die Generalfaktortheorie nach Spearman ab; stattdessen steht die Profilinterpretation im Vordergrund. Zudem wird ein Kompensationsmodell abgelehnt, nach dem Defizite in einem Bereich durch Fähigkeiten in einem anderen ausgeglichen werden können. Stattdessen wird ein Defizitmodell („jede Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied“) vertreten.

        Methodisch realisiert der AID 2.2 das in der probabilistischen Testtheorie verankerte „adaptive Testen“: Der Testperson werden weitestgehend nur die Aufgaben gestellt, die ihrem Leistungsniveau entsprechen.

    • 1.2 Aufbau

        1. 11 Subtests, unterteilt in zwei Bereiche: verbal-akustische und manuell-visuelle Fähigkeiten, 3 Zusatztests.
        2. Empirischer Nachweis von förderungsabhängigen Subtests („Alltagswissen“, „Synonyme Finden“, „Soziales Erfassen und Sachliches Reflektieren“) und eher förderungsunabhängigen Subtests (restliche Subtests): Testleistung bei förderabhängigen Subtests indiziert Ausmaß an bisheriger Förderung des Kindes.
        3. Überwiegend Power-Tests mit freiem Antwortformat.
        4. Adaptive Testvorgabe („branched testing“) für 8 Subtests, ausschließlich konventionelle Testvorgabe für 3 Subtests und 3 Zusatztests.
        5. Sprachfreie Instruktionen für 5 Subtests und 2 Zusatztests möglich.
        6. Kurzform vorhanden: 5 Subtests, von denen jeweils nur zwei Aufgabengruppen adaptiv vorzugeben sind.
        7. Bildung von Parallelformen für Testwiederholungen möglich.

    • 1.3 Quellen

      • Kubinger, K.D. (2009). AID 2. Adaptives Intelligenz Diagnostikum 2 (Version 2.2). Göttingen: Beltz.

  • 2. Anwendung in der Hochbegabungsdiagnostik

    • 2.1 Zusammenfassung

      • Für die Hochbegabungsdiagnostik weist der AID 2.2 den Vorzug auf, dass durch das adaptive Testen ausreichend schwere Aufgaben für die Testperson ausgewählt werden können. Diese Vorgehensweise verhindert eine potenzielle Demotivation durch Aufgaben, die von der Testperson als zu leicht empfunden werden (bei testängstlichen Personen kann sie aber auch zu geringeren Testleistungen führen; Ortner & Caspers, 2011). Zudem ist die Messgenauigkeit des AID 2.2 auch im Bereich hoher Begabung sicher gestellt.

        Es werden keine Deckeneffekte für die vorgesehene Altersgruppe berichtet.

        Der erreichbare Höchstwert liegt bei T=81 bzw. IQ=146.

    • 2.2 Eignung als Screening

      Als Screening nicht geeignet

      • Der AID 2.2 ist nicht als Gruppentest durchführbar.

    • 2.3 Eignung zur Profilerstellung

      Fähigkeitsprofil möglich

      • Mit dem AID 2.2 ist die Erstellung eines Fähigkeitsprofils möglich, so dass die Intelligenzstruktur einer Person abgebildet werden kann.

        Angaben zu kritischen Differenzen für Subtestunterschiede vorhanden.

    • 2.4 Eignung für die Schullaufbahnberatung

      Für Schullaufbahnberatung geeignet

      • Es handelt sich um ein mehrdimensionales Verfahren, mit guter Differenzierung und Normen im relevanten Altersbereich.

    • 2.5 Eignung für Selektionsentscheidungen

      Für Selektionsentscheidungen weitestgehend geeignet

      • Aufgrund der unzureichenden Erfassung der Reasoning-Komponente sollte der AID 2.2 durch andere Verfahren, wie z.B. Tests aus der CFT-, der SON- oder der Raven-Matrizen-Reihe, ergänzt werden (Holocher-Ertl, Kubinger & Hohensinn, 2008).

  • 3. Normierung

    • 3.1 Vorbemerkungen

      Eine ausführlichere Darstellung des Vergleichs der ursprünglichen Normen mit denen der Kontrolleichung wäre hilfreich.

    • 3.2 Aktualität der Normen

      Die Normen sind aktuell bzw. auf Aktualität überprüft. Überprüfung/Aktualisierung der Normen in den nächsten Jahren für AID 2.2 türkisch erforderlich

      • Normierung: 1995-1997; 2006/2007 Kontrolle sowie Eichung für Kinder und Jugendliche mit türkischer Muttersprache.

        Altersspezifische (z.T. auch geschlechtsspezifische) Normen (T-Werte) in Einjahresabständen.

        PR für kognitive Mindestfähigkeit und Range der Intelligenz (Grad der Differenziertheit des erfassten Fähigkeitsspektrums).

        Auf Berechnung des „IQ“ wurde ursprünglich verzichtet, jedoch wurden nachträglich Optionen zur IQ-Bestimmung eingeführt (1. IQ-Bestimmung über Transformation der kognitiven Mindestfähigkeit, 2. IQ-Bestimmung über Werte des 1. Faktors einer Faktorenanalyse über bestimmte Subtests).

    • 3.3 Repräsentativität der Normen

      Repräsentativität der Normen weitestgehend gegeben

      • Normierung 1995-1997: n = 977 (49 % Mädchen), 6 bis 15 Jahre, aus Österreich und Deutschland, Klumpenstichprobenverfahren unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und Schultypen.

        Weitgehende Repräsentativität der Stichprobe hinsichtlich Altersverteilung, Sozialschicht, Stadt-Land-Verteilung. Repräsentativität für Schultypen ist fraglich: Unterrepräsentation Hauptschule in Österreich, Überrepräsentation Hauptschule und Unterrepräsentation Realschule in Deutschland.

        Da es schultypspezifische Unterschiede gab, enthält das Manual zusätzlich die nach Alters- und Geschlechtsverteilung gewichteten Mittelwerte (T-Werte) für alle 16 Testkennwerte, getrennt nach Hauptschule und Gymnasium.

        Eichungskontrolle 2006/2007: n = 844 (52 % Mädchen) aus Deutschland (BE, HE, SH) und Österreich (NÖ, S, T, W).

        Die Altersgruppen der 6-, 9-, 13- bis 15-Jährigen sind unterrepräsentiert (z.T. gibt es gar keine Daten). Auf Repräsentativität für Stadt/Land-Verteilung wurde verzichtet, da es keine Unterschiede in der ursprünglichen Eichstichprobe gab.

        Gymnasiast/innen sind gegenüber Hauptschüler/innen überrepräsentiert.

        Eichung mit türkischer Muttersprache: n = 355, Deutschland und Österreich.

  • 4. Objektivität

    • 4.1 Vorbemerkungen

      Der AID 2.2 ist ein besonders komplexes und aufwändiges Verfahren, so dass die Objektivität in besonderer Weise von der Qualifikation der Testleiterin bzw. des Testleiters abhängt.

    • 4.2 Durchführungsobjektivität

      Durchführungsobjektivität weitestgehend gegeben

      • Standardisierte schriftliche und mündliche Instruktionen vorhanden.

        Sprachfreie Instruktionen existieren für sieben Sub- bzw. Zusatztests.

        Systematische Beobachtung während der Testung mit dem Beiblatt für Beobachtungen der Arbeitshaltungen: Qualitative Beurteilung des Arbeits- und Kontaktverhaltens bei Leistungsanforderungen (u.a. Fein- und Grobmotorik oder Arbeitstempo) anhand von jeweils drei unterschiedlichen Ausprägungsgraden, die sprachlich ausformuliert sind.

    • 4.3 Auswertungsobjektivität

      Auswertungsobjektivität weitestgehend gegeben

      • Genaue Auswertungshinweise vorhanden (inklusive Auswertungsbeispiele).

        Computergestütztes Auswertungsprogramm vorhanden (muss zusätzlich erworben werden).

        Bei den Subtests 6 (Synonyme Finden), 9 (Funktionen Abstrahieren), 11 (Soziales Erfassen und Reflektieren) sowie 10a (Strukturieren-visumotorisch) gibt es eine gewisse Ermessensfreiheit bei der Auswertung.

        Testleiterunabhängigkeit bei Vorgänger AID geprüft: n = 154 Kinder, zweimal getestet, signifikante Testleitereffekte für 4 Subtests (Synonyme Finden, Funktionen Abstrahieren, Kodieren und Assoziieren, Analysieren und Synthetisieren).

    • 4.4 Interpretationsobjektivität

      Interpretationsobjektivität gegeben

      • Normtabellen und ausführliche Interpretationshinweise (inkl. Interpretationsbeispiele) vorhanden.

  • 5. Reliabilität

    • 5.1 Vorbemerkungen

      Angaben zur Reliabilität im Manual sind etwas verwirrend, da z.T. statt Ergebnissen zum AID 2.2 Angaben zum AID berichtet werden

    • 5.2 Paralleltest-Reliabilität

      Angaben zur Paralleltestreliabilität fehlen

    • 5.3 Testhalbierungsreliabilität

      Angaben zur Testhalbierungsreliabilität fehlen

    • 5.4 Retest-Reliabilität

      Retest-Reliabilität eingeschränkt gegeben

      • Angaben für AID 2 (Milanovic, 1998): n = 128, aus Eichstichprobe von 1995-1997, keine weiteren Angaben; bei Test-Retestintervall von 4 Wochen akzeptable bis gute Stabilitäten für Subtests 5, 5a,10a (.78-.89), ungenügende Stabilitäten für Subtests 5b (.57) und 7 (.64).

    • 5.5 Interne Konsistenz

      Interne Konsistenz gegeben

      • Die interne Konsistenz des AID 2.2 ist wegen Geltung des Rasch-Modells für 9 Subtests und alle Zusatztests gegeben.

        Die modellgemäßen (minimalen und maximalen) Standardschätzfehler werden angeben: Subtests (Min. 0.54-1.03, Max. 1.09-2.86), Kurzform (Min. 0.65-0.71, Max. 1.12-1.61), Parallelform (Min. 0.55-1.19, Max. 1.14-1.93).

    • 5.6 Profilreliabilität

      Angaben zur Profilreliabilität fehlen

  • 6. Validität

    • 6.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 6.2 Konstruktvalidität

      Konstruktvalidität gegeben

      • 662 Personen aus Eichstichprobe 1995-1997.

        Exploratorische Faktorenanalysen bestätigen Vierfaktorenstruktur: (1) Informationsverarbeitung in der gesellschaftlichen Umwelt, (2) Informationsverarbeitung neuer Inhalte, (3) Auffassungskapazität, und (4) (Re-)Produktionsfähigkeit durch Strukturierung. Zumeist hohe Ladungen der Subtests auf einem Faktor (.56-.85); Subtests 2, 4, 5a und 5b sind keinem der Faktoren eindeutig zuordenbar.

        Konfirmatorischer Vergleich der Vierfaktorstruktur mit gängigen Intelligenztheorien (Spearman, Wechsler, Thurstone, Cattell, Jäger und Carroll) sowie mit drei Submodellen des Specific Learning Disorders Modell: Vierfaktorstruktur besser als alternative Intelligenzmodelle.

    • 6.3 Kriteriumsvalidität

      Angaben zur Beurteilung der Kriteriumsvalidität nicht ausreichend

      • Studien zur konvergenten Validität zeigten mittelmäßige bis niedrige Zusammenhänge mit anderen Intelligenztests (insb. Reasoning). Stichprobenbeschreibungen und Ergebnisdarstellungen sind oft etwas spärlich, eine abschließende Beurteilung der Kriteriumsvalidität ist daher nicht möglich.

        Zusammenhänge mit anderen Intelligenztests

        CFT 1 (Cattell, Weiß & Osterland, 1997), CFT 20 (Weiß, 1987), KFT 1-3 (Heller & Geißler, 1983), KFT 4-12+R (Heller & Perleth, 2000), MIT-KJ (Conrad et al., 1976): n = 206, 2. bis 4. Klasse, keine weiteren Angaben; mittlere Korrelationen zwischen AID 2 Subtest 9 (Funktionen Abstrahieren) und CFT 20 (.53) und Subtest 10 (Analysieren und Synthetisieren) und allen Reasoning Tests (Edlinger, 2003).

        KFT 4-12+R (Heller & Perleth, 2000), VRT (Kubinger et al., in Vorb.): n = 112, 7. Klasse, keine weiteren Angaben; mittlere Korrelation zwischen AID 2 Subtest 1 (Alltagswissen) und VRT (.55) sowie zwischen Subtest 10 (Analysieren und Synthetisieren) und dem KFT 4-12+R Subtest Figurenanalogien (.48; Placek, 2006).

    • 6.4 Prognostische Validität

      Angaben zur prognostischen Validität fehlen

  • 7. Ökonomie

    • 7.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 7.2 Durchführungsökonomie

      Durchführung ökonomisch

      • Ca. 30 bis 75 Min., für drei Zusatztests weitere 10 bis 15 Min.

        Adaptives Testen ermöglicht genaue Messung trotz relativ weniger Aufgaben.

    • 7.3 Auswertungsökonomie

      Auswertung ökonomisch

      • Manuelle Auswertung ca. 10 Min.,

        Computerprogramm 1-2 bis 2 Min. (Wolff, 2001).

  • 8. Weiterführende Informationen

    • 8.1 Vorgängerversion

      • Kubinger, K.D. & Wurst, E. (2000). AID 2. Adaptives Intelligenz Diagnostikum 2. Göttingen: Beltz.

    • 8.2 Literaturangaben

      • Cattell, R.B. (1987). Intelligence: its structure, growth, and action. Amsterdam: Elsevier.

        Cattell, R.B., Weiß, R.H. & Osterland, J. (1997). Grundintelligenztest Skala 1 (CFT1). (5. Aufl.). Göttingen: Hogrefe.

        Conrad, W., Eberle, G., Hornke, L., Kierdorf, B. & Nagel, B. (1976). Mannheimer Intelligenztest für Kinder und Jugendliche (MIT-KJ). Weinheim: Beltz.

        Edlinger, I. (2003). Erstellung einer Testbatterie zum Konstrukt Reasoning für Kinder zwischen 6 und 10 Jahren zur Vorgabe im Anschluss an die allgemeine Intelligenzdiagnostik mit dem AID 2. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Universität Wien.

        Heller, K.A. & Geißler, H.J. (1983). Kognitiver Fähigkeitentest für 1. bis 3. Klasse (KFT1-3). Weinheim: Beltz.

        Heller, K.A. & Perleth, C. (2000). KFT 4-12+ R. Kognitiver Fähigkeitstest für 4. bis 12. Klassen, Revision (3., revidierte Aufl. des KFT 4-13+). Göttingen: Beltz.

        Holocher-Ertl, S., Kubinger, K.D. & Hohensinn, C. (2008). Hochbegabungsdiagnostik: HAWIK-IV oder AID 2. Kindheit und Entwicklung, 17, 99-106.

        Kubinger et al. (in Vorb.). Verwandtschaften-Reasoning-Test.

        Milanovic, M. (1998). Erfassung der Teilkomponente Serialität im AID 2. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Universität Wien.

        Ortner, T. M., & Caspers, J. (2011). Consequences of test anxiety on adaptive versus fixed item testing. European Journal of Psychological Assessment, 27, 157-163.

        Placek, K. (2006). Dimensionalitätserweiterung des AID 2 um eine Reasoning Komponente: der Verwandtschafts-Reasoning-Test. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Universität Wien.

        Weiß, R.H. (1987). Grundintelligenztest Skala 2. CFT 20. Göttingen: Hogrefe.

        Wolff, J. (2001). AID 2 - Adaptives Intelligenz Diagnostikum 2 (PSYNDEX Tests Review). In Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) (Hrsg.), Elektronisches Testarchiv. Online im Internet, URL: www.zpid.de (Stand: 28.2.2015).