K-ABC – Kaufman-Assessment Battery for Children

Altersbereich: 2;6 bis 12;5 Jahre

Test-Typ: Einzeltest

Jahr: 2009

Hinweis: Zu diesem Test liegt bereits die Testrezension des Nachfolgers vor:
KABC-II (2014)

  • 1. Beschreibung

    • 1.1 Zielsetzung und Grundlagen

      Die K-ABC erfasst Problemlösefähigkeiten (fluide Intelligenz) und angeeignetes Faktenwissen mit dem Ziel der Ableitung von Fördermaßnahmen bei Kindern zwischen zweieinhalb und zwölfeinhalb Jahren. Die Autoren sehen die Bedürfnisse von Vorschulkindern, Kindern aus Minderheitengruppen und behinderten Kindern mit der K-ABC besonders berücksichtigt.

      • Das Intelligenzkonzept basiert auf Befunden der Neuropsychologie und der kognitiven Psychologie (z.B. duale Kodierungstheorie von Paivio, 1976, 1986; zerebrale Spezialisationstheorie von Luria, 1966).

        Intelligenz wird definiert „als die Art und Weise, in der ein Individuum Probleme löst und Informationen verarbeitet“ (Kaufman & Kaufman, 2009, S. 7).

        Es wird zwischen „einzelheitlichem“ und „ganzheitlichem“ Denken differenziert, die beide der fluiden Intelligenz als intellektueller Problemlösefähigkeit zugeordnet werden. Davon unterschieden wird das erlernte, angeeignete Faktenwissen. Anders als bei Cattell und Horn (1978) wird das erlernte Faktenwissen nicht der kristallinen Intelligenz zugeordnet.

    • 1.2 Aufbau

        1. 15 reguläre Subtests und 1 fakultativ vorzugebender Zusatztest. Die Subtests sind 4 Skalen zugeordnet: Skala einzelheitliches Denken, Skala ganzheitliches Denken, Fertigkeitenskala, sprachfreie Skala (für sprach- oder sprechgestörte sowie hörgeschädigte Kinder)
        2. Die Subskalen einzelheitliches und ganzheitliches Denken können zu der Skala intellektueller Fähigkeiten (als Maß für die Gesamtintelligenz) zusammengefasst werden.
        3. Es existiert kein Paralleltest.

    • 1.3 Quellen

      • Kaufman, A.S. & Kaufman, N.L. (dt. Bearbeitung von P. Melchers und U. Preuß) (2009). K-ABC: Kaufman – Assessment Battery for Children (8., unveränderte Aufl.). Frankfurt: Pearson.

  • 2. Anwendung in der Hochbegabungsdiagnostik

    • 2.1 Zusammenfassung

      • Die Prüfung der Aktualität der Normen bzw. eine Neunormierung sind dringend erforderlich. Die Ergebnisinterpretation muss daher mit Vorsicht erfolgen; insbesondere ist eine Überschätzung von Fähigkeiten wahrscheinlich.

        Es sind keine Studien bekannt, die die Eignung der K-ABC zur Hochbegabungsdiagnostik bewerten. Die K-ABC wird insbesondere für die Diagnostik von Minderbegabung empfohlen (Preusche & Leiss, 2003). Fehlende Angaben zu Itemschwierigkeiten und möglichen Deckeneffekten lassen eine abschließende Beurteilung nicht zu.

        Der erreichbare Höchstwert liegt bei IQ=160.

    • 2.2 Eignung als Screening

      Als Screening nicht geeignet

      • Verfahren ist nicht als Gruppentest durchführbar.

    • 2.3 Eignung zur Profilerstellung

      Fähigkeitsprofil kann erstellt werden

      • Das Verfahren gibt Aufschluss über spezifische individuelle Stärken. Für die (Profil-) Interpretation auf Subtest- und Skalenebene gibt es pro Altersstufe zufallskritische Angaben zu Testwertdifferenzen. Allerdings sind die Normen veraltet und die Informationen zur Reliabilität der Profile nicht ausreichend.

    • 2.4 Eignung für die Schullaufbahnberatung

      Für die Schullaufbahnberatung nicht geeignet

      • Die Normen sind veraltet.

    • 2.5 Eignung für Selektionsentscheidungen

      Für Selektionsentscheidungen nicht geeignet

      • Die Normen sind veraltet.

  • 3. Normierung

    • 3.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 3.2 Aktualität der Normen

      Überprüfung/Aktualisierung der Normen dringend erforderlich

      • Normierung: 1986-1989.

        Altersspezifische Normen (Subtests der Skala intellektueller Fähigkeiten: Wertpunktnormen MW = 100, SD = 3; Subtests der Fertigkeitenskala: Standardwerte MW = 100, SD = 15; alle Gesamtskalen: IQ-Werte) in Dreimonatsintervallen.

        Eine überarbeitete Version (K-ABC-II) ist in Vorbereitung (Stand: März 2015).

    • 3.3 Repräsentativität der Normen

      Normen nicht repräsentativ

      • n = 3.098 Kinder aus dem deutschsprachigen Raum (2.567 aus Deutschland ohne DDR, 531 aus Österreich, Schweiz und Südtirol).

        91 % der Stichprobe beruhen auf Zufallsauswahl (detaillierte Informationen zum Vorgehen fehlen).

        Gleichmäßige Geschlechterverteilung, Belege für Geschlechterunabhängigkeit fehlen.

        Überrepräsentative Teilnahme von Kindern mit Eltern, die über einen Hochschulabschluss verfügen.

  • 4. Objektivität

    • 4.1 Vorbemerkungen

      Der K-ABC ist ein komplexes und aufwändiges Verfahren (z.B. Unterbrechungsregeln), so dass die Objektivität in besonderer Weise von der Qualifikation der Testleiterin bzw. des Testleiters abhängt.

    • 4.2 Durchführungsobjektivität

      Durchführungsobjektivität gegeben

      • Detaillierte Angaben zur Durchführung und standardisierte Instruktionen vorhanden.

    • 4.3 Auswertungsobjektivität

      Auswertungsobjektivität gegeben

      • Detaillierte Auswertungshinweise vorhanden.

        Eine computerunterstützte Auswertung ist möglich (muss zusätzlich erworben werden).

    • 4.4 Interpretationsobjektivität

      Interpretationsobjektivität weitestgehend gegeben

      • Detaillierte Interpretationshinweise (u.a. zu kritischen Differenzen zwischen Skalen und zur Profilinterpretation über Abweichungen individueller Subtestergebnisse vom Skalenmittelwert zur Analyse individueller Stärken und Schwächen) und Fallbeispiele vorhanden.

        Das Handbuch legt Interpretationen nahe, die über den Geltungsbereich des Verfahrens deutlich hinausgehen (Rollett & Preckel, 2011).

  • 5. Reliabilität

    • 5.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 5.2 Paralleltest-Reliabilität

      Paralleltest-Reliabilität entfällt (Kein Paralleltest vorhanden)

    • 5.3 Testhalbierungsreliabilität

      Testhalbierungsreliabilität gegeben

      • Ermittelt an Normierungsstichprobe; Split-Half-Reliabilitäten für die Subtests der Skala intellektueller Fähigkeiten sind über alle Altersstufen hinweg akzeptabel bis sehr gut (.72-.93; mit Ausnahme des Subtests Gestalt schließen .69), Split-Half-Reliabilitäten für die Subtests der Fertigkeitenskala sind über alle Altersstufen hinweg akzeptabel bis sehr gut (.72-.89), Split-Half-Reliabilitäten für die vier Skalen sind über alle Altersstufen hinweg gut bis sehr gut (.86-.95).

    • 5.4 Retest-Reliabilität

      Retest-Reliabilität eingeschränkt gegeben

      • n = 24, 9;0 und 12;5 Jahre (Madest, 1989); bei einem Test-Retestintervall von 19 Tagen zum Teil nur geringe Stabilitäten der Subtests (.57-.96) und hohe Stabilitäten der Skalen (.84–.97).

        Weitere Nachweise fehlen.

    • 5.5 Interne Konsistenz

      Angaben zur Beurteilung der internen Konsistenz nicht ausreichend

      • Die Autoren interpretieren die Korrelationen der Subtests mit den Skalen als Nachweis der internen Konsistenz (siehe Konstruktvalidität).

        Angaben zur internen Konsistenz der Subtests oder Skalen fehlen.

    • 5.6 Profilreliabilität

      Angaben zur Profilreliabilität fehlen

      • Problematisch sind die zum Teil niedrigen Subtest-Reliabilitäten (Rollett & Preckel, 2011).

  • 6. Validität

    • 6.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 6.2 Konstruktvalidität

      Konstruktvalidität eingeschränkt gegeben (ab Alter von 4 Jahren)

      • Aktuelle Studien fehlen.

        Das Itemmaterial ist zum Teil veraltet (Horn, 2003).

        Signifikante Korrelationen zwischen dem Alter der Testpersonen und den Leistungen in allen Subtests der K-ABC.

        Exploratorische Faktorenanalysen stützen die Zwei-Faktoren-Struktur der Subtests der Skala intellektueller Fähigkeiten (ganzheitliches vs. einzelheitliches Denken), Bestätigung der Drei-Faktoren-Lösung für alle Subtests der K-ABC ab 4 Jahren.

        Korrelationen eines Subtests mit den anderen Subtests der Skala untereinander und mit der jeweiligen Skala stets höher als mit den anderen Skalen.

    • 6.3 Kriteriumsvalidität

      Kriteriumsvalidität eingeschränkt gegeben (ab Alter von 4 Jahren)

      • Aktuelle Studien fehlen.

        Zusammenhänge mit anderen Intelligenztests

        HAWIVA (Eggert, 1975): n = 63, 4;0 bis 6;11 Jahre; größtenteils niedrige bis mittlere Korrelationen der K-ABC Skala intellektueller Fertigkeiten mit den Skalen des HAWIVA (.15-.74).

        HAWIK-R (Tewes, 2000): n = 58, 7;0 bis 10;11 Jahre; mittlere bis hohe Korrelationen der K-ABC Gesamtskalen mit der Gesamtleistung des HAWIK-R (.57-.79).

        AID (Kubinger & Wurst, 1985):

        n = 33, 8;0 bis 8;11 Jahre; mittlere bis hohe Korrelationen der K-ABC Gesamtskalen mit der Gesamtleistung im AID (.50-.86),

        n = 32, 9;0 bis 9;11 Jahre; mittlere bis hohe Korrelationen der K-ABC Gesamtskalen mit der Gesamtleistung im AID (.53-.80),

        n = 35, 10;0 bis 10;11 Jahre; eher hohe Korrelationen der K-ABC Gesamtskalen mit der Gesamtleistung im AID (.64-.81).

        BTS (Horn, 1972):

        n = 33, 8;0-8;11 Jahre; mittlere bis hohe Zusammenhänge der K-ABC Gesamtskalen mit der Gesamtleistung im BTS (.58-.84),

        n = 32, 9;0 bis 9;11 Jahre; mittlere bis hohe Zusammenhänge der K-ABC Gesamtskalen mit der Gesamtleistung im BTS (.60-.81),

        n = 35, 10;0 bis 10;11 Jahre; mittlere bis hohe Zusammenhänge der K-ABC Gesamtskalen mit der Gesamtleistung im BTS (.54-.76).

    • 6.4 Prognostische Validität

      Angaben zur prognostischen Validität fehlen

  • 7. Ökonomie

    • 7.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 7.2 Durchführungsökonomie

      Durchführung ökonomisch

      • Die Bearbeitungsdauer liegt zwischen 30 und 90 Min. (Kindergarten- bzw. Schulalter)

    • 7.3 Auswertungsökonomie

      Angaben zur Dauer der Auswertung fehlen

  • 8. Weiterführende Informationen

    • 8.1 Vorgängerversion

      • Kaufman, A.S. & Kaufman, N.L. (1983). Kaufmann Assessment Battery for Children. Circle Pines, MN: American Guidance Service.

    • 8.2 Literaturangaben

      • Cattell, R.B. & Horn, J.L. (1978). A check on the theory of fluid and crystallized intelligence with description of new subtest designs. Journal of Educational Measurement, 15, 139-164.

        Eggert, D. (Hrsg.) (1975). Hannover-Wechsler-Intelligenztest für das Vorschulalter. Deutsche Bearbeitung der Wechsler Preschool and Primary Scale of Intelligence. Bern: Huber.

        Horn, W. (1972). Begabungstestsystem – Handbuch und Testanweisung (2. Aufl). Göttingen: Hogrefe.

        Horn, R. (2003). Intelligenztests für Kinder, Heft 1/03. Keine kritische Anmerkung zum K-ABC. Report Psychologie, 28, 189.

        Kubinger, K.D. & Wurst, E. (1985). Adaptives Intelligenz Diagnostikum. Weinheim: Beltz.

        Luria, A.R. (1966). Higher cortical functions in man. New York: Basic Books.

        Madest, R. (1989). Untersuchung zur deutschen Form der KAUFMAN-Assessment-Battery for Children: Reliabilität und Validität. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Universität Mainz.

        Paivio, A. (1976). Concerning dual-coding and simultaneous-successive processing. Canadian Psychological Review, 17, 69-71.

        Paivio, A. (1986). Mental representations: A dual-coding approach. New York: Oxford University Press.

        Preusche, I. & Leiss, U. (2003). Intelligenztests für Kinder. HAWIK-III, AID 2 und K-ABC im Vergleich. Report Psychologie, 28, 12-26.

        Rollett, B. & Preckel, F. (2011). TBS-TK Rezension: K-ABC: Kaufman – Assessment Battery for Children. Psychologische Rundschau, 63, 139–141.

        Tewes, U. (Hrsg.) (2000). Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Kinder - Revision (HAWIK-R) – Handbuch und Testanweisung. Bern: Huber.