WISC-IV – Wechsler Intelligence Scale for Children - Fourth Edition

Altersbereich: 6;0 bis 16;11 Jahre

Test-Typ: Einzeltest

Jahr: 2011

  • 1. Beschreibung

    • 1.1 Zielsetzung und Grundlagen

      Der WISC-IV dient der Erfassung von Niveau und Struktur der Intelligenz von Kindern ab 6 Jahren und Jugendlichen bis 16;11 Jahren. Er ermöglicht die Beurteilung von individuellen Stärken und Schwächen und unterstützt die Ableitung spezifischer Fördermaßnahmen.

      • Der WISC-IV basiert auf dem pragmatisch-erfahrungsgeleiteten Intelligenzmodell von David Wechsler, nach dem Intelligenz verstanden wird als „die zusammengesetzte oder globale Fähigkeit des Individuums, zweckvoll zu handeln, vernünftig zu denken und sich mit seiner Umgebung wirkungsvoll auseinanderzusetzen“ (Wechsler, 1956). Der Test bildet teilweise die zweite Ebene des empirisch gesicherten Cattell-Horn-Carroll-Modells ab (CHC-Modell; z.B. Flanagan & Kaufman, 2004), welches im Manual jedoch nicht explizit erwähnt wird. Anders als in den Vorgängerversionen gibt es keine Unterscheidung mehr in einen Handlungs- und Verbalteil, sondern es werden neben der allgemeinen Intelligenz Sprachverständnis, wahrnehmungsgebundenes logisches Denken, Arbeitsgedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit erfasst.

    • 1.2 Aufbau

        1. 10 obligatorische Subtests (Gemeinsamkeiten finden, Wortschatz-Test, Allgemeines Verständnis, Mosaik-Test, Bildkonzepte, Matrizen-Test, Zahlen nachsprechen, Buchstaben-Zahlen-Folge, Zahlen-Symbol-Test uns Symbol-Suche) sowie 5 optionale Subtests (Allgemeines Wissen, Begriffe erkennen, Bilder ergänzen, Rechnerisches Denken, Durchstreich-Test).
        2. Anpassung von Subtests an Entwicklungsstand des Kindes z.T. möglich (z.B. wenn Kinder noch sehr jung sind oder feinmotorische Schwierigkeiten vorliegen).
        3. 4 Indexwerte (Sprachverständnis, Wahrnehmungsgebundenes logisches Denken, Arbeitsgedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit) sowie Gesamt-IQ.
        4. Es existiert kein Paralleltest.

    • 1.3 Quellen

      • Petermann, F. & Petermann, U. (Hrsg.) (2011). Wechsler Intelligence Scale for Children - Fourth Edition. Manual 1: Grundlagen, Testauswertung und Interpretation. Übersetzung und Adaptation der WISC-IV von David Wechsler. Frankfurt: Pearson.

  • 2. Anwendung in der Hochbegabungsdiagnostik

    • 2.1 Zusammenfassung

      • Die Eignung des WISC-IV für die Hochbegabungsdiagnostik ist nicht abschließend beurteilbar.

        Im Manual fehlen Angaben zu den Itemschwierigkeiten.

        Für Jugendliche (ab 16 Jahren) wird aufgrund von Deckeneffekten empfohlen, andere Testverfahren zu verwenden.

        Es gibt Hinweise darauf, dass der Gesamt-IQ des WISC-IV die tatsächliche Intelligenz überdurchschnittlich Begabter unterschätzt. Empfohlen wird daher, den Allgemeinen Fähigkeitsindex (AFI) als Schätzer für die Gesamtintelligenz heranzuziehen.

        Der erreichbare Höchstwert liegt bei IQ=160.

    • 2.2 Eignung als Screening

      Als Screening nicht geeignet

      • Der WISC-IV ist nicht als Gruppentest durchführbar.

    • 2.3 Eignung zur Profilerstellung

      Fähigkeitsprofil möglich

      • Mit dem WISC-IV ist die Erstellung eines Fähigkeitsprofils möglich, so dass die Intelligenzstruktur einer Person abgebildet werden kann.

        Angaben zu kritischen Differenzen für Subtests und Skalen vorhanden.

        Vergleich der Häufigkeit der Testwertdiskrepanzen mit anderen Kindern der Altersgruppe möglich.

    • 2.4 Eignung für die Schullaufbahnberatung

      Für Schullaufbahnberatung weitestgehend geeignet

      • Es handelt sich um ein mehrdimensionales Verfahren mit Normen im relevanten Altersbereich.

        Bei älteren Kindern mögliche Deckeneffekte beachten.

        Aktuelle Angaben zur Kriteriumsvalidität des WISC-IV fehlen.

        Kann ggf. zur „off-level“-Testung jüngerer hochbegabter Kinder eingesetzt werden.

    • 2.5 Eignung für Selektionsentscheidungen

      Für Selektionsentscheidungen geeignet

      • Neben Gesamt-IQ Allgemeinen Fähigkeitsindex (AFI) berücksichtigen, da Gesamt-IQ Leistung ab IQ 120 möglicherweise unterschätzt (Daseking, Petermann & Waldmann, 2008).

        Ab Alter von 16;0 Jahren aufgrund von Deckeneffekten besser Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene (WIE; von Aster, Neubauer & Horn, 2006) einsetzen.

  • 3. Normierung

    • 3.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 3.2 Aktualität der Normen

      Überprüfung/Aktualisierung der Normen in den nächsten Jahren erforderlich

      • Normierung: 2005/2006.

        Altersnormen (Wertpunkte mit MW = 10, SD = 3) für die Subtests in Vier-Monats-Intervallen;

        Altersnormen (WP, PR, IQ-Werte) für die vier Indexwerte und den Gesamtwert.

        Für die Indexwerte Sprachverständnis und wahrnehmungsgebundenes logisches Denken zusätzlich geschätzte Wertpunktsummen bei unvollständiger Testdurchführung.

        Altersäquivalente (Alter in Jahren und Monaten, in dem ein bestimmter Rohwert der durchschnittlichen Leistung entspricht) in Viermonatsschritten für die Rohwertsumme der Subtests.

    • 3.3 Repräsentativität der Normen

      Angaben zur Beurteilung der Repräsentativität der Normen nicht ausreichend

      • n = 1.650 aus Deutschlang, Österreich und der Schweiz, 6-16 Jahre, je Altersstufe (in Jahren) wurden je 75 Jungen und 75 Mädchen getestet.

        Die Stichprobe wurde mit Bezug auf Angaben des statistischen Bundesamtes nach verschiedenen demographischen Kriterien geschichtet (Schultyp wird im Manual explizit genannt, weitere Kriterien werden nicht spezifiziert).

  • 4. Objektivität

    • 4.1 Vorbemerkungen

      Der WISC-IV ist ein besonders komplexes und aufwändiges Verfahren, so dass die Objektivität in besonderer Weise von der Qualifikation der Testleiterin bzw. des Testleiters abhängt.

    • 4.2 Durchführungsobjektivität

      Durchführungsobjektivität weitestgehend gegeben

      • Kurze, verständliche Instruktionen mit konsistentem Wortlaut bei allen Subtests vorhanden, Durchführungsregeln (Start-, Abbruch- und Umkehrregeln) auf dem Protokollbogen vermerkt.

    • 4.3 Auswertungsobjektivität

      Auswertungsobjektivität gegeben

      • Genaue Auswertungshinweise vorhanden (inklusive Auswertungsbeispiele).

        Computergestütztes Auswertungsprogramm vorhanden (muss zusätzlich erworben werden).

    • 4.4 Interpretationsobjektivität

      Interpretationsobjektivität gegeben

      • Normwerte und ausführliche Interpretationshinweise vorhanden.

  • 5. Reliabilität

    • 5.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 5.2 Paralleltest-Reliabilität

      Paralleltest-Reliabilität entfällt (Kein Paralleltest vorhanden)

    • 5.3 Testhalbierungsreliabilität

      Testhalbierungsreliabilität gegeben

      • Angaben zur Stichprobe fehlen; Split-half Reliabilität der Subtests akzeptabel bis sehr gut (.79-.91), Split-half Reliabilitäten der Indexwerte und des Gesamt-IQs gut bis sehr gut (Indexwerte .87-.94; Gesamt-IQ .97).

    • 5.4 Retest-Reliabilität

      Retest-Reliabilität eingeschränkt gegeben

      • Nur für die Subtests Zahlen-Symbol-Test, Symbolsuche und Durchstreich-Test berechnet.

        Es wurde nicht die komplette Alterspanne erfasst, nur die Altersstufen 6-7, 11-12 und 15-16 Jahre.

        N = 103, 50 Jungen; bei einem Test-Retest-Intervall von 6-40 Tagen (durchschnittlich 18 Tage) zeigten sich akzeptable bis sehr gute Stabilitäten für die 3 Subtests (.79-.85); für einzelne Altersgruppen ergab sich beim Durchstreichtest eine Stabilität unter .70

    • 5.5 Interne Konsistenz

      Angaben zur internen Konsistenz fehlen

    • 5.6 Profilreliabilität

      Angaben zur Profilreliabilität fehlen

  • 6. Validität

    • 6.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 6.2 Konstruktvalidität

      Konstruktvalidität gegeben

      • Explorative Faktorenanalysen (sowohl mit 10 als auch mit allen 15 Subtests) über Daten der Normierungsstichprobe bestätigen die Vier-Faktor-Struktur des WISC-IV für die Gesamtstichprobe als auch für einzelne Altersgruppen.

        Interkorrelationen der Subtests im Sinne einer Multitrait-Multimethod-Matrix bestätigen die Struktur des WISC-IV: niedrige bis mittlere Korrelationen zwischen den Subtests (.21-.74), hohe Interkorrelationen von Subtests eines Indexbereichs, niedrigere Korrelationen mit Subtests anderer Indexbereiche, höhere Korrelationen der Subtests mit dem Gesamt-IQ als mit anderen Subtests.

        Vergleich mit HAWIK-III: n = 128 Kinder, 6 bis 16 Jahre, Test-Retest-Intervall 5-104 Tage (durchschnittlich 39 Tage); mittlere bis hohe Korrelationen der Subtests (.52-.76) und der Indexwerte beider Testversionen (.51-.80) sowie beider Gesamt-IQs (.75).

        Vergleich mit HAWIVA-III: n = 45 Kinder (27 Kindergarten, 18 Grundschule), durchschnittlich 6,39 Jahre; bei einem Test-Retest-Intervall von 7-76 Tage (durchschnittlich 26 Tage) ergaben sich mittlere bis hohe Korrelationen der Subtests (.67-.79) und der Indexwerte beider Tests (.51-.80) und eine hohe Korrelation beider Gesamt-IQs (.91).

    • 6.3 Kriteriumsvalidität

      Angaben zur Beurteilung der Kriteriumsvalidität nicht ausreichend

      • Im Manual werden keine Zusammenhänge des WISC-IV mit Kriterien wie z.B. Schulleistungen oder anderen Intelligenztests berichtet.

    • 6.4 Prognostische Validität

      Angaben zur prognostischen Validität fehlen

  • 7. Ökonomie

    • 7.1 Vorbemerkungen

      Keine speziellen Hinweise

    • 7.2 Durchführungsökonomie

      Durchführung aufwändig

      • Für die 10 Subtests ca. 60-90 Min.,

        für die 5 optionalen Subtests, ca. 15-20 Min.

    • 7.3 Auswertungsökonomie

      Auswertung weitestgehend ökonomisch

      • Angaben zur Auswertungsdauer fehlen im Manual.

        Max. 30 Min. (Baudson, 2008)

  • 8. Weiterführende Informationen

    • 8.1 Vorgängerversion

      • Tewes, U., Rossmann, P. & Schallberger, U. (2000). Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Kinder - Dritte Auflage (HAWIK-III). Bern: Huber.

        Petermann, F. & Petermann, U. (2010). HAWIK-IV. Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Kinder - IV. Übersetzung und Adaptation der WISC-IV von David Wechsler (3. ergänzte Aufl.). Bern: Huber.

    • 8.2 Literaturangaben

      • Hinweis: Die Testrezensionen von HAWIK-IV und WISC-IV sind identisch.

        Baudson, T.G. (2008). WISC-IV - Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Kinder - IV (PSYNDEX Tests Review). In Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) (Hrsg.), Elektronisches Testarchiv. Online im Internet, URL: www.zpid.de (Stand: 28.2.2015).

        Daseking, M., Petermann, F. & Waldmann, H.-C. (2008). Der allgemeine Fähigkeitsindex (AFI) - eine Alternative zum Gesamt-Intelligenzquotienten (G-IQ) des WISC-IV? Diagnostica, 54, 211-220.

        Flanagan, D.P. & Kaufman, A.S. (2004). Essentials of WISC-IV assessment. Hoboken: Wiley.

        von Aster, M., Neubauer, A. & Horn, R. (Hrsg.) (2006). Wechsler Intelligenztest für Erwachsene WIE. Deutschsprachige Bearbeitung und Adaptation des WAIS-III von David Wechsler (2., korrigierte Aufl.). Frankfurt a.M.: Pearson.

        Wechsler, D. (1956). Die Messung der Intelligenz Erwachsener. Bern: Huber.