Hochbegabung verstehen

Hochbegabung verstehen

Welche Rolle spielt die Herkunft eines Kindes?

Wie sich die Begabungen eines Kindes entwickeln, hängt in der frühen Kindheit stark von den Anregungen und der Unterstützung im Elternhaus ab. Die Bedingungen des Aufwachsens in der Familie können in Deutschland sehr unterschiedlich sein, je nachdem, welchen sozialen und beruflichen Status die Eltern haben, wie hoch ihr Bildungsniveau ist, welchen Stellenwert Bildung in der Familie hat und über wie viel Geld eine Familie verfügt. Insbesondere die sprachliche Förderung in der Familie hängt auch davon ab, ob die Eltern neu nach Deutschland zugewandert sind und ob die deutsche Sprache für sie und für das Kind Erst- oder Zweitsprache ist. In finanziell schwachen Familien fehlt es häufig an Ressourcen, um die vielfältigen Anregungen und Lerngelegenheiten zu schaffen, die eine Begabungsentwicklung unterstützen, z. B. Musikinstrumente und -unterricht, Bücher, Reisen oder Besuche von kulturellen Veranstaltungen. Je älter das Kind wird, desto mehr Einflüsse aus der Kita und später der Schule wirken auf die Entwicklung ein. Dennoch prägen auch dann noch die familiäre und die soziale Herkunft die Begabungsentwicklung und die Bildungskarriere. Trotz vieler Bemühungen der letzten Jahre, das Schulsystem gerechter zu machen, zeigen auch aktuelle Studien noch, dass Kinder aus weniger gebildeten und finanziell schwachen Elternhäusern höhere Hürden in ihrer Schullaufbahn überwinden müssen. Kinder aus diesen Familien werden seltener als besonders begabt erkannt, nehmen seltener an besonderen Förderprogrammen teil, besuchen seltener Spezialklassen, überspringen seltener eine Klasse und sind in den Studienförderwerken, die Begabtenstipendien vergeben, unterrepräsentiert. Sie erhalten auch seltener eine Gymnasialempfehlung (selbst bei gleich guten Leistungen) als Kinder aus sozial besser gestellten Familien. Die Begabungsentwicklung ist damit für Kinder aus weniger gebildeten und finanziell schwächeren Familien oft erschwert. Sowohl das Bildungssystem als auch außerschulische Anbieter von Begabtenförderung sind hier in der Pflicht, noch stärker als bisher Angebote zu schaffen, die diesen Nachteil ausgleichen.

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