Hochbegabte unterstützen

Kita

Vorzeitige Einschulung von Kindern mit hoher Begabung - Herausforderungen, Chancen und Risiken

In diesem Videobeitrag spricht Lisa Pohlmeier, Projektleiterin im Bereich Kita der Karg-Stiftung, über die Herausforderungen, die Chancen und auch die Risiken, die eine frühzeitige Einschulung für Kinder mit hohem kognitiven Entwicklungsstand und deren Eltern mit sich bringen können. Dabei bezieht sie die Perspektive und Handlungsmöglichkeiten der Fachkräfte in Kitas und Schule mit ein und stellt heraus, wie wichtig bei einem solchen Übergang die Kommunikation mit dem Kind selbst ist.

Von: Lisa Pohlmeier


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Transkript

Wann ist eine vorzeitige Einschulung sinnvoll?

Die vorzeitige Einschulung kann eine gute Unterstützungsmöglichkeit sein für Kinder, die einen hohen kognitiven und ausgeprägten sozio-emotionalen Entwicklungsstand haben. D. h. wenn wir ganz konkret darauf schauen, dass das Kind z. B. gute intellektuelle Voraussetzungen zum Folgen in der ersten Klasse hat, es eine hohe Motivation und eine gute Bereitschaft hat, auch zur Schule zu gehen, es in seiner Art und Weise schon sehr selbstständig ist, zur Schule zu gehen und erste Interessen an Rechnen, Lesen und Schreiben hat.

Besonders hervorzuheben ist, dass eine positive Einstellung zur vorzeitigen Einschulung bestehen sollte. Das bedeutet, dass das Kind motiviert ist, die Eltern gut einbezogen sind und dass Lehrkräfte von der Schule wie auch die pädagogischen Fachkräfte aus der Kita gut miteinander in Kontakt sind und gut kooperieren – und das unter Einbezug und Partizipation des Kindes!

Der ausschlaggebende Punkt für eine vorzeitige Einschulung ist, wenn das Kind ein großes Vorwissen hat und wir davon ausgehen, dass wir mit dieser Maßnahme eine Unterforderung in der Schule vermeiden können. Das bedeutet allerdings auch, dass die Maßnahmen dann zum Tragen kommen sollte, wenn das Kind in der Kita nicht ausreichend gefördert wird. Wenn das Kind in der Kita ausgelastet ist, wenn es dort immer noch motiviert hingeht, kann es auch weiterhin dort gut gefördert werden. Wenn das nicht gegeben ist, kann eine Alternative die vorzeitige Einschulung zur angemessenen Förderung des Kindes sein.

Wer entscheidet über eine vorzeitige Einschulung?

An der Entscheidung über eine vorzeitige Einschulung sind Eltern, Kita, die Grundschule und das Kind beteiligt, wobei die Eltern letztlich die Entscheidung darüber treffen. Im besten Fall sind sich alle Beteiligten einig, wobei die Eltern die Empfehlung von Kita und Schule ablehnen können, denn die vorzeitige Einschulung ist ein Förderangebot, was sie annehmen können. Kita und Grundschule sollten sich im Vorfeld gut über den Lern- und Entwicklungsverlauf des Kindes austauschen, über die Stärken und Bedürfnisse in Dialog treten. Eltern können hierzu einen wertvollen Beitrag leisten, dass die beiden Institutionen gut miteinander in Kontakt gehen. Die Eltern schätzen häufig die objektive Einschätzung und die professionelle Distanz, mit der Kita und Schule die Situation bewerten.

Wenn wir dann nochmals auf das Kind schauen, so ist Sicherheit und Wohlbefinden für die Kinder beim Start in die Schule eine wichtige Komponente. Deswegen sollte das Kind auf jeden Fall in die Entscheidung und in die Gestaltung des Übergangs miteinbezogen werden. Was zusätzlich noch helfen kann ist, wenn man eine Beratungsstelle aufsucht, die eine neutrale Position einnehmen und mit ihrem Erfahrungswissen unterstützen kann. Man kann auch einen Intelligenztest mit dem Kind durchführen, um die Entscheidung abzusichern, ob es sich um eine gute Fördermaßnahme handelt.

Insgesamt sollte man den Prozess über die vorzeitige Einschulung auf jeden Fall gut planen und alle Beteiligten sollten miteinander im Dialog stehen und sich gegenseitig gut unterstützen.

Was passiert, wenn die Entscheidung über die vorzeitige Einschulung falsch war?

Wenn wir uns fragen, ob eine frühzeitige Einschulung auch eine falsche Entscheidung sein kann, dann müssen wir miteinbeziehen, dass auch die Entscheidung gegen eine frühzeitige Entscheidung eine falsche Entscheidung sein kann. Eltern werden diese Entscheidung immer mit Unsicherheiten treffen. Doch das wichtigste ist, dass die Sicherheit, mit der Eltern sich dafür entscheiden, sich später auf das Kind auswirkt. Ganz wichtig ist es, zu bedenken, dass später im Verlauf, also wenn das Kind später Klassen überspringt, dies eine größere Belastung für das Kind sein kann. D. h. wenn das Kind einen Sonderstatus erhält, wenn es sich wiederholt in den Klassenverband eingewöhnen muss, ist abzuwägen, ob die vorzeitige Einschulung an der Stelle eine gute Maßnahme ist. Wichtig ist, dass das Kind nicht etikettiert wird, d. h. wenn es nicht als jünger, kleiner, hilfsbedürftiger in der Klasse herausgestellt wird und dass es keinen Leistungs- und Erwartungsdruck durch Eltern und Fachkräfte erfährt. Es sollte nicht das Gefühl bekommen, wenn etwas nicht klappt, dass es versagt hat. Da sollte einfach der Druck rausgenommen werden. Wichtig ist auch zu schauen, welche Faktoren werden vielleicht sichtbar, die auch Unterforderung oder Überforderung hinweisen, z. B. in Form von Frust, wenn das Kind im Unterricht viel stört oder wenn es psychosomatische Probleme bekommt wie beispielsweise Bauchschmerzen und Kopfschmerzen. Dann muss man abwägen, ob sich das Kind wohl fühlt oder ob es vielleicht eine falsche Entscheidung war, das Kind vorzeitig einzuschulen. Wichtig bei einer eventuellen Fehleinschätzung ist, damit gut umzugehen und das Kind im Zweifel wieder zurückstufen zu lassen.

Was muss ein Kind können, um vorzeitig eingeschult zu werden?

Wenn wir uns fragen, was sollte das Kind können, um vorzeitig eingeschult zu werden, dann schauen wir auf die Kompetenzen des Kindes, den Wissensstand des Kindes, die Intelligenz, die Problemlösefähigkeit, das Arbeitsgedächtnis, die Motivation zur Schule zu gehen und die intrinsische Lernmotivation. Auch die sozioemotionalen Fähigkeiten wie Selbststeuerung, Selbstregulierung, Frustrationstoleranz sind zu betrachten. Was man auf jeden Fall sagen kann ist, dass bei kaum einem Kind alle diese Fähigkeiten, Verhaltensweisen und Voraussetzungen so gegeben sein werden, dass sie für eine eindeutige Entscheidung sprechen. D. h. man muss abwägen, welche Punkte für und welche Punkte gegen eine vorzeitige Einschulung sprechen und wie viel Gewicht man diesen jeweils gibt. Das bedeutet, dass eine vorzeitige Einschulung auf jeden Fall immer eine individuelle Betrachtung des Falls mit sich bringt und eine individuelle Entscheidung getroffen wird.

Chancen und Herausforderung vorzeitiger Einschulung

Eine besondere Herausforderung, die die vorzeitige Einschulung mit sich bringt, ist das Thema Bildungsgerechtigkeit. Das bedeutet, dass Kinder aufgrund ihres familiären Hintergrunds und aufgrund ihres sozialen Umfelds manchmal unterschätzt werden. Hier gilt es, ein besonderes Augenmerk auf diese Kinder zu richten und deren Eltern auch gut zu unterstützen, damit ungleichen Bildungschancen frühzeitig entgegengewirkt werden kann.

Wenn wir noch einmal auf die größte Chance schauen, die die vorzeitige Einschulung mit sich bringt, dann ist es in jedem Fall die Vermeidung der schulischen Unterforderung gleich zu Beginn der Schullaufbahn des Kindes. D. h. man kann das Kind mit der vorzeitigen Einschulung schon gut pushen, um dann gut in die Schule zu starten und nicht erste negative Erfahrungen direkt am Anfang zu sammeln.